Notrufnummer 112

Die Feuerwehr-Gewerkschaft beobachtet mit Sorge: Wer bei der Hotline 116117 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes niemanden an die Strippe bekomme, versuche es oft stattdessen beim Notruf 112. Das führe in den Leitstellen zu einer nicht zu bewältigenden Lawine.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Feuerwehr warnt vor Überlastung von Notruf-Leitstellen.

Frauen in einem Büro mit Telefon-Headsets von hinten abgebildet
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Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) beklagt in der Corona-Pandemie eine Überlastung der Notruf-Leitstellen in Hessen. Zuletzt hätten immer häufiger Anrufer die 112 gewählt, wenn sie zuvor bei der Hotline des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) unter der Rufnummer 116117 nicht durchgekommen seien. Sowohl Leitstellen als auch der ÄBD müssten mehr Personal bekommen, forderte Sven Ziegler, Vorsitzender der DFeuG Hessen, am Freitag.

Weil der Ärztliche Bereitschaftsdienst zusätzlich für die Anmeldung der Risikopatienten zur Corona-Impfung genutzt wird, sei das Anrufer-Aufkommen in die Höhe geschnellt, erklärte Ziegler. "Anrufer berichten immer wieder, dass sie sich bei Anruf der 116117 bis zu einer Stunde in der Warteschleife befinden, die Telefonate sogar teilweise abbrechen."

Ratlose Anrufer wählen den Notruf

Die Folgen der Hängepartien: Verunsichert und hilflos wählen die Anrufer dann oft die 112 und bitten um Hilfe. Doch für solche Ausweichmanöver sind die Leitstellen nicht die richtigen Ansprechpartner. "Wer die 112 wählt, obwohl es sich nicht um einen Notfall handelt, blockiert Kapazitäten", betonte Ziegler. Nur in bedrohlichen Fällen sei der Notruf zu nutzen.

Alle 21 Landkreise und die fünf kreisfreien Städte in Hessen betreiben eine Leitstelle. Sie koordinieren die Rettungseinsätze von Feuerwehr und medizinischem Personal.

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst hilft hingegen bei der Suche nach Notfallpraxen, Ärzten und bei der Terminvermittlung. Er bietet Kontakt außerhalb der Sprechstundenzeiten bei Erkrankungen, mit denen man sonst in die Praxis gehen würde und deren Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann.

"Brauchen kurzfristig eine Lösung"

Die Feuerwehr-Gewerkschaft mahnt angesichts der Anrufer-Überlastung: "Wir brauchen hierfür kurzfristig eine Lösung, die beiden Einrichtungen hilft. Gerade in der derzeitigen pandemischen Lage sollte das Sozialministerium an einer schnellen, zielorientierten Lösung interessiert sein." Das Sozial- und das Innenministerium in Wiesbaden gaben auf hr-Anfrage keine Stellungnahme ab.

Erste Leitstellen hätten bereits auf die Situation reagiert und mehr Personal aufgeboten, berichtete Ziegler. Die Folge aber: Überstunden häufen sich an. Das Problem werde damit nicht gelöst, sagte Ziegler. Besonders im einwohnerstarken Rhein-Main-Gebiet trete die Überlastung auf. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen als Träger des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes solle mehr Kapazitäten für die Beantwortung von Anfragen schaffen.

Die KV hatte sich vor dem Jahreswechsel für mehr Anfragen auf der 116117 gerüstet. Das Personal wurde um 30 Prozent aufgestockt. An Weihnachten, Silvester und den Brückentagen waren den Angaben zufolge pro Tag 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hessenweit im Einsatz. Dennoch warb die KV um Geduld, falls es mal etwas länger dauern sollte.

Viele zusätzliche Anrufe wegen Corona-Impfung

Aktuell sei das Personal der Ärzte-Hotline in unveränderter Stärke weiter im Einsatz, erklärte die KV auf Anfrage. Das Anrufer-Aufkommen sei enorm hoch. "Das hängt mit dem Thema Impfen zusammen. Unheimlich viele Menschen wollen sich informieren", sagte ein KV-Sprecher. Die Anrufzahlen seien um ein Vielfaches gestiegen. Das Impftelefon - eine externe Hotline in der Zuständigkeit des Innenministeriums - brauche wohl mehr Personal, befand der KV-Sprecher.

Die Feuerwehr-Gewerkschaft Hessen machte zudem den Vorschlag, fahrende Bereitschaftsärzte einzusetzen, die von der Leitstelle direkt entsandt werden können. "Da alle Patienten nach derzeitiger Rechtslage im Grunde final einem Arzt zugeführt werden müssen, führt das zu unnötigen Belastungen der Notaufnahmen, die somit ebenfalls vermieden werden könnten."

Sendung: hr1, 08.01.2021, 16.00 Uhr