Feuerwehrmann übergibt Löschkübel
In Langgöns (Gießen) verteilt die Freiwillige Feuerwehr Löschkübel, um Mitglieder zu werben. Bild © Freiwillige Feuerwehr Langgöns

Im Kampf um neue Mitglieder müssen die Freiwilligen Feuerwehren immer kreativer werden. In Langgöns gehen die Helfer derzeit von Tür zu Tür, um Löschkübel zu verteilen. Die Gebrauchsanleitung ist dabei nicht ganz ernst gemeint.

Sie sind feuerrot, fassen zehn Liter Wasser und werden in diesen Tagen an alle Haushalte der Gemeinde Langgöns (Gießen) verteilt: 4.500 Löschkübel. Damit will die Freiwillige Feuerwehr auf sich aufmerksam machen, um jüngere - und auch vielleicht auch nicht mehr ganz so junge - Männer und Frauen zu einer Mitgliedschaft bei den Brandschützern zu bewegen. Denn überall in Hessen müssen sich die Feuerwehren um Nachwuchs kümmern.

Gebrauchsanleitung mit Humor

Trotz des ernsten Hintergrunds versuchen das die Einsatzkräfte in Langgöns mit einer Prise Humor: Zu den Löschkübeln bekommen die Bürger nämlich eine nicht ganz ernst gemeinte Gebrauchsanleitung. So solle man im Brandfall zunächst die 112 anrufen, rund zehn Minuten warten und hoffen, dass die Feuerwehr kommt. Ist keine Feuerwehr im Ort, könne man den Kübel mit Wasser füllen und - wenn der Brand zu groß ist - mit den Nachbarn eine Kübel-Kette bilden.

Auf der Rückseite sind zudem Informationen über die jeweils zuständige der insgesamt sechs Langgönser Ortsfeuerwehren zu finden. Das Motto: "Du mit Uns, für Alle".

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Über 70.000 freiwillige Helfer

In Hessen gibt es nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands rund 71.000 überwiegend ehrenamtliche Aktive, 8.500 Angehörige bei Kinder- und 25.500 Angehörige bei den Jugendfeuerwehren.

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Bei gerade mal sechs hessischen Berufsfeuerwehren in Gießen, Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach, Kassel und Darmstadt kommt den freiwilligen Helfern eine entscheidende Rolle beim Brandschutz zu. "Jeder von uns kann in eine lebensbedrohliche Lage geraten, wenn das eigene Haus brennt oder man in einen Verkehrsunfall verwickelt wird", heißt es auf dem Langgönser Flyer: "Was würden wir dann ohne die Freiwillige Feuerwehr tun?"

Öffentliche Aktionen wirken

Für den stellvertretenden Gemeindebrandinspektor und Initiator der Aktion, Dirk Herget, ist die Suche nach Nachwuchs eine existenzielle Aufgabe. "Eine Freiwillige Feuerwehr kann nie genug Mitglieder haben", unterstreicht Herget. Dabei sei man in Langgöns noch gut aufgestellt: Das Durchschnittsalter der 177 Mitglieder liege zwischen 30 und 35 Jahren, Nachwuchsprobleme habe man mit 110 Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren im Moment nicht. "Bisher haben wir die Einsätze immer abdecken können", so Herget. Nur bei der Tagesalarmbereitschaft könne es schon mal eng werden.

In Langgöns hat man gute Erfahrungen mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen gemacht. Anfang der 2000er Jahre habe man die Mini-Feuerwehr für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren gegründet. "Und auf einmal sind auch deren Eltern gekommen", berichtet Herget. Einer habe es heute sogar in eine Führungsposition geschafft.

Feuerwehrleute als Sticker-Helden

Parallel zur Löschkübel-Aktion ist aktuell auch ein Sticker-Sammelalbum der Einsatzkräfte im Umlauf. Alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Langgöns wurden dafür professionell fotografiert und können nun wie Fußball-Stars gesammelt und eingeklebt werden. Das Album und die Bilder bekommt man in einem Langgönser Einkaufsmarkt.

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Feuerwehrmann zieht Atemschutzmaske auf

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Das erste Fazit der Sammelbilder-Aktion fällt positiv aus. "Allein in der ersten Woche sind 137 Alben verkauft worden", freut sich Herget, "auch von Erwachsenen, die sonst nichts mit der Feuerwehr zu tun haben." Die Stickeraktion läuft noch bis Ende Juni.

Löschkübel-Aktion kostet 6.000 Euro

In den kommenden zwei Wochen sollen auch die Löscheimer vollständig unter die Leute gebracht sein. Etwa 6.000 Euro kostet das Ganze, die Hälfte bezahlt die Gemeinde, die andere Hälfte die sechs Feuerwehrvereine in den Ortsteilen.

Ganz neu ist die Idee mit den Kübeln nicht: Die Freiwilligen Feuerwehren in Niedernhausen (Rheingau-Taunus), Felsberg (Schwalm-Eder) oder Oberzent-Finkenbach (Odenwald) verteilten ebenfalls schon Löscheimer. Dort konnten neue Mitglieder hinzu gewonnen werden. Vor allem bei den Kleinen, wie Zahlen des Innenministeriums bestätigen: Zwischen 2017 und 2018 haben die Kinder- und Jugendfeuerwehren in Hessen einen Zuwachs von rund drei Prozent zu verzeichnen.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 10.5.2019, 18 Uhr