Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bouffier informiert sich über Umbaupläne in Hadamar

Gedenkstelle Hadamar Keller

Eine Gedenkstätte erinnert in Hadamar an die 15.000 Menschen, die hier in der NS-Zeit ermordet wurden. Die Besucherzahlen steigen seit Jahren, doch der Platz ist knapp und die Wartezeiten sind lang. Mit Hilfe des Landes wird vergrößert und modernisiert.

Ein kleiner gefliester Raum, durch das Fenster dringt nur wenig Tageslicht. Bis zu 50 Menschen wurden hier eingepfercht. Jan Erik Schulte, der Leiter der Gedenkstätte in Hadamar, deutet auf Dübel-Löcher in der Wand: "Es gab hier keine Duschen, sondern ein umlaufendes, perforiertes Rohr. Durch die Löcher strömte das Gas."

"Stätten wie Hadamar geben dem Grauen ein Gesicht," sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Bouffier bei einem Besuch der Gedenkstätte am Freitag. Er unterstrich damit, wie wichtig ihm und der Landesregierung die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Verbrechen ist. Deshalb beteiligt sich Hessen auch am bevorstehenden großen Umbau der Einrichtung, die seit Jahren steigende Besucherzahlen registriert.

Nazis sprachen von "lebensunwertem Leben"

Mehr als 10.000 meist behinderte oder psychisch kranke Menschen wurden hier 1941 im Keller der "Landesheilanstalt" vergast. Noch einmal rund 5.000 Menschen kamen wegen überdosierter Medikamente oder wegen Hungerrationen bis Kriegsende ums Leben. "Lebensunwertes Leben" nannten die Nazis ihre Opfer. Darunter auch erkrankte Zwangsarbeiter und Wehrmachts-Soldaten, die traumatisiert und daher nicht mehr an der Front einsatzfähig waren.

Bouffier besucht Gedenkstätte Hadamar

Bilder, Erinnerungen werden lebendig, wenn man durch die vergleichsweise bescheidene Gedenkstätte läuft: Schummrige Kellerräume, die Garage, wo die Busse standen, mit denen Menschen nach Hadamar gebracht wurden, die Stelltafeln, die an Opfer erinnern. Rund 20.000 Besucher kommen jährlich.

Die Tendenz sei steigend. Und weil wenig Platz sei, müssten Schüler-Gruppen bisweilen ein halbes Jahr warten, bis sie einen Termin bekämen, heißt es bei Mitarbeitern.

Ausstellungsfläche soll sich verdreifachen

Das soll sich ändern. "Wir sind hier am authentischen Ort, im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Tötungsanstalt", betont Gedenkstätten-Leiter Schulte. "Hier können wir die NS-Euthanasie in großer Breite darstellen". Die Gedenkstätte aus den 80er-Jahren soll zeitgemäßer gestaltet werden - und vor allem größer. Der bislang anders genutzte Westflügel des Gebäudes wird in die Gedenkstätte integriert. Die Ausstellungsfläche verdreifacht sich.

Im kommenden Jahr soll die Neugestaltung beginnen: baulich und auch konzeptionell. "Wir werden thematisch mehr anbieten können, multi-medialer und digitaler werden", sagt Jan Erik Schulte. So könnten beispielsweise Biographien der Menschen, die in Hadamar gelitten hätten, viel umfassender dargestellt werden. Räumlich soll - anders als jetzt - ein Rundgang aufgezeigt werden. Die Besucher sollen dem Weg der Opfer folgen: von der Bus-Garage, wo sie ankamen, bis in den Keller mit der Gaskammer.

Auf der Suche nach weiteren Erinnerungsstücken

Ein Herzstück sollen aber auch Ausstellungs-Objekte sein, die an die Menschen erinnern. In der Gedenkstätte hoffen sie, dass vielleicht aus der Bevölkerung noch zusätzliche Erinnerungsstücke eingereicht werden: Briefe, Tagebücher, Gegenstände. Zeitzeugen gibt es kaum noch, da werden solche stummen Zeugen immer wichtiger.

Gedenkstätten-Leiter Schulte will aber auch in die Gegenwart wirken: "Was passiert denn heute? Wie wird mit Menschen mit Einschränkungen umgegangen, mit Alten oder Hilflosen?" Hadamar soll auch ein Lernort zum Thema "Ausgrenzung" werden.

14 Millionen Euro werden investiert

Umbau und Neugestaltung werden sich vermutlich bis 2025 hinziehen, die Gedenkstätte soll aber geöffnet bleiben. Von rund 14 Millionen Euro Kosten ist die Rede. Das Land Hessen und der Landeswohlfahrtsverband tragen zusammen sechzig Prozent.

Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich zuversichtlich, dass der Bund die restlichen 40 Prozent übernehmen werde. Gedenkstätten-Leiter Schulte betonte, es seien Menschen aus allen Landesteilen nach Hadamar gebracht worden. Somit sei es eine Gedenkstätte von nationaler Bedeutung.