Ein Schild der AWO vor einem Haufen Geld

Doppelte Abrechnungen und mehr als eine halbe Million Euro Schaden für die Stadt: Die AWO soll in Frankfurt zu viel Geld für Personal kassiert und Führungskräfte gleich zweimal entlohnt haben. Nun soll die AWO eine hohe Summe zurückzahlen.

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Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt muss in einem ersten Schritt voraussichtlich mehr als eine halbe Million Euro im Zusammenhang mit zwei Flüchtlingsheimen an die Stadt Frankfurt zurück zahlen. Wie das Sozialdezernat von Daniela Birkenfeld (CDU) dem hr auf Anfrage erklärte, liegt die bereits im März gestellte Rückforderung bei 600.000 Euro.

Lohn für Personal, das nur auf dem Papier existierte

Die AWO hatte die beiden Heime für Geflüchtete bis 2018 betrieben. Im Zuge der AWO-Affäre hatte die Sozialdezernentin die in Rechnung gestellten Personalkosten Anfang des Jahres überprüfen lassen. Dabei kamen die Prüfer dahinter, dass offenbar mehrere hunderttausend Euro zu viel kassiert wurden. Und zwar für Personal, das zwar auf Listen stand, die der Stadt vorgelegt wurden, aber in Wirklichkeit gar nicht existierte.

Der Umgang der AWO mit öffentlichen Geldern war am Donnerstagabend auch Thema im Sozialausschuss der Stadt. Die neue Frankfurter AWO-Chefin Petra Rossbrey wollte dort um neues Vertrauen werben. Sie hatte zuvor eine Zwischenbilanz des Frankfurter AWO-Skandals gezogen und den Gesamtschaden auf 4,5 Millionen Euro geschätzt. Nach dem Auftritts Rossbrey im Sozialausschuss zeigte sich Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) skeptisch. "Frau Rossbrey geht davon aus, dass der Stadt kein Schaden entstanden ist", sagte sie. "Was die Abrechnung der Flüchtlingsunterkünfte anbelangt, sehe ich noch Klärungsbedarf."

Auch Bildungsdezernat prüft Rückforderungsansprüche

Auch für die 18 Kitas, die der Kreisverband in Frankfurt betreibt, hat die AWO offenbar über Jahre zu viel kassiert. Das Bildungsdezernat von Sylvia Weber (SPD) bestätigte dem hr, dass derzeit ein Rückforderungsverfahren vorbereitet werde. "Wir sind in Abstimmung mit Rechtsamt und Revisionsamt in der weiteren dezidierten Prüfung sich ergebender Rückforderungsansprüche," so ein Sprecher Webers.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt und die AWO streiten um hohe Summe

Flaggen vor der AWO-Zentrale in Frankfurt
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Um das Verfahren nicht zu gefährden, wolle man keine Zwischenstände mitteilen. Nach hr-Informationen hat die AWO unter der inzwischen abgetretenen Führungsriege Kosten für ihr Führungspersonal, den sogenannten "Overhead", doppelt von der Stadt kassiert. Einmal von dem für Flüchtlinge zuständigen Sozialdezernat und einmal von dem für Kitas zuständigen Bildungsdezernat. "Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigen noch dementieren. Hier sind auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abzuwarten", so der Sprecher.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 25.06.2020, 12.50 Uhr