Reinraum im Biontech-Werk in Marburg - drei Menschen in blauen Schutzanzügen bei der Arbeit

Corona-Impfstoff ist ein begehrtes Gut. In Marburg fährt die Firma Biontech unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen derzeit die Produktion hoch. Ein ARD-Team durfte sich dort umschauen.

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hs 19:30 31.03.2021 Thumbnails
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Von außen ist das etwas in die Jahre gekommene Gebäude im Marburger Stadtteil Marbach eher unscheinbar. Das Schweizer Pharma-Unternehmen Novartis hatte keine Verwendung mehr dafür und verkaufte es an ein Unternehmen, das noch vor Kurzem kaum jemand kannte: Biontech aus Mainz.

Ende vergangenen Jahres hatte Biontech dann die Anträge für den Umbau und Betrieb der Anlage zur Herstellung seines Corona-Impfstoffes gestellt, Mitte Februar startete das Werk mit der Vorproduktion. Nach einer nun erfolgten abschließenden Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) kann die Auslieferung im April starten.

Bis zu einer Milliarde Dosen pro Jahr

Die Produktion läuft dafür rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche. 400 Beschäftigte arbeiten in dem Marburger Werk. Eine von ihnen ist die Molekularbiologin Valeska Schilling, die die Produktion leitet. "Wir planen für die erste Jahreshälfte, 250 Millionen Dosen aus Marburg auszuliefern", erklärt Schilling.

Wenn alles rund laufe, dann komme das Werk auf eine Maximalkapazität von einer Milliarde Dosen pro Jahr.

So läuft die Herstellung in Marburg

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So funktioniert die Impfstoff-Herstellung in Marburg

Valeska Schilling, Produktionsleitung bei Biontech in Marburg
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Die wichtigste Zutat für das Impfserum ist die so genannte mRNA. Das ist ein Botenstoff, der Körperzellen dazu bringt, selbst Teile des Corona-Virus herzustellen. So kann sich das Immunsystem auf das Virus einstellen und man ist vor Covid weitestgehend geschützt.

Die mRNA entsteht in Marburg in Kesseln aus blankpoliertem Edelstahl, sogenannten Bio-Reaktoren. Gemessen an anderen Industrieanlagen scheinen die Behälter erstaunlich klein – kaum größer als ein Boiler im Badezimmer.

Für Biologin Schilling sind die Behälter allerdings ziemlich groß im Vergleich zur üblichen mRNA-Herstellung. Die kennt man bisher nämlich nur aus dem Labor, die Herstellung für die breite Masse, die ist neu.

Daraus entsteht der Impfstoff

Die Kessel werden befüllt mit gereinigtem Wasser, mit Erbgut-Schnipseln des Corona-Virus und mit Enzymen. Diese Enzyme stellen dann die mRNA her. Um in diesem Jahr tatsächlich noch eine Milliarde Impfdosen zu produzieren, müssen viele Bioreaktoren parallel laufen.

Rein technisch, sagt Schilling, könne man auch mit einem Szenario umgehen, das viele fürchten: Das Corona-Virus könnte sich so verändern, dass der jetzt entwickelte Impfstoff gar nicht mehr wirkt.

Impfstoff lässt sich an Mutanten anpassen

Dann müsse man die veränderten Erbgut-Schnipsel in die Kessel füllen, so genannte DNA-Templates. "Der Prozess ist auch mit Mutanten-DNA machbar", betont Schilling. Am eigentlichen Herstellungs-Prozedere ändere sich nichts.

Allerdings müssten Forscher erst die veränderten Erbgut-Abschnitte finden. Anschließend müssten die Behörden den veränderten Impfstoff genehmigen. Das alles würde wieder Zeit kosten. Schilling ist froh darüber, dass sie jetzt in Marburg erstmal alles haben, um loslegen zu können. Für sie und das Unternehmen sei das ein "riesiger Erfolg und Meilenstein".