Die EKHN nennt homosexuelle Segnungen von nun an auch Trauung
Die EKHN nennt homosexuelle Segnungen von nun an auch Trauung Bild © Imago

Trauung statt Segnung: Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau stellt die Segnung homosexueller Paare endgültig anderen Ehen gleich.

In weiten Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz wird die Segnungen homosexueller Paare in der evangelischen Kirche vom kommenden Jahr an Trauung heißen. Das beschloss die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Freitag zum Abschluss ihrer Herbstsynode in Frankfurt mit großer Mehrheit.

Damit folgt die Kirche der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare bei der Eheschließung, die der Bundestag im vergangenen Jahr verabschiedet hatte. Die EKHN segnet gleichgeschlechtliche Paare bereits seit 2002, im Jahr 2013 stellte sie die Segnung Homosexueller mit der Eintragung ins Kirchenbuch der Trauung formal gleich. Nun folgte auch offiziell der letzte Schritt.

Ablehnung nur noch in Einzelfällen möglich

Zugleich schränkte die EKHN die Möglichkeit des pfarrerlichen Vorbehalts ein: Bisher konnten Pfarrer mit Verweis auf die eigene Glaubensüberzeugung pauschal die Segnung eines homosexuellen Paares ablehnen. Nun müssen sie sich mit jedem Einzelfall auseinandersetzen und ihn begründen, wie EKHN-Präsident Volker Jung erklärte. Ablehnen können Pfarrer die Homo-Trauung nur im Einzelfall, aus seelsorgerischen Gründen oder wenn sie dem Verständnis der Heiligen Schrift und der Bekenntnisse widersprechen.

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EKHN

Die EKHN hat knapp 1,5 Millionen Mitglieder in 1.135 Gemeinden. Ihr Kirchengebiet reicht in etwa vom mittelhessischen Biedenkopf im Norden bis Neckarsteinach an der südlichen Landesgrenze. Rund ein Viertel des Kirchengebiets liegt in Rheinland-Pfalz.

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Kommt es dennoch zu einer Ablehnung müsse der Kirchenvorstand klären, wie weiter verfahren wird, erläuterte Jung. Die Trauung müsse dann einem anderen Pfarrer übertragen werden. Die Spannung, die die weltweite Christenheit bei dem Thema aufgrund eines unterschiedlichen Verständnisses der Bibel durchziehe, sei "derzeit nicht auslöschbar", gestand der Kirchenpräsident. Die Synode mache mit ihrer Entscheidung jedoch klar, welche Position sie für die EKHN für angemessen hält. Ein im Voraus erwarteter Widerstand von Teilen der Synode blieb aus.

Synode genehmigt Etat

Die Delegierten billigten auf der EKHN-Synode auch den Etat für das kommende Jahr. Er beträgt rund 700 Millionen Euro. Den größten Einzelposten bilden Personalkosten mit über 321 Millionen Euro. Aufgestockt werden die Stellen im Bereich Bau. Dafür seien fünf Millionen Euro und sechs zusätzliche Stellen vorgesehen, um den Sanierungsstau an Kirchengebäuden zu beseitigen, wie der Leiter der Kirchenverwaltung, Heinz Thomas Striegler, berichtete.