Foto des Zeltplatzes beim Trebur Open Air - viele Zelte und einige Menschen in Sommerkleidung.

Wann hat sich die Corona-Lage so weit entspannt, dass wieder Festivals und Open-Air-Veranstaltungen möglich sind? "Der Sommer ist noch lang", sagt ein neues Bündnis von hessischen Festival-Veranstaltern. Sie fordern von der Politik Planungssicherheit.

"Viele von uns mussten schon absagen, weil wir einfach zu früh im Jahr liegen", sagt Sabine Glinke vom Festival Gleiberg Rocks in Wettenberg im Kreis Gießen. Sie hatte ihre Veranstaltung für Anfang Juni geplant, viel zu früh, um realistischerweise ein Festival veranstalten zu können. Also musste sie es, wie schon vergangenes Jahr, absagen. Sie ist darüber enttäuscht: "Jetzt stehen wir diesen Mai genauso da, wie vor einem Jahr auch schon."

Der Frust wächst bei vielen Veranstaltern in der Branche, sagt Merlin Jost vom Trebur Open Air. Er ist einer der Organisatoren von 42 Festivals in Hessen, die sich zu einem Aktionsbündnis "Festivals in Hessen" zusammengeschlossen haben. Nach eigenen Angaben stehen sie für über 300.000 Besucher im Jahr und Veranstaltungen an rund 130 Tagen im Jahr: "Wir bieten mehr Veranstaltungen im Sommer als der Sommer Tage hat."

Festivalbetreiber mit konkreten Forderungen

Aktuell droht für sie ein ähnlich verlorener Sommer wie schon 2020. Das muss aber nicht sein, finden die Veranstalter. In einem Positionspapier schreiben sie: "Durch die erlangten Erkenntnisse der Wissenschaft über das Virus, den Impffortschritt und ausgeklügelte Hygienekonzepte könnten im Sommer unsere Open-Air-Veranstaltungen wieder zu sicheren Spielstätten für Kunst und Kultur werden."

Um das möglich zu machen, brauche es klare Ansagen aus der Politik und eine bessere Differenzierung. Aktuell seien Großveranstaltungen pauschal verboten, sagt Bündnissprecher Jost, ohne dass die Regierung da genauer unterscheide zwischen großen Festivals mit mehreren tausend Menschen und kleineren Open-Air-Events mit vielleicht hundert Besuchern: "Wir wollen gemeinsam mit Politik und Behörden nach Lösungen suchen."

Aktuelles Förderprogramm hilft vielen Festivals nicht

Neben transparenter Kommunikation zwischen Politik und Kultur fordert das Aktionsbündnis Planungssicherheit für den Festivalsommer 2021 und nachhaltige Förderprogramme. Denn beim aktuellen Kulturförderprogramm "Ins Freie" der hessischen Landesregierung würden viele etablierte Festivals durchs Raster fallen.

Denn vor allem kleinere Festivals gingen oft nur über wenige Tage. Um etwas von dem Fördergeld der Landesregierung abzubekommen, müssten die Veranstaltungen aber länger gehen. Und das sei gar nicht möglich, allein schon weil viele Festivals fast ausschließlich durch ehrenamtliche Helfer getragen seien.

Festivals auf Ehrenamtliche angewiesen

"Wir haben 130 Helfer", berichtet Dirk Klinner vom "Besser als nix! Festival" in Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis. "Teilweise nehmen die Leute sich extra Urlaub, um helfen zu können." Es entstehe eine Mischung aus verschiedenen Leuten, die bei einem Festival zusammenkommen, um Zäune aufzubauen oder Getränke zu schleppen. "Egal ob Geflüchtete oder Ur-Rheingauer. Alle sind froh zu helfen."

Außerdem seien die Festivals auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region, sagt Dany Reinhardt vom Marburg Open Air. Die 42 Festivals des Aktionsbündnisses haben vor Corona nach eigenen Angaben zusammen rund sechseinhalb Millionen Euro Umsatz gemacht. Viel wichtiger in der aktuellen Zeit findet Reinhardt dagegen: "Menschen, die vom Festival nach Hause gehen, sind glücklich - und das ist das, was wir gerade am meisten brauchen."