Ein Mitarbeiter eines Testzentrums führt einer Person ein Stäbchen in die Nase. Aus der Vogelperspektive fotografiert.

Corona-Schnelltests sind für die allermeisten Bürger nicht mehr kostenlos. Eine Stichprobe zeigt: Wie erwartet sinkt seitdem die Zahl der Tests.

Erst sind sie aus dem Boden gesprossen, jetzt braucht sie fast keiner mehr. Viele Testzentren beklagen seit 11. Oktober einen deutlichen Rückgang an durchgeführten Corona-Abstrichen. Seitdem diese in den meisten Fällen nicht mehr kostenlos seien, kämen deutlich weniger Menschen.

Der hr hat mit verschiedenen Testzentren in ganz Hessen gesprochen, denn offizielle Zahlen gibt es noch nicht. Frühestens Mitte des kommenden Monats könne man Genaueres sagen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) auf Anfrage mit.

Bis zu 90 Prozent weniger Abstriche

Serap Öcalan erlebt eine schwierige Zeit. Sie betreibt vier Zentren bei Limburg. 80 bis 90 Prozent weniger Tests seien es dort auf jeden Fall seit vergangener Woche, versichert sie.

Dass Tests nun etwas kosten, findet die Testzentren-Betreiberin nicht gut - weniger Menschen würden sich nun testen lassen. "Impfen und zusätzlich testen ist der sicherste Weg", sagt Öcalan. In den nächsten zwei Wochen will sie entscheiden, welche Standorte sie möglicherweise schließen muss.

Gerade mal 15 Kunden am Tag

Sebastian Klosak hat zwei Testzentren: eines in Frankfurt-Bockenheim, ein anderes in Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis). Er spricht von mindestens 50 Prozent weniger Kundinnen und Kunden seit der Umstellung. Während seine Frankfurter Dependance noch weitgehend akzeptabel laufe, sehe es in Friedrichsdorf ganz anders aus. Unter der Woche seien es dort nicht mal mehr 15 Tests am Tag. Das decke kaum die laufenden Kosten.

Rotes Kreuz will weiterhin Tests anbieten

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreibt in Stadt und Kreis Fulda 16 Testzentren. Ein Sprecher teilte dem hr mit, dass auch hier teilweise bis zu 50 Prozent weniger getestet werde als vorher. Allerdings seien die Zahlen wegen der Herbstferien womöglich nicht repräsentativ.

Nach den Ferien müssen sich Schülerinnen und Schüler wieder in der Schule testen lassen. Das könnte nach Einschätzung des DRK-Sprechers dazu führen, dass Abstriche in Zentren noch weniger gefragt sind. Man werde dann entscheiden, ob einzelne Einrichtungen geschlossen werden. Der DRK-Sprecher versicherte zugleich: "In jedem Fall werden wir aber den Bürgerinnen und Bürgern auch mittelfristig weiterhin Tests an Testzentren anbieten."

Weniger Tests, mehr unentdeckte Fälle?

Wie sich die geringere Anzahl von Tests auf die Ausbreitung von Corona auswirkt, ist unklar. Mit mehr unentdeckten Infektionen rechnet zumindest das Gesundheitsministerium nicht. Die Testangebote würden ja weiterhin genutzt. Ein Ministeriumssprecher nanntw diejenigen, die von den Kosten befreit sind, und solche Bürgerinnen und Bürger, die einen negativen Testnachweis für den Zugang zu einem 3G-Angebot benötigen und weder geimpft noch genesen sind.

Grundsätzlich seien die Auswirkungen der Neuregelung noch nicht absehbar und wahrscheinlich abhängig von der Zahl der Menschen, die sich nicht impfen lassen, sagte der Ministeriumssprecher.

Zahl der Erstimpfungen sinkt weiter

Bislang führte die Bezahlpflicht für Schnelltests nicht zu einer Umkehr bei den schwächelnden Impfzahlen: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden in den vergangenen sieben Tagen deutschlandweit 240.000 Menschen erstgeimpft. In den sieben Tagen davor waren es 276.000, davor 304.000 und davor noch 436.000.

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Kostenpflichtige Tests und Ausnahmen

Seit 11. Oktober ist der PoC-Antigen-Schnelltest in den Teststationen grundsätzlich von den Bürgern zu bezahlen. Die Höhe der Kosten legt das Testzentrum fest. Ausnahmen gelten für:

  • Menschen, die sich nicht impfen lassen können,
  • Kinder bis 12 Jahre,
  • Jugendliche bis 17 Jahre (bis zum Jahresende),
  • Menschen, die einen Test benötigen, um aus der Quarantäne entlassen zu werden.
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