Ein Archivar sitzt vor einem Stapel vergilbter und zusammengebundener Akten.

Die Goethe-Plakette ist eine der höchsten kulturellen Auszeichnungen des Landes: 240 Menschen haben sie seit 1949 erhalten. Die Hälfte von ihnen wird nun auf eine mögliche NS-Vergangenheit durchleuchtet.

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Studie beleuchtet NS-Vergangenheit von Goethe-Plakette-Trägern

Ein Archivar steht neben einer beweglichen Regalwand.
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Sie ist die höchste Auszeichnung, die das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst vergeben kann: die Goethe-Plakette. Fast 240 Persönlichkeiten sind bisher damit ausgezeichnet worden, "die mit ihrer Arbeit die Kunst und Kultur des Landes gefördert und geprägt haben".

Nun will das Ministerium für alle vor 1928 geborenen Preisträgerinnen und Preisträger untersuchen lassen, "inwieweit sie im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung gewirkt haben". Wie das Ministerium mitteilte, hat die Studie im Hessischen Landesarchiv am Mittwoch begonnen und soll zunächst ein Jahr dauern. Durchführen soll sie der Marburger Historiker und Politikwissenschaftler Albrecht Kirschner, der bereits eine Vorstudie zur NS-Vergangenheit hessischer Abgeordneter erstellt hat. Die Ergebnisse sollen öffentlich zugänglich gemacht werden.

Ministerin: Wahrscheinlich, dass einige Schuld haben

Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) erklärte zur Begründung, bei der ersten Verleihung der Goethe-Plakette 1949 habe man sich in der "Stunde Null" geglaubt: "Die Schrecken des NS-Regimes waren vorbei, die demokratische Bundesrepublik war noch jung. Wer die Plakette erhielt, war es naturgemäß nicht mehr." Es sei aus heutiger Sicht wahrscheinlich, dass einige Preisträgerinnen und Preisträger zwischen 1933 und 1945 Schuld auf sich geladen hätten.

NSDAP-Mitgliedschaft allein nicht aussagekräftig

"Alle Trägerinnen und Träger der Plakette, die vor 1928 geboren wurden, wollen wir uns deshalb genauer anschauen – rund die Hälfte der insgesamt 240 Menschen, die bis heute die Plakette erhalten haben", sagte Dorn. Dabei sei wichtig, dass allein die Mitgliedschaft in der NSDAP wenig aussage.

"Es gab auch Parteimitglieder, die zwar brav ihren Mitgliedsbeitrag zahlten, aber kein weiteres Engagement zeigten, vielleicht sogar jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen versuchten oder ihnen zur Flucht verhalfen", so Dorn. "Andere spielten als Funktionäre, als Aktivisten und Unterstützer eine aktive Rolle im NS-System." Die Studie soll auch berücksichtigen, wie die Personen nach 1945 mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen.

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Die Goethe-Plakette

Die Goethe-Plakette wurde 1949 zum 200. Geburtstag des namensgebenden Dichters zum ersten Mal verliehen. Es gibt keinen festen Rhythmus für die Vergabe der Auszeichnung, auch ein Geldpreis ist damit nicht verbunden. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern der vergangenen Jahre gehören der ehemalige Direktor des Städel Museums Frankfurt, Max Hollein (2016), die Schriftstellerin Silvia Tennenbaum (2012) und der Jazzmusiker Emil Mangelsdorff (2006). Neben der Goethe-Plakette des Landes Hessen gibt es auch eine gleichnamige Auszeichnung der Stadt Frankfurt.

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