Fahrzeug mit der Aufschrift "Mobiles Impfteam"

Rund 50.000 Senioren in Hessen warten noch auf ihre Impfung zu Hause. Das Innenministerium hat es bislang nicht geschafft, die Namenslisten an die mobilen Impfteams zu übermitteln. Die Opposition vermutet eine Organisationspanne.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mobile Impfteams kennen Adressen nicht

Zweiseitiges Schreiben des Innenministeriums an Ü80-Impfwillige
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Update 10. März: Impfzentren erhalten Listen

Die Impfzentren haben am Mittwoch die erforderlichen Listen mit Namen und Adressen der Senioren erhalten, die zu Hause geimpft werden möchten. Das teilte das Innenministerium in Wiesbaden mit. Die Betroffenen der Priorisierungsgruppe I würden danach schriftlich von den Impfzentren über ihren Termin und den damit verbundenen Hausbesuch informiert. Hintergrund für die Wartezeit auf die Termine zur Corona-Impfung zu Hause waren laut Innenministerium datenschutzrechtliche Aspekte gewesen.

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Das Innenministerium verschickt derzeit Briefe an zumeist hochbetagte Menschen der ersten Priorisierungsgruppe, die sich für das Impfen zu Hause angemeldet haben. Aber nicht, um ihnen den ersehnten Termin mitzuteilen. In dem Schreiben bittet das Ministerium um Geduld, ohne ein konkretes Datum in Aussicht zu stellen. Hinter der Verzögerung steckt nach hr-Recherchen eine fehlende Datenübermittlung.

Den Impfteams fehlen die Namenslisten

Das Innenministerium hat den Landkreisen bislang noch keine Listen mit Namen und Adressen der Impfkandidaten übermittelt. Ohne diese Listen können die Kreise ihre mobilen Impfteams jedoch nicht losschicken, weil sie gar nicht wissen, wohin sie fahren sollen.

"Wir bekommen ständig Anfragen über Facebook oder andere Kanäle von Menschen, die sich nach ihrem Impftermin zu Hause erkundigen", sagt Stefan Toepfer, Sprecher des Odenwaldkreises. Doch er müsse, wie seine Kollegen in anderen Kreisen, die Bürger vertrösten, weil noch keine Adressen vorlägen.

Konzept ist verschickt - Listen sollen folgen

Nach Angaben des Hessischen Landkreistags hat das Ministerium den Kreisen vergangene Woche ein Konzept für das mobile Impfen übermittelt. Demnach sollen ab dieser Woche die Namen und Adressen in Excel-Tabellen verschickt werden. Das Konzept enthalte keine Informationen darüber, bis wann dies abgeschlossen sein wird.

Wie kommt es zu dieser Verzögerung? Zu Beginn der Impfkampagne, Anfang des Jahres, schrieb das Innenministerium rund 400.000 Über-80-Jährige an. Darin erläuterte es den Senioren die Wahlmöglichkeiten beim Impfen. Entweder konnten sie sich per Hotline oder Onlineportal bei einem Zentrum anmelden. Oder sie beantragten eine "Impfung im häuslichen Umfeld".

Senioren werden auf Impfzentrum verwiesen

Besonders bettlägerige und pflegebedürftige Menschen, die zu Hause leben, entschieden sich häufig für die zweite Option. Sie meldeten sich per Post zentral für ganz Hessen beim Regierungspräsidium (RP) Kassel an. Dort wurden die Formulare eingescannt. Was danach mit den Daten geschah, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Das RP verweist auf das Innenministerium. Von dort kamen bislang auf konkrete Fragen keine Antworten.

Allerdings scheint das Ministerium von einer zeitnahen Impfung zu Hause selbst nicht sehr überzeugt zu sein. In dem Brief, der jetzt an die Ü80-Impfwilligen verschickt wurde, heißt es: "Falls Sie zwischenzeitlich die Möglichkeit haben, zu dem für sie zuständigen Impfzentrum zu kommen, können sie sich dort auch jetzt noch impfen lassen."

Opposition attestiert "blamable Leistung"

"Das ist eine blamable Leistung der Landesregierung", findet Daniela Sommer, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion: "Die Bürger haben sich darauf verlassen, zu Hause geimpft zu werden. Und jetzt sollen sie sich wieder hinten an der Schlange anstellen, um im Impfzentrum noch einen Termin zu ergattern."

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Yanki Pürsün, fordert von der Landesregierung Aufklärung darüber, was so schwierig daran sei, die Namen und Adressen der Impfwilligen aufzubereiten. "Für einige ist selbst Excel eine Hürde", vermutet er.

Christiane Böhm von der Fraktion der Linken fühlt sich durch die verzögerte Datenübermittlung an eine "Serie von Pannen der Landesregierung" erinnert. Angefangen beim "schlechten Schutz der Alten- und Pflegeheime" über den "vergeigten Start der Impfterminvergabe" bis hin "zur Krönung, dass die mobilen Impfteams nicht ausrücken können, um 50.000 80-Jährige zu impfen, die nicht den Weg ins Impfzentrum auf sich nehmen können", so Böhm.

Kreise ergreifen Eigeninitiative

Unterdessen haben einzelne Kreise selbst die Initiative ergriffen, um unabhängig vom Land die noch nicht geimpften Ü80-Jährigen zu Hause zu versorgen. Fulda hat sie Ende Februar aufgerufen, sich bei den kommunalen Impflotsen vor Ort zu melden. Mit diesen Daten sollen die Impfteams nun bestückt werden, um bald ihre erste Touren in Privatwohnungen zu starten. Auch der Rheingau-Taunus-Kreis will demnächst in Absprache mit den Kommunen mit dem mobilen Impfen beginnen.

Sendung: hr-iNFO, 09.03.2021, 9.55 Uhr