Pony Sandy mit Mert und Jonas

Achtsamkeit, Teamgeist, Entspannung - Pferde können uns vieles beibringen, was in einer Familie wichtig ist. Eine Erfahrung, die Eltern und Kinder auf dem Pferdehof Wörsbachtal machen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kleine Pferde - große Therapiewirkung

Wandtafel mit dem Wort Achtsamkeit darauf auf dem Pferdehof Wörsbachtal bei Idstein im Rheingau-Taunus Kreis
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Es ist neun Uhr auf dem Pferdehof Wörsbachtal bei Idstein im Rheingau-Taunus Kreis. Vor dem Stall stehen Mama Moni mit ihrem Sohn Mert und Mama Christin mit ihrem Sohn Jonas. Die Vorfreude steigt, Trainerin Petra Ohneberg schiebt den Riegel der Stalltür zurück. Dahinter stehen Lui und Sandy, die beiden Ponys. Sie sollen "Lehrer" für die Mütter und ihre Jungs sein. Lui und Sandy sind die kleinsten Pferde auf dem Hof von Petra Ohneberg. Das ist wichtig, da auch Mert (6) und Jonas (7) noch recht klein sind.

Trainerin Ohneberg ist Reittherapeutin und hat zusammen mit dem Deutschen Kinderschutzbund ein neues Projekt ins Leben gerufen, um Eltern und ihre Kinder zu unterstützen, die aus verschiedenen Gründen Hilfestellung für das gemeinsame Miteinander gebrauchen können. Pferde schaffen einen direkten Zugang zu den Kids, so die Erfahrung der Therapeutin.

Erste Lektion: Rücksicht und Achtsamkeit

Vorsichtig betreten Mert und Jonas die Box, Petra geht voraus. "Beim ersten Kontakt bin ich sehr achtsam, weil sich hier zeigt, welche Basis wir miteinander haben", sagt Petra. Jonas nähert sich Lui ganz vorsichtig, streckt ihm die Hand hin, das Tier schnuppert. Und tatsächlich, es lässt sich von Jonas streicheln.

Auch Mert nimmt ersten Kontakt auf, dabei erklärt Petra, welche Körpersignale Pferde geben. Sandy dreht sich mit dem Rücken zur Gruppe, schaut weg. Ein Zeichen, dass es ihr gerade zu viel wird. Deshalb starten die drei den geordneten Rückzug. Rücksicht nehmen, achtsam sein, die erste Lektion ist geglückt, sagt Petra.

"Pferde vergessen nicht, aber sie verzeihen"

Alle Kinder, die zur Reittherapie kommen, haben eine Geschichte. Aber auch die Tiere haben ihr Päckchen zu tragen: Lui hat schlimme Erfahrungen mit Menschen gesammelt, er ist ein "traumatisiertes Ponylein, er sucht sich aber auch gerne Leute mit Ängsten aus", sagt Petra.

Sandy, die Shetland-Pony-Stute, ist seit fast zehn Jahren auf dem Wörsbachtalhof. Sie kam aus einem Reitbetrieb, wurde ausgemustert. Anfangs war sie sehr zickig, wollte sich nicht anfassen lassen. Heute wirkt sie dagegen sehr gelassen. "Pferde vergessen nicht, aber sie verzeihen. Da können wir Menschen sehr viel von lernen, denn wie oft sind wir nachtragend unterwegs", sagt Petra.

Putzen und Führen als teambildende Maßnahme

Moni, Mert, Christin und Jonas bekommen die Aufgabe, die Ponys gemeinsam zu putzen. Ganz wichtig: Dafür müssen auch die Mamas ran. Es geht um Teamwork. Moni und Mert putzen Lui, das klappt gut und bringt was, sagt Moni: "Ja natürlich Teamgeist, zusammenarbeiten, sich abstimmen, es rennt nicht jeder einfach und macht irgendwas". Das lässt sich auch gut auf den Alltag übertragen, weil Eltern und Kinder auch hier oft aneinander vorbeireden. Zuhören, an einem Strang ziehen, das klappt auch bei Jonas und Mama Christin. "Ich mache von dem Pferd gerade den Hinterhuf sauber und die Mama hält den Huf fest". Zusammen sind wir stark, eine wichtige Erfahrung, sagt auch Trainerin Petra Ohneberg.

Auch beim Führen der Ponys durch die Halle ist der Lerneffekt groß. Wenn die Kinder sicher seien, wohin sie gehen wollten, würden die Pferde vertrauensvoll folgen. Das Teamgefühl wird unterstützt, Selbstvertrauen aufgebaut. Ein so großes Tier zu führen, das stärke die Kids, so Ohneberg. Jonas meint: "Am schönsten fand ich, dass ich das Pferd alleine führen durfte."

Neues Projekt – große Wirkung

Mit Pferden und Kindern arbeitet Petra Ohneberg schon länger, die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderschutzbund ist neu. Der Erfolg ist aber schon jetzt zu sehen, sagt Silke Arnold vom Kinderschutzbund Hessen, die sich das Projekt zum Start anguckt. "Ich bin total begeistert, was ich jetzt gesehen habe in der kurzen Zeit. In der Interaktion, Mutter – Kind und auch was die Kinder hier mitnehmen – grandios"". Das sieht auch Mama Moni so, sie erkennt Mert kaum wieder. "Mert ist ein sehr energiegeladenes Kind und auch bevor wir zu den Pferden gegangen sind, sind die zwei hier relativ wild über den Hof getobt. Aber hier ist er ganz ruhig, zurückhaltend, fast schüchtern, so kennt man Mert nicht oft."

Kräuter als Belohnung

Das Fazit nach dem Tag: Alle sind glücklich. Mert zeigt Jonas eine Stelle am Hals von Lui, an der das Pony besonders gerne gekrault wird. Die Pferde genießen die Streicheleinheiten, zur Belohnung gibt es noch frische Kräuter. Kaum stehen die Eimer auf dem Boden, verschwinden die Pferdeschnauzen drin und es wird losgeschmatzt. "Danke liebe Pferde", rufen alle noch einmal zusammen und dann Schnauben Lui und Sandy noch einmal tief, als wollten sie sagen, uns hat es auch Spaß gemacht.

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