Roboter Pepper beim Einkaufen

Roboter könnten Großstädtern bald beim Einkauf helfen oder Pakete liefern. Noch ist das Zukunftsmusik, aber hessische Forscher testen neue Ideen für städtische Transporte. In Kassel setzen sie auf Pepper.

"Hallo, du kannst mir bestimmt helfen, mein Name ist Pepper", sagt der Roboter und schaut zu Christian Engel hoch. Dann erklärt die humanoide Maschine dem Studenten, dass sie Teil eines Lieferdienstes sei und Waren abholen solle - vorausgesetzt, das Paket sei nicht zu groß. Engel drückt der Maschine ein kleines Objekt in die Hand. Pepper greift zu, bedankt sich und rollt weg.

Die Szene im Gebäude des Fachgebiets Mensch-Maschine-Systemtechnik der Universität Kassel ist kein Science-Fiction, sondern Teil des millionenschweren Forschungsprojekts "Unbeschwert urban unterwegs" (U-hoch-3). Dabei entwickeln die Forscher mit Partnern wie der Kasseler Verkehrsgesellschaft KVG und dem Nordhessische Verkehrsverbund NVV ein Assistenzsystem, das den Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel "bedarfsgerecht entlang seiner Reisekette unterstützt".

 Professor Schmidt mit Roboter Pepper

Konkret geht es um eine einfache Frage: Wie kann die Fahrt mit Bus und Bahn bequemer, einfacher und attraktiver werden? Eine Antwort der Forscher um den Kasseler Professor Ludger Schmidt: Wenn der Nutzer keine Einkäufe schleppen muss. Daher wird in Kassel an einem Lieferdienst gearbeitet, der Einkäufe im Laden abholt und zum Kunden nach Hause bringt.

Augenkontakt mit dem Roboter

Roboter wie Pepper sind der erste Schritt hin zu einem Lieferdienst. Pepper dient zunächst zur Interaktionsentwicklung im Labor. Beim für 2022 geplanten Feldtest in Kasseler Einkaufszentren wird Tiago eingesetzt, ein anderes Modell, groß und kräftig. "Große Kräfte erfordern zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen", sagt Schmidt. Zudem machten solche Maschinen leicht Angst. Die Forscher achten selbst auf Details wie den Augenkontakt der Roboter, der als Sprechsignal für Menschen diene. "Da man solche Dinge aus der Mensch-Mensch-Kommunikation kennt, überträgt man solche Verhaltensweisen auf die Mensch-Roboter-Kommunikation", erklärt Schmidt.

Die Roboter sollen die Einkäufe einsammeln und dann in ein Depot bringen. Wie es von dort zum Kunden geht, ist noch in Arbeit. Denkbar sei beispielsweise eine Lösung mit Lastenrädern. Wie bei den Roboter gehe es drum, zunächst viele Optionen unter Laborbedingungen auszuprobieren. "Im Labor wird vorgetestet, damit wir mit der besten Lösung in den Feldversuch gehen", sagt der Professor.

Paketzustellung per Tram

Ähnlichen Fragen wie in Kassel gehen auch Forscher an anderen hessischen Hochschulen nach. Die Frankfurt University of Applied Sciences beendete gerade ein ähnliches Projekt mit einer anderen Zielsetzung. Das Forschungsteam des Research Lab for Urban Transport (Relut) analysierte die Integration der Straßenbahn in die Sendungszustellung eines Paketzustellers.

In einem Pilotversuch belieferte ein Logistikunternehmen die Tram aus einem firmeneigenen Depot mit einem Elektro-Transporter. Die Bahn transportiere die Pakete dann bis zu einer ausgewählten Station. Dort übernahmen Kuriere mit Elektro-Lastenrädern die Boxen und stellten sie zu. Technisch gesehen war das Projekt ein Erfolg. Allerdings sei dieser Weg 15 Prozent teuer als heutige Lösungen, sagt Kai-Oliver Schocke, Direktor am Relut. Darüber hinaus fuhren keine Passagiere mit der Logistiktram - das ist rechtlich nicht erlaubt und auch ein Problem, das die Forscher in Kassel sehen, wo ebenfalls über einen solchen Weg nachgedacht wurde.

Forscher: Citymaut würde Projekt beflügeln

Die Zustellung mit diesem Verfahren kostete im Schnitt 1,93 Euro pro Paket - die Belieferung mit einem Transporter vom Depot bis zur Haustür 1,65 Euro. Nicht eingerechnet wurde dabei, dass man auch Umweltverschmutzung und Staus als eine Art Kosten berücksichtigen müsste. So könnte bei entsprechender Umweltpolitik das Straßenbahnmodell schnell attraktiv werden: "Wenn wir eine Citymaut bekämen, sind wir mit diesem Modell sehr schnell profitabel oder kostengleich", sagt Schocke.

Die Frankfurter sind bereits am nächsten Projekt. Mit der Hochschule Darmstadt arbeiten sie am Aufbau eines Netzwerks für die Belieferung durch Lastenräder. Denn durch die Corona-Krise seien viele Einzelhändler in den Innenstädten gegenüber Internet-Konzernen aufgrund der Schließung der Läden weiter ins Hintertreffen geraten. Dabei könnten die Einzelhändler schneller und umweltfreundlicher eine Lieferung am Kauftag anbieten als die großen Konzerne - einen entsprechenden Radbelieferungsdienst vorausgesetzt.