Der mutmaßliche Mörder Walter Lübckes, Stephan Ernst, vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt

Erst war unklar, ob und wie sich Stephan Ernst im Prozess um den getöteten Ex-Regierungspräsidenten Walter Lübcke äußern würde. Nun haben sich Verteidigung und Gericht geeinigt: Ernst wird sich schriftlich einlassen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das bringt der vierte Prozesstag im Fall Lübcke

Der Gerichtssaal beim Lübcke Prozess, hier der Tisch der Zeugen
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Im Prozess um den getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) wird eine längere schriftliche Aussage des Hauptangeklagten Stephan Ernst für Ende Juli oder Anfang August erwartet.

Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel erklärte bei der Verhandlung am Donnerstag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht, dass sich Gericht und Verteidigung auf den Zeitraum zwischen 30. Juli und 7. August verständigt haben. In dieser Zeit sind insgesamt drei Prozesstage angesetzt. Über den Inhalt der Einlassung wurde noch nichts bekannt.

Die Verhandlung wurde am Donnerstag mit einem weiteren Vernehmungsvideos Ernsts fortgesetzt. Dieses stammt vom Februar dieses Jahres. Darin schildert Ernst den Tod Lübckes erneut als "Unfall", der durch den Mitangeklagten Markus H. verursacht worden sei. Beide hätten Lübcke im Juni 2019 in dessen Haus aufgesucht, um ihn einzuschüchtern und zu schlagen. Dabei habe sich versehentlich ein Schuss aus der von H. mitgeführten Pistole gelöst. In einer ersten Vernehmung hatte Ernst die Tat zunächst gestanden.

Antrag auf Aussetzung von H.s Haftbefehl abgelehnt

Zuvor lehnte das Gericht mehrere Anträge der Verteidigung von Ernst und H. auf Unterbrechung der Hauptverhandlung ab. Die Verteidigung von Ernst hatte unter anderem moniert, dass die Prozessbeteiligten angesichts der Corona-Pandemie einem unverhältnismäßigen Gesundheitsrisiko ausgesetzt seien und der Prozess aufgrund des öffentlichen Interesses in einem größeren Raum stattfinden müsse. Das Gericht entgegnete, eine Verlagerung in einen größeren Saal für mehr Zuschauer gäbe dem Verfahren vielmehr den "Anschein eines Schauprozesses".

Insgesamt sind für den Prozess bis Ende Oktober dieses Jahres 30 Verhandlungstermine angesetzt worden.

Sendung: hr-iNFO, 02.06.2020, 10.30 Uhr