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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Flüchtlinge aus Moria kommen in Gießen an

Migranten steigen aus einem Flugzeug am Flughafen Hannover.

Das Entsetzen nach dem Brand im griechischen Flüchlingslager Moria war groß. Nun sind 139 unbegleitete Minderjährige in Deutschland gelandet - zwei nimmt die Stadt Gießen auf.

Deutschland hat am Mittwoch 139 Flüchtlinge aus griechischen Lagern aufgenommen - die ersten nach dem verheerenden Brand in Moria. Mindestens zwei von ihnen kamen am Abend nach hr-Informationen nach Hessen. Die Stadt Gießen bestätigte das auf Anfrage.

Demnach handelt es sich um zwei 17-jährige Jungen aus Afghanistan. Sie sollen in einer Einrichtung für unbegleitete Minderjährige unterkommen. Corona-Tests bei ihnen waren negativ, trotzdem sollen sie zunächst unter Quarantäne gestellt werden.

Mehr Neuankömmlinge möglich

Die Stadt Gießen bot vor drei Wochen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) an, junge Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. In der kommenden Zeit könnten bis zu 20 weitere unbegleitete Minderjährige in der Stadt ankommen.

Ein Statement vom zuständigen Sozialministerium war am frühen Mittwochabend nicht mehr zu erhalten. Daher blieb unklar, wie viele der Flüchtlinge aus dem Flugzeug, das in Hannover gelandet war, insgesamt nach Hessen kommen sollen.

Die Menschen, die am Mittwoch mit einem Flugzeug in Hannover landeten, werden auch auf Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein verteilt. Zu der Gruppe zählen 51 unbegleitete Minderjährige aus Moria und 17 kranke Kinder mit ihren Kernfamilien, zusammen 88 Menschen, wie das Bundesinnenministerium mitteilte.

Hessen will bis zu 200 Moria-Bewohner aufnehmen

Deren Aufnahme ist unabhängig von den insgesamt 1.553 Moria-Bewohnern, die Deutschland nach dem Brand des völlig überbelegten Flüchtlingslagers hierher holen will.

Hessen erklärte sich bereit, 200 davon im Land unterzubringen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Wiesbaden dem hr. Noch sei unklar, ob dieses Kontingent ausgeschöpft werde. Die Entscheidung darüber falle auf Bundesebene. Das Bundesinnenministerium kündigte am Mittwoch an, man wolle mit der Aufnahme bald beginnen.

Mehrere Kontingente

Bundesinnenminister Seehofer hatte vor einiger Zeit angekündigt, 243 kranke Kinder mit ihren Familien aus Griechenland aufzunehmen. Dazu sollen insgesamt 400 unbegleitete Minderjährige aus Moria kommen. Zu diesen Kontingenten gehören die am Mittwoch eingetroffenen Menschen. 

Insgesamt kamen nach Angaben des Bundesinnenministeriums in diesem Jahr bislang 713 Flüchtlinge, darunter 104 unbegleitete Minderjährige und 142 kranke Kinder, per Flugzeug von Griechenland nach Deutschland.

Sendung: hr-iNFO, 30.09.2020, 16 Uhr