Patienten steigen in den Medibus in Nentershausen
Patienten steigen in den Medibus in Nentershausen Bild © picture-alliance/dpa

Der Medibus bewährt sich im Praxistest in Nord- und Osthessen. Wo es längst keine Hausärzte mehr gibt, kommen seit Juli Mediziner auf Rädern zu den Patienten. Es gibt Pläne zur Ausweitung des Angebots.

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Patientin steigt in den Medibus in Nentershausen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Im Schnitt 34 Patienten am Tag im Medibus

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Nach drei Monaten Testbetrieb stößt die mobile Hausarztpraxis Medibus bei Patienten in Nord- und Osthessen auf Akzeptanz. Die Sprechstunden seien bestens ausgelastet, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen in Sontra. Behandelt würden im Medibus mittlerweile rund 34 Patienten pro Tag. 690 Kontakte zwischen Arzt und Patienten wurden im ersten Quartal des Pilotprojekts gezählt. Das entspreche den Zahlen einer durchschnittlichen Hausarztpraxis.

Der Medibus ging im Juli an den Start. An vier Tagen in der Woche besucht die rollende Praxis jeweils zwei der sechs am Test beteiligten Gemeinden: Cornberg und Nentershausen (Hersfeld-Rotenburg) sowie Herleshausen, Ringgau, Sontra und Weißenborn (Werra-Meißner). Die KV will mit dem zu einer Praxis umgebauten Linienbus Engpässe in der ärztlichen Versorgung auf dem Land überbrücken. 600.000 Euro kostet der Betrieb in den zwei Testjahren.

Mit Warteraum, Labor und kleinem Behandlungszimmer

Der Bus ist ausgestattet wie eine Hausarztpraxis mit Wartebereich, Labor und einem kleinen Behandlungsraum. Ein Fahrer, zwei Arzthelferinnen und ein Arzt sind an Bord. Die Patienten kommen nach Auskunft des an einem Oktobermorgen diensthabenden Arztes Matthias Roth wegen Bluthochdruck, Diabetes und anderer typischer Leiden.

Reibungslos lief der Test allerdings bisher nicht: Mal bockte die Klimaanlage, dann stellten sich rollende Hocker als Problem heraus - wenn der Bus abschüssig parkte. Ein anderes Mal musste die Bushaltestelle getauscht werden: Damit bei schlechtem Wetter niemand im Freien warten muss, wurde ein Standort mit einer beheizten Halle gesucht.

Drei Ärzte für 8.000 Bewohner

Neuen Hausarztpraxen steht der Medibus laut Kassenärztlicher Vereinigung nicht entgegen. Die Region, in der der Bus unterwegs ist, sei als offen eingestuft. Das bedeutet: Bis zu sieben Mediziner können sich dort niederlassen - sofern es Interessenten gibt. Trotz Anreizen wie Zuschüssen sei der Ärztemangel aber längst in Hessen angekommen. 171 freie Hausarztstellen gebe es in dem Bundesland.

Ohne Medibus stehen immer mehr Patienten in Hessen vor dem Nichts. Besonders auf dem Land fehlen die Allgemeinmediziner. In Sontra (Werra-Meißner-Kreis) kämen auf 8.000 Bewohner drei Ärzte, sagt Bürgermeister Thomas Eckhardt (SPD). In den umliegenden Orten gibt es teilweise gar keinen Hausarzt mehr. Und die vorhandenen Ärzte nähmen oft nur noch Notfälle an.

Für die Deutsche Bahn, die den Bus zum Medibus umgebaut hat, haben die mobilen Praxen daher Zukunft. Es existiere bereits ein zweiter Medibus in Berlin, der für mobile Gesundheitsuntersuchungen genutzt werde. Ein weiteres Fahrzeug sei im Bau. Auch Unternehmen hätten schon nach solchen Bussen gefragt, beispielsweise für ihre Betriebsarzt-Einsätze, sagte ein Bahn-Sprecher.