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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gemischte Reaktionen auf Fernunterricht-Pläne

Eine Schülerin sitzt an am Schreibtisch und bearbeitet Aufgaben an einem Tablet

Die Schüler in Hessen sollen wegen der Corona-Pandemie nach den Herbstferien wieder mehr Zuhause unterrichtet werden. Schüler- und Elternvertreter sind skeptisch: Für den Fernunterricht fehlten meist die Voraussetzungen.

Nach den Herbstferien dürfen Schüler ab der achten Klasse teilweise via Fernunterricht unterrichtet werden. Das teilte das Kultusministerium am Freitag mit. Damit rückt das Ministerium davon ab, dass trotz Corona-Pandemie der gesamte Unterricht möglichst als Präsenzunterricht stattfinden soll.

Der Fernunterricht kann generell und unabhängig von akuten Corona-Fällen beantragt werden. An allgemeinbildenden Schulen sollen bis zu einem Viertel der Unterrichtsstunden, an Berufsschulen bis zur Hälfte der Unterrichtsstunden im so genannten digitalgestützten Distanzunterricht gehalten werden dürfen.

Lehrer, Eltern und Schüler müssen zustimmen

Das Kultusministerium betont, das Angebot sei ein freiwilliges und kein Zwang. Zudem kommen nur Schulen mit entsprechenden technischen Voraussetzungen in Frage. Außerdem müssten Lehrer und Schüler beziehungsweise die Eltern zustimmen. Für die Jahrgangsstufen acht bis zehn gelten noch einmal verschärfte Voraussetzungen: Hier kann der Fernunterricht nur bei einstimmigem Einverständnis der gesamten Elternschaft beantragt werden können.

Nur wenn all das erfüllt ist, kann das Kultusministerium das ganze prüfen und genehmigen. Hessen ist nach eigenen Angaben das erste Bundesland, das diesen Schritt geht.

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lobt den Vorstoß zwar im Kern. Allerdings gebe es ein Problem: "Die flächendeckende Umsetzung wird an der fehlenden technischen Ausstattung scheitern", sagte Roman George, bildunsgpolitischer Referent dem hr. "Wir gehen davon aus, dass nur einzelne Schulen die Voraussetzungen dafür erfüllen werden."

Am Ende doch nur Aufgabenblätter?

Kritik kam auch von Hessens Landesschulsprecher Paul Harder: "Die Ankündigung des digitalen Unterrichts suggeriert, dass hier klassische Schulstunden via Tablet abgehalten würden." Dafür gebe es aber kein ausgereiftes Konzept, so Harder. "Am Ende wird dieser digitale Unterricht wieder größtenteils die schon aus dem Lockdown bekannten Aufgabenblätter sein, fürchten wir."

Auch beim Elternbeirat fiel der Vorstoß auf Skepsis: "An meiner Schule wurden für rund 700 Schüler gerade 86 Tablets bestellt." Diese seien aber noch nicht einmal da", sagte Herbert Bengs, Elternvertreter aus Volkmarsen. Eine Umfrage im Elternbeirat habe außerdem ergeben: "Der Bedarf ist drei Mal so hoch." Gerade einkommensärmere Familien könnten den Kindern die nötigen Tablets nicht finanzieren.

Keine Rechner, kein Internet

Ende August hatte eine hr-Recherche ergeben, dass trotz der bereitgestellten 50 Millionen von Bund und Land für die bessere digitale Ausstattung der Schulen noch kaum Tablets an den Schulen angekommen waren. Auch bei der Internetverbindung in Klassenzimmern hakte es oft.

Aus der Elternschaft kamen allerdings auch positive Reaktionen auf die Initiative. "Das ist ein guter Vorstoß", sagte Christian Kirchner, Vertreter des Landeselternbeirats für die Gymnasien. Gerade angesichts der nun beginnenden nasskalten Tage, sei die Möglichkeit zum Fernlernen begrüßenswert. "Man kann die Kinder in die kalte Zugluft beim Corona-Lüften setzen und morgens in die vollen Busse, oder dafür sorgen, dass sie sowohl lernen können, als auch gesund bleiben", sagte das Landeselternbeirats-Mitglied.

Sendung: hr-iNFO, 09.10.2020, 22 Uhr