Leere Tische und Stühle einer Gaststätte stehen vor dem Frankfurter Römer.

Sinkende Zahlen von Corona-Neuinfektionen haben manche Bundesländer zum Anlass genommen, weitere Lockerungen in Aussicht zu stellen - zum Beispiel in der Gastronomie oder im Tourismus. Hessen will darüber erst kommende Woche beraten.

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Angesichts sinkender Corona-Zahlen mehren sich auch in Hessen die Rufe nach Lockerungen für die krisengebeutelte Gastronomie. Zwar greift derzeit noch in allen Kreisen die Bundesnotbremse, die eine Öffnung von Restaurants, Cafés und Kneipen untersagt. Bei einer Inzidenz unter 100 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen (Samstage mitgezählt) wird diese jedoch am übernächsten Tag aufgehoben.

In der Wetterau etwa könnte das bereits ab Montag der Fall sein. Am Mittwoch lag der Kreis zum zweiten Mal unter 100, Tendenz weiter sinkend. Sofern sich daran bis Samstag nichts ändert, gelten in dem Kreis ab der kommenden Woche also wieder die Corona-Regeln des Landes.

Die nächtliche Ausgangssperre würde dann aufgehoben, Treffen mit zwei Haushalten wären wieder erlaubt. Außerdem dürften zum Beispiel Fitnessstudios und Baumärkte unter Auflagen öffnen. Körpernahe Dienstleistungen wären ebenfalls wieder grundsätzlich möglich - Friseurbesuche auch ohne negativen Corona-Test. Kinder dürften in größeren Gruppen draußen Sport treiben.

Lockerungen in Seniorenheimen bei Besuchen

Die entsprechende Verordnung hat das Corona-Kabinett am Mittwoch bis zum 30. Mai verlängert. Ob sich danach noch weitergehende Lockerungen ergeben, beispielsweise, ob die Außengastronomie wieder öffnen darf, will die Landesregierung erst in der kommenden Woche beraten, teilte sie am Mittwochnachmittag mit. Eigentlich war erwartet worden, dass das schon in der aktuellen Sitzung thematisiert wird.

Neu beschlossen wurden allerdings Erleichterungen für bereits vollständig Geimpfte und Genesene. Sie sollen "Negativ-Getesteten gleichgestellt und darüber hinaus bei den Kontaktbeschränkungen künftig nicht mehr mitgezählt" werden, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Anschluss der Sitzung.

Auch die Beschränkungen der täglich erlaubten Besuche in Altenheime entfallen. Ab dem 15. Mai brauchen Genesene und vollständig Geimpfte zudem keinen Negativ-Test mehr, wenn sie eine solche Einrichtung besuchen wollen. In den Zimmern von vollständig geimpften oder genesenen Personen muss dann auch keine Maske mehr getragen werden.

Gastronomen: Innen- und Außenbereiche öffnen

Gastronomen hatten zuvor auf weitergehende Lockerungen gedrungen. In einem gemeinsamen Aufruf an die Landesregierung forderten der Hessische Industrie- und Handelskammertag, der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sowie der Handelsverband Hessen, Außenbereiche der Gastronomie wieder zu öffnen, sofern ein Kreis eine stabile Inzidenz unter 100 aufweist. Mit negativem Test könnten auch die Innenräume öffnen, meinen die Gastronomen. Auch touristische Übernachtungen wollen sie wieder erlauben.

Unterstützung kam von der FDP. "Die Bundes-Notbremse schreibt Gastronomie-Schließungen ab einer Inzidenz von 100 vor. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Öffnungen in Landkreisen mit einer Inzidenz von unter 100 möglich sind", sagte der Fraktionsvorsitzende im Landtag, René Rock. Er erwarte, dass die Landesregierung der Gastronomie endlich Perspektiven aufzeige.

"Konkret heißt das, genau die Öffnungen der Außengastronomie zu ermöglichen, die Ministerpräsident Volker Bouffier schon für April versprochen hatte", sagte Rock in Anspielung an eine Ankündigung des Ministerpräsidenten von Ende Februar. Durch die steigende Zahl der Geimpften halte er es auch für möglich, die Innengastronomie mit geeigneten Hygienekonzepten wieder zu öffnen, sagte Rock.

SPD: "Mindesterwartungen" erfüllt

Die SPD im Landtag reagierte verhalten auf die neuen Beschlüsse: Sie "erfüllen immerhin die Mindesterwartungen", sagte die Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser am Mittwoch. Es sei wichtig, dass die restriktiven Besuchsregeln für Alten- und Pflegeheime in absehbarer Zeit aufgehoben werden sollen.

"Unverständlich" nannte sie es hingegen, wieso Schwarz-Grün eine Strategie zum bevorzugten Impfen in den Corona-Hotspots nicht ausdrücklich unterstütze. "Das vor wenigen Tagen in Köln gestartete Modell bietet die Chance, die Pandemie dort einzudämmen, wo sie am bedrohlichsten ist. Testen, impfen, aufklären – das muss der Dreiklang in der Corona-Bekämpfung sein", sagte Faeser.

Außengastronomie in Schleswig-Holstein längst erlaubt

In Schleswig-Holstein ist die Außengastronomie bereits seit einem Monat wieder geöffnet. Trotzdem sank die landesweite Inzidenz am Mittwoch laut Robert-Koch-Institut auf 54,5. Auch Niedersachsen hat inzwischen angekündigt, Außenbereiche in Regionen mit niedrigen Inzidenzen wieder zu öffnen. Dort und in anderen Bundesländer wird geplant, den Tourismus wieder zu erlauben.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek zeigte sich in der jüngsten Folge des NDR-Podcasts Das Corona-Update optimistisch, dass sich die Lage in Deutschland bald entspannen werde. Schon in vier Wochen könnte die Hälfte der Erwachsenen eine erste Impfung erhalten haben, schätzte Ciesek.

Virologin Ciesek: Lockerungen für Geimpfte zulassen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bundeskabinett bringt Lockerungen für Geimpfte auf den Weg

Hände greifen nach einem Impfausweis. (dpa)
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Zu den geforderten Lockerungen sagte sie, man müsse unterscheiden, wer auf wen treffe: Eine Gruppe vollständig geimpfter Personen sei nahezu vollständig geschützt. "Hier kann es zu einer Lockerung kommen." Anders sehe es in der Öffentlichkeit aus, wo ganz viele noch nicht geimpft sind. "Da muss man noch vorsichtig sein und als Geimpfter noch Rücksicht nehmen auf die, die nicht geimpft sind."

In Hessen gelten bereits erste Lockerungen für Geimpfte. Beim Friseur oder dem Einkaufen mit Termin müssen sie anders als Nicht-Geimpfte keinen aktuellen negativen Corona-Test mehr vorweisen.

Das Bundeskabinett brachte zudem am Dienstag ein Gesetz mit weiteren Erleichterungen auf den Weg: Geimpfte sollen sich künftig auch ohne Einschränkungen treffen dürfen, Ausgangsbeschränkungen für sie nicht mehr gelten. Bundestag und Bundesrat müssen dem Gesetz aber noch zustimmen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.05.2021, 19.30 Uhr