Klinikum Chef Menzel

Das lange Warten hat ein Ende: In Hessen haben sechs regionale Impfzentren den Betrieb aufgenommen. Mangels Impfstoff geht die Kampagne aber nur langsam voran. Dies zeigt sich beim Besuch im Fuldaer Impfzentrum.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eröffnung Impfzentrum Fulda

Ein Schild weist den Weg zum Impfzentrum in Fulda
Ende des Audiobeitrags

"Endlich geht es los", sagt Anna Klug, als sie sich am Morgen auf Krücken gestützt in das gerade eröffnete Impfzentrum in Fulda begibt. Die 85-Jährige bekommt nach langem Warten auf einen Termin nun ihre erste Dosis, die sie vor einer Corona-Infektion schützen soll. "Mir ist ganz flau im Magen vor lauter Aufregung", gesteht die Seniorin aus Flieden (Fulda), die von ihrem Sohn gebracht wurde.

Die Einrichtung in Fulda ist eine von zunächst sechs regionalen Impfzentren in Hessen, die am Dienstag ihren Betrieb aufgenommen haben. Weitere Zentren sind in Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Kassel und Darmstadt angesiedelt. Jedes Zentrum ist für mehrere Landkreise zuständig. Das Impfzentrum Fulda betreut die Kreise Fulda, Hersfeld-Rotenburg und den Vogelsberg. Ab 9. Februar sollen alle 28 Impfzentren landesweit in Betrieb sein, wie Innenminister Peter Beuth (CDU) in einer Mitteilung ankündigte.

Seit Dienstag können sich Personen impfen lassen, die zur Personengruppe mit höchster Priorität zählen. Das sind Menschen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, Pflegedienst-Mitarbeiter oder Mitarbeiter aus medizinischen Einrichtungen mit hohem Infektionsrisiko, so besagt es die Impfverordnung.

Impfstart gibt Grund zur Hoffnung

Der Impfstart gebe "Grund zu Hoffnung und Zuversicht" gegen die Pandemie, sagt der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU). Es sei gut, dass man in der Bevölkerung nun ein Zeichen setzen könne. Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) sieht "eine große Errungenschaft". Alle Vorbereitungen seien bestens getroffen, so der Fuldaer OB.

Dabei hatte es im Vorfeld viele Probleme gegeben, etwa bei der Terminvergabe. "Ich habe es 20 Mal am Telefon probiert. Erst die Tochter hat's geschafft mit der Anmeldung", berichtet etwa der 82-jährige Oskar Möller.

In Fulda mangelt es zudem - wie andernorts - an Impfstoff. Deswegen können am ersten Tag von 9.00 bis 18.00 Uhr nur 221 Menschen in Fulda gepiekst werden. Dabei bestehen Kapazitäten für 1.100 Impfungen pro Tag in der Waideshalle am Esperantozentrum.

Impfzentrum Fulda

Zunächst hat man nur 4.000 Impftermine bis 4. Februar vergeben können. OB Wingenfeld bat die Menschen deswegen noch um etwas Geduld. Er rief die Bürger aber auch entschlossen dazu auf, sich impfen zu lassen. Nach Experten-Aussagen ist der Impfstoff gut verträglich.

In der mehr als 1.200 Quadratmeter großen Veranstaltungshalle nahe dem Bahnhof wurden vier Impfstraßen mit insgesamt 16 Kabinen eingerichtet. Dort arbeiten mehrere Dutzend Mitarbeiter in Dreier-Teams die Impfungen ab.

400.000 Menschen über 80 Jahren kommen in Frage

Seit dem 27. Dezember wird schon in Heimen und Krankenhäusern geimpft. In ganz Hessen sind bislang gut 70.000 Menschen versorgt worden. Insgesamt kommen mehr als 400.000 Menschen, die 80 Jahre und älter sind, für eine priorisierte Impfung in Frage.

Besucher im Impfzentrum Fulda

Anschließend sind überwiegend Personen im Alter von mehr als 70 Jahren an die Reihe. Außerdem werden enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Senioren und Menschen mit bestimmten Behinderungen oder Vorerkrankungen bevorzugt behandelt.

Impflotsen helfen älteren Menschen

Damit ältere Menschen von ihrem Wohnort zum Impfzentrum gebracht werden können, sei ein Fahrdienst eingerichtet worden, berichtet Vize-Landrat Frederik Schmitt (CDU). Zudem habe man rund 50 Impflotsen ausgebildet, die vor Ort für Hilfe und Fragen zur Verfügung stehen. Probleme mit dem Personal gab es in Fulda nicht. 900 Menschen haben sich beworben, um im Impfzentrum mitzuhelfen.

Das Impfen, sagt Landrat Woide, sei die einzige Chance, wie man die Pandemie bekämpfen könne. Internist Jörg Simon, einer der verantwortlichen Ärzte im Impfzentrum, sieht "die Akzeptanz für Impfungen deutlich gestiegen". Der Chef des Klinikums Fulda, Thomas Menzel, erklärt: Auch unter Pflegedienst-Mitarbeitern und Angehörigen von medizinischen Berufen gebe es nach seiner Beobachtung wesentlich weniger Skepsis als öffentlich verlautbart werde.

Anna Klug vor dem Impfzentrum Fulda

Auch bei Seniorin Anna Klug überwiegt trotz mancher Bedenken und organisatorischer Schwierigkeiten die Vorfreude auf den Impfstart. "Ich bin erleichtert, dass ich jetzt an der Reihe bin", sagt sie und geht die letzten Meter bis zum Eingang des Impfzentrums.

Sendung: hr4, 19.01.2021, 12.30 Uhr