Wartende beim Impftermin in Erzhausen. Auf der Straße sind temporäre Pavillons aufgebaut mit Paravents dazwischen.

Nicht länger mit der Impfung von Jugendlichen warten wollte ein Apotheker in Erzhausen: Er beschaffte sich 1.800 Impfdosen des Biontech-Vakzins und lud 14- bis 17-Jährige zu einer Impfaktion ein. Unumstritten war die nicht.

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hessenschau vom 11.07.2021
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Viel ist los am Sonntag beim Sportverein Erzhausen (Darmstadt-Dieburg). Allerdings weniger wegen eines Fußballspiels. Vielmehr kommen die Menschen wegen einer Impfaktion in der Sporthalle des Vereins. Das Besondere: Die Impfaktion richtet sich vor allem an Jugendliche ab 14 Jahren.

Mit dabei ist auch die 15-jährige Sarah. Ihr Hauptgrund: "Um andere zu schützen und mich selbst auch." Angst vor Nebenwirkungen hat Sarah nicht. Für viele der Minderjährigen hier ist es die erste Impfung. Biontech haben sie verabreicht bekommen. Im August soll es die zweite Impfung geben. So hat es der Initiator der Aktion, der Apotheker Nojan Nejatian, geplant.

"Müssen Nachwuchs stärken"

"Jetzt ist die Deltavariante da", erklärt er seine Motivation. "Das heißt, dass wir noch aufmerksamer sein müssen und unseren Nachwuchs stärken. Vor Corona hat keiner einen Schutz, deshalb müssen wir so viele Leute wie möglich impfen." Deswegen können auch ältere Menschen kommen - Menschen etwa, die schon eine erste Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff hatten und nun eine Kreuzimpfung möchten.

Doch die Diskussion, ob Coronaimpfungen für Jüngere überhaupt richtig seien oder nicht, die habe es im Vorfeld auch gegeben, sagt Nojan Nejatian: "Es gab Eltern, die sagten, das sei unverantwortlich, dass nur der Kinderarzt impfen könne. Deren Theorie ist, dass Kinder geimpft werden sollen, um Erwachsene zu schützen. Das stimmt aber nicht. Die Deltavariante ist auch für Kinder gefährlich."

Keine allgemeine Impfempfehlung

Allerdings: Derzeit gibt es keine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren, sondern nur für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Risiko. Der Grund: Zur Impfung bei Kindern gibt es laut STIKO bislang noch zu wenig Daten und Erfahrungen.

"Aktuell gibt es keinen wirklichen Grund, die Empfehlung zu ändern", betonte STIKO-Vorsitzender Thomas Mertens jüngst. "Es gibt bisher auch keinen wirklich gesicherten Hinweis darauf, dass die Deltavariante Kinder stärker krank macht als die anderen SARS-CoV-2-Viren, die bisher in Zirkulation waren."

"Eine Erleichterung für mich"

Apothoker Nojan Nejatian hält diese Äußerungen für fahrlässig. Jetzt sei doch genug Impfstoff da, um auch Jugendliche zu schützen. Viele Jugendliche und ihre Eltern sehen das offenbar ähnlich. Auch die 15-jährige Verena ist mit ihrer Mutter aus dem 30 Kilometer entfernten Kriftel (Main-Taunus) an diesem Tag angereist. 

"Als wir im Internet die Anzeige gesehen haben, wollte ich sofort hierher kommen, weil ich für mich entschieden habe, dass ich die Impfung will", sagt sie. "Es ist eine Erleichterung für mich. In der Schule sind täglich so viele Menschen zusammen, da ist es einfach sicherer, wenn ich einen gewissen Schutz bekomme."

"Schweren Fall in der Familie gehabt"

Die erste Impfung hat Verena also jetzt bekommen, die zweite bekommt sie am 22. August. Mit Beginn des neuen Schuljahres hätte sie dann den vollen Schutz im Klassenzimmer. Und Mama Yvonne? Sie habe schon abgewogen, sagt sie. Bei der Entscheidung geholfen habe die ganze Familie und eine böse Erfahrung: "Wir haben einen schweren Verlauf in der Familie gehabt. Das war auch noch ein Anstoß für: Wir lassen sie auch impfen." 

Bis zum Abend wird in der Sporthalle in Erzhausen geimpft. 1.000 der 1.800 Dosen will Nojan Nejatian verimpfen. Der Rest soll dann an umliegende Arztpraxen verteilt werden.

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