Impfzentrum Frankfurt

Die Ära der Impfzentren geht in Hessen zu Ende: Am Samstag schließen die ersten beiden Zentren in Frankfurt und Wiesbaden. Bis zum Monatsende sollen alle weiteren folgen. Für ihre Arbeit gibt es viel Lob, aber die Kosten sind enorm.

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zum Video Erste Impfzentren machen dicht

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Wie zufrieden die Menschen mit dem Impfzentrum Heusenstamm sind, belegt der Landkreis Offenbach mit einer Zahl: Bei Google wird das Zentrum mit 4,3 von 5 Sternen bewertet, es gibt viele freundliche Kommentare. Auch der Lahn-Dill-Kreis verweist auf positives Feedback - eine Pinnwand voll mit Dankesnoten und eine Menge positiver Facebook-Kommentare. Und in der Tat: An der Impfkampagne wurde viel zwar kritisiert, aber die Arbeit der Impfzentren wurde meistens gelobt. Reibungsloser Ablauf, freundliche Mitarbeiter, und der Pieks tat auch nicht weh.

Entspannte Leere

Auch die numerische Bilanz kann sich sehen lassen. Von den bisher gut acht Millionen Impfungen in Hessen wurden rund 60 Prozent in den Impfzentren verabreicht; oder von mobilen Teams, die den Impfzentren angegliedert sind. Auch in der vergangenen Woche ließen sich mehr Menschen die Spritze im Impfzentrum geben als in den Arztpraxen. Die niedergelassenen Ärzte haben - anders als von vielen prophezeit - den Impfzentren keineswegs den Rang abgelaufen.

Allerdings ging’s in den Impfzentren wohl auch deshalb meist entspannt zu, weil sie fast nie ausgelastet waren. Der Spitzenwert wurde am 6. Mai erreicht, erklärt das Hessische Innenministerium, das Aufbau und Betrieb der landesweit 28 Zentren koordiniert hat. Es waren 34.000 Spritzen. Dabei wären pro Tag auch locker 45.000 Spritzen möglich gewesen. Über die gesamte Zeit hinweg lag die Auslastung der Zentren bei rund einem Drittel der Kapazität.

Einsatzbefehl ohne Impfstoff

Die Gründe sind klar: Erst fehlte der Impfstoff, dann blieben die Impfwilligen aus. Obwohl es anfangs kaum Serum gab, musste in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt ab dem 14. Dezember vergangenen Jahres ein Impfzentrum betriebsbereit sein. Das hatte das Land per Einsatzbefehl angeordnet. Tatsächlich konnten die meisten Impfzentren aber mangels Impfstoffs erst zwei Monate später loslegen.

Alles in allem dürfte der Betrieb der Impfzentren über 600 Millionen Euro gekostet haben, kalkuliert das Land. Das schließt auch die Hotline und Software für die Terminvergabe mit ein. Beide sorgten für viel Ärger, weil sie zu Beginn mehrmals zusammenbrachen. Wie teuer alles genau war, wird erst in einigen Monaten feststehen. Dann nämlich, wenn die Städte und Kreise ihre Endabrechnungen ans Land geschickt haben. Land und Bund übernehmen jeweils zur Hälfte alle Kosten.

130 Euro pro Spritze

Rechnet man die geschätzten Gesamtkosten auf eine einzelne Impfung herunter, dann kommt man auf rund 130 Euro pro Spritze. Verglichen mit dem Arzthonorar für eine Impfung (20 Euro) ist das ein stolzer Preis, wie Frank Dastych, der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, schon im Mai im hr bemängelt hat.

Innenminister Peter Beuth (CDU) argumentiert anders. Gerade zu Beginn sei es ohne die Impfzentren nicht gegangen. Damals habe der Impfstoff noch bei -70 Grad gelagert und schnell verbraucht werden müssen. Das hätten Arztpraxen gar nicht leisten können. Auch hätten es die Impfzentren geschafft, in einer Zeit des Mangels den Impfstoff gerecht zu verteilen. Beuth nennt die Zentren "einen Stabilitätsanker für verlässlichen Schutz".

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Eine Frau wird beim Hausarzt gegen das Coronavirus geimpft.
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Arztpraxen für Übernahme gerüstet

Nun muss die Impfkampagne ohne die Zentren weitergehen. Nach Berechnungen des hr-Datenteams müssen sich noch über eine halbe Million Menschen in Hessen impfen lassen, um die vom Robert-Koch-Institut geforderten Impfquoten von 85 Prozent der Bevölkerung (beziehungsweise 90 Prozent bei den Hochbetagten) zu erreichen.

Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) ist da optimistisch: "Die Schließung der Impfzentren wird nicht dazu führen, dass weniger geimpft wird", so Klose im hr. Er setzt vor allem auf die niedergelassenen Ärzte. Die seien jetzt die erste Anlaufstelle für die Corona-Schutzimpfung, und die könnten das auch schaffen. Das bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung. Die erklärt auf hr-Anfrage, das dürfte "von der Impflast für die Praxen kein Problem sein".

Weiterhin feste Impfstellen

Außerdem wollen die Städte und Kreise weiterhin mobile Teams impfen lassen, etwa für die Drittimpfungen in Pflegeheimen. Und mancherorts wird es auch weiterhin feste Impfstellen geben. In Frankfurt etwa - dort soll schon am kommenden Dienstag ein neues Impfzentrum öffnen. Kleiner als das bisherige in der riesigen Festhalle, aber auch auf dem Messegelände und von Montag bis Freitag für alle Impfwilligen geöffnet.

Auch Gießen richtet eine feste Impfambulanz ein. Kassel, Darmstadt und Erbach (Odenwald) planen das Gleiche. Im Main-Kinzig- und im Hochtaunuskreis soll es sogar mehrere Impflokale über das Kreisgebiet verteilt geben. Ganz ohne feste Anlaufstellen fürs Impfen geht es also doch noch nicht.

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