Ein Mann mit Maske steigt in einen Zug.

Das zweite "A" aus der AHA-Regel zum Corona-Schutz gilt nicht mehr überall. In manchen Bereichen hat die Alltagsmaske künftig ausgedient, erlaubt sind dort nur noch hochwertigere Masken. Was heißt das für den Alltag?

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Mit der neu verkündeten Verschärfung der Corona-Regeln gewinnen medizinische Masken im Alltag an Bedeutung. In Geschäften, Bussen und Bahnen ist es ab diesem Samstag (23. Januar) in Hessen Pflicht, eine OP-Maske oder eine FFP2-Maske zu tragen. Die mittlerweile allgegenwärtigen Alltagsmasken aus Stoff reichen nicht mehr. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Warum sind medizinische Masken nötig?

Beim jüngsten Corona-Gipfel haben Bundesregierung und Länderchefs beschlossen, dass wirkungsvollere Masken zum Schutz vor dem Coronavirus in einigen Lebensbereichen getragen werden müssen. Hintergrund: In Deutschland wurden bereits mehrere Virusmutationen nachgewiesen. Sie gelten als noch ansteckender. Um sich wirkungsvoller schützen zu können, werden OP-Masken oder Mund-Nase-Bedeckungen mit den Standards KN95/N95 oder FFP2 benötigt, wenn man sich in Geschäften, in Bussen und Bahnen oder auch im Gottesdienst aufhält. Dies gilt auch für Kinder ab sechs Jahren, wie aus einer Verordnung hervorgeht.

Was sich in der Frühphase der Corona-Pandemie als einfacher Ersatz für OP- oder FFP2-Masken etabliert hat, soll fortan zumindest in Verkehrsmitteln nicht mehr erlaubt sein. Der Grund: Die Wirksamkeit von Stoffmasken schwankt stark. Zudem beschränkt sie sich – wie auch bei den weitverbreiteten OP-Masken – auf den Schutz des Gegenübers, weniger des Trägers. Der Selbstschutz aber werde auch unter dem Einfluss neuer Sars-CoV-2-Mutationen wie etwa aus Großbritannien immer wichtiger, erklärt die Technische Hochschule Mittelhessen.

Was sind medizinische Masken?

Sie werden vereinfacht OP-Masken genannt und kommen normalerweise in Kliniken und beim Arzt zum Einsatz, erklärt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die mehrschichtigen, meist grünen oder blauen Masken bestehen aus speziellen Kunststoffen, müssen der Norm EN 14683:2019 entsprechen und tragen ein CE-Zeichen. OP-Masken schützen vor allem andere Menschen vor den Tröpfchen, die man beim Sprechen, Lachen oder Husten ausscheidet. Der Eigenschutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist bei den Masken begrenzt, wird aber besser, je enger die Maske anliegt. Es gibt auch OP-Masken für Kinder, die kleiner ausfallen als die üblichen Exemplare.

OP-Maske

Haben diese dünnen Masken wirklich Vorteile gegenüber Alltagsmasken?

Ja - und das liegt an ihrer Struktur. In den OP-Masken sind spezielle Vliese verarbeitet, wie Frank Drewnick vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz erklärt. Sie haben damit nicht so große Poren, durch die die Partikel sonst durchschlüpfen können. Außerdem sind die Fasern elektrostatisch geladen. Sie weisen dadurch kleine Partikel effektiver ab. "OP-Masken schneiden bei unseren Tests mit Blick auf die Filterleistung im Vergleich zu den Alltagsmasken deutlich besser ab. Das heißt, sie filtrieren deutlich mehr Corona-relevante Partikel aus der Atemluft", erklärt Drewnick.

Und FFP2-Masken - sind das keine medizinischen Masken?

Diese Art Maske kommt aus dem Arbeitsschutz und soll das Einatmen von Staub oder giftigen Stoffen verhindern. FFP-Masken werden in drei Kategorien eingeteilt, je nach Filterleistung. Die allgegenwärtigen FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent der Testaerosole abfangen, wie das BfArM erläutert. Sie schützen also nicht nur andere Menschen, sondern bieten auch für den Träger einen sehr guten, aber keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung.

FFP2-Maske

Wie erkenne ich eine FFP2-Maske?

Sie muss der Norm EN 149:2001 entsprechen und ein CE-Kennzeichen sowie eine vierstellige Nummer aufgedruckt haben. Diese gibt Rückschluss auf die Prüfstelle - 0158 steht zum Beispiel für Dekra, 0121 für das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). Außerdem finden sich die Buchstaben R oder NR auf der Maske - Masken mit R sind wiederverwendbar, Masken mit NR sind es laut Hersteller nicht. Mitunter können aber auch NR-Masken nach Experten-Einschätzungen mehrfach verwendet werden. Auch ein Herstellername oder eine Marke sollte auf der Maske stehen.

Gibt es Fälschungen?

Ja, die gibt es. Wichtig daher: Kennzeichnungen genau prüfen. In der Nando-Datenbank der EU-Kommission lassen sich online zum Beispiel die vierstelligen Nummern dem jeweiligen Prüfinstitut zuordnen. Taucht die Nummer auf der Maske dort nicht auf, sollte man stutzig werden.

Was ist mit anderen Kürzeln, zum Beispiel K95?

KN95-Masken stammen aus China und entsprechen dortigen Normen. Gleiches gilt für N95-Masken aus den USA. Sie haben laut Verbraucherschützern eine ähnliche Filterwirkung und bieten vergleichbaren Schutz wie FFP2-Masken. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) nennt noch weitere gleichwertige Schutzmasken, die verkehrsfähig seien - sie tragen Bezeichnungen wie P2, D2, oder CPA.

Was kosten FFP2-Masken und OP-Masken?

FFP2-Masken sind teurer als OP-Masken, der Stückpreis liegt je nach Anbieter zwischen 3 und 7 Euro. Die OP-Masken gibt es oft im Paket - auch hier lohnt der Preisvergleich. Manchmal kosten 50 Stück 20 Euro, woanders gibt es die gleiche Menge für 50 Euro. Die Masken sind online, in Drogerien, Supermärkten und Apotheken erhältlich. Die Preise bei den Pharmazeuten können sich stark unterscheiden. Der Apothekerverband empfiehlt, beim Kauf auf eine seriöse Bezugsquelle zu achten. Ein sehr niedriger Preis sei ein Warnzeichen. Wenn eine FFP2-Maske nur 1,20 Euro koste, solle man womöglich einen anderen Verkäufer wählen.

Sind genug Masken vorrätig?

Hessens Apotheker erwarten zwar eine steigende Nachfrage. Aber nach Angaben des hessischen Verbands haben die Pharmazeuten ausreichend Vorräte. Bei Engpässen könne man innerhalb weniger Tage Nachschub bekommen, die Lieferanten seien zuverlässig. Die Hersteller seien bei den erforderlichen Produkten aktuell lieferfähig, teilte auch der Bundesverband Medizintechnologie mit.

Eine Apothekerin überreicht einem älteren Kunden eine FFP2-Maske

Welche Masken helfen wie gut?

Orientierung bietet der Leitsatz: Je schwerer man durch eine Masken atmen kann, desto besser schützt sie in der Regel. Das sagt der hessische Physiker und Aerosol-Experte Gerhard Scheuch aus Gemünden/Wohra (Waldeck-Frankenberg). FFP2-Masken seien besser geeignet, um Viren zurückzuhalten, als ein gewöhnliches Stück Stoff. FFP2-Masken sind aber verhältnismäßig teuer.

Was ist beim Tragen von FFP2-Masken zu beachten?

Sie sind im Gegensatz zur Stoffmaske nicht waschbar und dadurch nur bedingt wiederverwendbar. Wenn die Maske durch das Sprechen feucht geworden ist (oder nach 75 Minuten), sollte sie zum Trocknen ausgezogen und gewechselt werden. Vor dem Anlegen der Maske sollte man sich die Hände waschen oder desinfizieren. Die Maske sollte man nur an den Ohrenschleifen anfassen. Den Bügel an der Nase fest an den Knochen andrücken, damit keine Luft nach oben herausströmen kann. Bartträger können Probleme bekommen, denn die Maske muss stets eng anliegen, um den bestmöglichen Schutz zu bieten.

Können FFP2-Masken vollen Infektionsschutz bieten?

Der Aerosol-Experte Scheuch betont: Einen hundertprozentigen Schutz können FFP2-Masken allein nicht bieten. Das gehe nur in Zusammenhang mit Abstand halten, Lüften und Luftfiltern, wenn es um den Aufenthalt in geschlossenen Räumen geht.

Wie oft kann ich die Masken tragen?

Das BfArM erklärt: Bei den OP-Masken handelt es sich um Einwegprodukte. Sie sollten regelmäßig gewechselt und entsorgt werden. FFP2-Masken können herstellerseitig mit dem Buchstaben "R" als wiederverwendbar gekennzeichnet sein und lassen sich dann durchaus für mehrere Tage jeweils kurzzeitg nutzen, also etwa beim Einkaufen - sofern sie weiter intakt sind und nicht durchfeuchtet oder stark verschmutzt.

Laut Forschern lassen sich auch nicht wiederverwendbare FFP2-Masken bis zu fünf Mal aufbereiten - zum Beispiel, indem man sie mindestens eine Woche lang an der Luft trocknet. Dann bräuchte man also mindestens sieben FFP2-Masken, für jeden Wochentag eine. Eine andere Alternative: Die Maske eine Stunde bei 80 Grad in den Backofen legen. Forscher haben zur Wiederverwendung ein Dokument veröffentlicht.

Haben Alltagsmasken aus Stoff nun ausgedient?

Nein. Die vorgesehene Pflicht bezieht sich bekanntermaßen nur auf den Einzelhandel, Fahrten mit Bus und Bahn und Gottesdienste. Bei privaten Treffen oder etwa in Straßen mit Maskenpflicht können auch die Stoffmasken getragen werden.

Sendung: hessenschau, 19.01.2021, 19.30 Uhr