Zwei Portraits der Protagonisten Philipp und Olivia.

Mit der Familie Weihnachten feiern: Für Menschen, die im Ausland leben oder Angehörige haben, wird das in diesem Jahr komplizierter als sonst - falls es überhaupt möglich ist. Aktuell gelten für die Einreise in ein Risikogebiet Auflagen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Für den Weihnachtsbesuch in Quarantäne

Seit drei Jahren ist Philipp Wornath in den Niederlanden zu Hause.
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Mal schnell die Koffer packen und über Weihnachten zur Familie nach Hessen fahren. So einfach war das in den vergangenen Jahren für Philipp Wornath. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Seit drei Jahren lebt der 25-Jährige in Den Haag in den Niederlanden. Der grenzüberschreitende Familienbesuch gestaltet sich wegen Corona jetzt schwieriger als erwartet.

"Das fängt schon beim Buchen meines Zugtickets an", erklärt der Student. Da er aus einem Risikogebiet kommt, müsse er für die Reise nach Deutschland eine Einreiseanmeldung ausfüllen. Außerdem gibt es einen digitalen Einreiseassistenten für Zugreisende, erzählt er: "Dort wurde ich schon jetzt darüber informiert, dass ich mich nach meiner Ankunft in Hessen sofort in Quarantäne begeben muss."

Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss in Quarantäne

Das sehen die Quarantänebestimmungen des Sozialministeriums derzeit so vor: "Wer aus dem Ausland einreist und sich in den letzten zehn Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich für einen Zeitraum von zehn Tagen in häusliche Quarantäne begeben."

Ein negativer Corona-Test kann die Quarantäne vorzeitig beenden. Den Test können Betroffene allerdings erst nach fünf Tagen Selbstisolation machen - ab dem 15. Dezember auf eigene Kosten.

Für bestimmte Personengruppen gibt es Ausnahmen

Doch es gibt auch Ausnahmen: Personen, die beispielsweise Verwandte ersten Grades besuchen, sind von der Absonderungspflicht ausgenommen, wenn sie ein negatives Testergebnis vorlegen können. Laut Sozialministerium muss der Test frühestens 48 Stunden vor Einreise oder unverzüglich bei der Einreise nach Deutschland vorgenommen worden sein.

Eine weitere Möglichkeit ist, weniger als 72 Stunden in Hessen zu bleiben. Menschen, die beispielsweise Verwandte ersten Grades besuchen, können dann auch ohne Quarantäne oder negativen Test einreisen.

Diese Verordnungen gelten zunächst bis zum 20. Dezember. Was über die Feiertage ist, könne man "wegen der sehr dynamischen Entwicklung der Coronazahlen noch nicht sagen", teile das Sozialministerium mit.

"Lieber Test oder Quarantäne, statt 72-Stunden-Besuch"

Den Weihnachtsbesuch auf 72 Stunden zu beschränken, um Quarantäne oder einen Test zu vermeiden, ist für Philipp Wornath keine Option. "Dann mache ich lieber einen Test oder nehme zehn Tage Quarantäne in Kauf und bleibe ein bisschen länger", sagt er entschlossen. Um das Risiko für seine Eltern zu minimieren, wolle er außerdem schon jetzt seine Kontakte in den Niederlanden einschränken.

Ähnlich geht es auch Olivia Pilecka. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt. Ihre Familie wohnt aber in London. Weil Deutschland von Großbritannien als Risikogebiet eingestuft wird, muss auch sie bei ihrem Familienbesuch mit großen Einschränkungen rechnen: "Wenn ich in London ankomme, muss ich dort 14 Tage lang in Quarantäne gehen", erzählt sie.

Olivia Pilecka in ihrer Wahlheimat Frankfurt.

"Wenigstens an Weihnachten die Familie mal wieder sehen"

Auch in England besteht ab 15. Dezember die Möglichkeit, sich nach fünf Tagen testen zu lassen und die Quarantäne mit einem negativen Ergebnis frühzeitig zu beenden. Ob sie den Aufwand betreiben will, dort ein Testzentrum ausfindig zu machen, wisse sie jetzt aber noch nicht: "Ich bin außerdem aus dem einzigen Grund dort, um mit meinen Eltern Weihnachten zu verbringen." Die Quarantänezeit könne man dann wenigstens gemeinsam verbringen.

Immerhin habe sie ihre Familie seit März nicht mehr gesehen. Denn das Risiko einer Flugreise habe sie für einen gewöhnlichen Besuch in Zeiten der Pandemie nicht eingehen wollen. Wenigstens die Weihnachtsfeiertage will sie jetzt aber mit ihrer Familie verbringen, sagt sie. Ihre Eltern würden sich auch freuen, wenn sie sie mal wieder ein bisschen länger um sich haben könnten.

Nach der Quarantäne ist vor der Quarantäne

Die Quarantäneregelungen treffen die Reisenden übrigens gleich doppelt. Nach dem Fest zurück in den Niederlanden steht für Philipp Wornath wieder häusliche Isolation auf dem Programm. Und wenn Olivia Pilecka aus London zurück nach Frankfurt kommt, muss sie gemäß der hessischen Bestimmungen auch gleich wieder Quarantäne - sofern sie kein negatives Testergebnis vorlegen kann.

"Das ist natürlich ziemlich blöd", sagt die 28-Jährige nachdenklich. So genau habe sie darüber noch gar nicht nachgedacht. Trotzdem versucht sie, es locker zu nehmen: "Das Gute ist, dass wir gerade Winter haben. Da kann ich mich auch gut zu Hause beschäftigen."

Hier in Hessen ziehe sie außerdem die Möglichkeit in Betracht, sich nach ihrer Rückkehr in einem Testcenter in Frankfurt auf Covid-19 testen zu lassen - wenn auch auf eigene Kosten. Sofern ihr Ergebnis dann negativ ist, könnte sie nach derzeitiger Regelung die Quarantäne wenigstens hier frühzeitig beenden.

Weitere Informationen

Quarantänebestimmungen, Reise- und Sicherheitshinweise

Alle aktuellen Einreise- und Quarantänebestimmungen für Hessen finden Sie auf der Webseite des Hessischen Sozialministeriums.
Für Fragen und Informaionen zum Corona-Virus hat das Ministerum außerdem eine hessenweite Hotline eingerichtet: 0800-555 4666 oder 0611-32111000.
Reise- und Sicherheitshinweise zu anderen Ländern finden Sie auf der Webseite des Auswärtigen Amtes.
Eine Liste der Risikogebiete finden Sie hier.

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