Eine Frau mit Mundschutz in einem Medizinlabor.

Hoffnungsschimmer in Zeiten des Lockdowns: Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen hat einen Test eines möglichen Corona-Impfstoffs an Menschen zugelassen. Er soll bald beginnen und mindestens bis 2021 dauern.

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Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit Sitz in Langen (Offenbach) hat erstmals eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten gegen das neuartige Coronavirus in Deutschland erteilt. Das Mainzer Unternehmen Biontech erhielt die Genehmigung, vier verschiedene mögliche Impfstoffe an Menschen zu testen, wie das PEI und das Biotech-Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Demnach hat auch die dafür zuständige Ethikkommission Baden-Württemberg zugestimmt.

Biontech will die vier möglichen Impfstoffe in einer ersten Testphase an rund 200 gesunden Freiwilligen zwischen 18 und 55 Jahren untersuchen. Untersucht würden Verträglichkeit und Wirksamkeit. Damit will Biontech Ende April beginnen, die Phase soll drei bis fünf Monate dauern. Anschließend werde die Wirksamkeit in einer zweiten Phase erneut an tausenden Probanden getestet - dann auch an Risikopatienten und Menschen bis 80 Jahre. Mit dem Ende dieser zweiten Test-Phase rechnet das Unternehmen erst im kommenden Jahr. Die Aktien von Biontech sprangen am Mittwoch auf der Handelsplattform Tradegate um bis zu 48 Prozent auf 57,59 Euro an.

PEI: "Wichtiger Meilenstein"

"Die Erprobung von Impfstoffkandidaten am Menschen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen Covid-19 für die Bevölkerung in Deutschland und darüber hinaus", teilte das PEI mit. Die Genehmigung sei das Ergebnis einer sorgfältigen Bewertung des potenziellen Nutzen-Risiko-Profils der Impfstoffkandidaten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Klinische Studie mit vier möglichen Impfstoffen gegen das Coronavirus

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Über 20 mögliche Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 stellte das Mainzer Biotech-Unternehmen nach eigener Aussage bislang her. Es testete sie unter anderem an Tieren. Dabei hätten sich vier besonders geeignete Wirkstoffe herauskristallisiert. Bis zur Genehmigung der ersten klinischen Studie dauerte es demnach drei Monate.

Fünfte klinische Studie eines Impfstoffes weltweit

Der von Biontech entwickelte Wirkstoff gehört in die Gruppe der genbasierten Impfstoffe. Diese enthalten ungefährliche genetische Informationen des Erregers. Im Körper werden daraus Proteine hergestellt, gegen die das Immunsystem Abwehrstoffe bildet. Biontech geht bislang davon aus, dass die Impfung zweimal erfolgen muss, bis ein ausreichender Impfschutz vorhanden ist. Bei der Entwicklung des Impfstoffs kooperiert Biontech mit dem Pharmaunternehmen Pfizer.

Seit Ausbruch der Covid-19-Epidemie sind nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller mindestens 80 Impfstoffprojekte angelaufen. Vier Wirkstoffe werden demnach bereits in klinischen Studien in China, Großbritannien und den USA getestet.

Zulassung nicht mehr in diesem Jahr

In Deutschland werden nach Angaben von PEI-Präsident Klaus Cichutek in diesem Jahr voraussichtlich vier klinische Studien mit einem Impfstoff-Kandidaten anlaufen. "Wir stehen erst am Beginn einer Entwicklung. Wir wollen und müssen noch sehr viel mehr Impfstoff-Kandidaten zulassen", sagte Cichutek. Um den großen Bedarf weltweit decken zu können, müsse es auch mehr Impfstoffhersteller geben.

Dass bereits in diesem Jahr ein erster zugelassener Impfstoff für die Bevölkerung bereit steht, hält Cichutek für unwahrscheinlich: "Wir versuchen die Entwicklung zu beschleunigen, aber eine Zulassung macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn es gute Daten zur Verträglichkeit des Impfstoffs gibt." Dazu sei nach der ersten Testphase nach seiner Einschätzung eine zweite mit bis zu 10.000 Probanden nötig.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 22.04.2020, 16.45 Uhr