Neubaugebiet mit vielen Häusern im Rohbau und Baukräne
Neubaugebiet mit vielen Häusern im Rohbau und Baukräne Bild © Colourbox.de

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es möglicherweise bald neue Bauflächen für Wohnungen. Das hat mit veränderten Flugrouten und leiseren Flugzeugen zu tun. Profitieren könnten Städte wie Frankfurt, Darmstadt und Groß-Gerau.

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Ein Maurer verteilt mit einer Kelle Mörtel auf Verbundsteinen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neuzuschnitt der Siedlungsbeschränkungen bringt Platz für neue Wohnungen

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Die Rhein-Main-Region wächst. Wohnraummangel zählt im Ballungsgebiet zu den drängendsten Sorgen der Kommunen. Auf der Suche nach möglichen neuen Bauflächen müssen sie sich an rechtliche Vorgaben halten. So dürfen in besonders vom Fluglärm betroffenen Gebieten keine neuen Bauflächen für Wohnhäuser ausgewiesen werden, weil für die Gebiete eine sogenannte Siedlungsbeschränkung gilt.

Das Areal der Siedlungsbeschränkung verläuft ausgehend vom Frankfurter Flughafen klecksförmig und war bisher etwa 29.000 Hektar groß. Künftig wird es rund 5.000 Hektar kleiner ausfallen: Der zuständige "Regionalverband FrankfurtRheinMain" hat das Gebiet neu berechnet.

Leisere Flugzeuge und geänderte Flugrouten wirken sich aus

Vorgabe hierfür war der neue Landesentwicklungsplan (LEP) des hessischen Wirtschaftsministeriums. Er gilt seit September. Darin sind für die Rhein-Main-Region geltende Beschränkungen ebenfalls angepasst worden, weil durch veränderte Flugrouten und leisere Flugzeuge in manchen Gebieten der Fluglärm abgenommen hat.

Karte Siedlungsbeschränkungsgebiet
Das Siedlungsbeschränkungsgebiet rund um den Frankfurter Flughafen Bild © hessenschau.de
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Landesentwicklungsplan

Fragen und Antworten zum LEP gibt es hier (PDF).

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Daraus abgeleitet konnte die Zone, die nicht als Bauland für Wohnungen in Frage kommt, neu berechnet werden. Künftig umfasst das Gebiet rund 24.000 Hektar. Dadurch entstehen etwa im Norden Darmstadts, bei Groß-Gerau oder auch nördlich des Frankfurter Stadtteils Bergen-Enkheim potenziell neue Flächen für mögliche Bauvorhaben.

"1.500 Hektar Potenzialfläche" für Wohnungsbau

Doch ob auf diesen rund 5.000 Hektar auch tatsächlich Häuser und Wohnungen gebaut werden können, steht noch nicht fest. Im nächsten Schritt muss der Regionalverband den regionalen Flächennutzungsplan erneuern. Dabei müssen wiederum neben den angepassten Siedlungsbeschränkungen weitere Einschränkungen wie Naturschutzgebiete, Sicherheitsabstände zu Hochspannungstrassen oder Landschaftschutzgebiete berücksichtigt werden.

So schrumpft die nun freigegebene Fläche, sodass der Nettogewinn für die Kommunen am Ende deutlich kleiner wird, wie der Direktor des Regionalverbands, Thomas Horn (CDU), erklärt: "Wir haben festgestellt, dass rund 1.500 Hektar Potenzialfläche vorhanden sind. Das heißt, hier kann man näher in die Prüfung eintauchen und muss schauen, ob an der ein oder anderen Stelle Bauland aktiviert werden kann."

Frankfurt begrüßt Verschiebung der Linien

Die verbleibenden 1.500 Hektar entsprechen etwa der Größe der Stadt Kelsterbach (Groß-Gerau), hier und da verteilt in der Rhein-Main-Region. Doch für manche Kommune zählt jeder Hektar, selbst für Frankfurt. "Wenn es tatsächlich einen Bereich gibt, der künftig nicht mehr der Siedlungsbeschränkung unterliegt, dann ist das im Grundsatz erst mal zu begrüßen", sagt der Sprecher des Planungsdezernats der Stadt Frankfurt, Mark Gellert.

Noch sei es nicht so entschieden, aber für Frankfurt "könnte das die Chance eröffnen, dort zusätzlichen Wohnungsbau zu etablieren". Dabei müsste trotzdem der Lärmschutz gewährleistet sein, etwa durch intelligente Anordnung der Gebäude oder den Einbau von Schallschutzfenstern, sagt Gellert.

Skepsis in Groß-Gerau

Auch südlich des Flughafens könnten neuen Wohnflächen gewonnen werden, etwa im Norden von Groß-Gerau. Doch hier beurteilt Bürgermeister Erhard Walter (CDU) die Neuberechnung der Siedlungsbeschränkung skeptisch.

Walter sieht keinen Gewinn für die Stadt, weil im betroffenen Gebiet die Tag- und Nachtschutzzonen des Fluglärmgesetzes weiterhin gelten und andere Einschränkungen die zusätzliche Wohnbebauung verhindern würden. So verlaufe dort eine Hochspannungsleitung. "Das bloße Verschieben der entsprechenden Siedlungsbeschränkungslinien nach Norden führt nicht zu einem weiteren Wohnungsbaupotenzial auf der Fläche", betont Walter.

Bis schließlich klar ist, wo die Kommunen neues Bauland ausweisen können, wird einige Zeit vergehen. Die Flächen werden im neuen Flächennutzungsplan festgeschrieben, der laut Regionalverband voraussichtlich erst in fünf Jahren in Kraft treten wird.