Ein Boot der Polizei liegt im Main.
Der Holbeinsteg in Frankfurt: Hier sprang der 21-Jährige am Samstagabend ins Wasser und ertrank. Bild © Frank Angermund (hr-iNFO)

Nachdem am Wochenende ein junger Mann im Main in Frankfurt ertrunken ist, erhebt der Flüchtlingsrat Vorwürfe gegen die Ausländerbehörden. Seiner Meinung nach war der Afghane aus Angst vor Abschiebung ins Wasser gesprungen.

Der 21 Jahre alte Mann sprang am Samstagabend am Frankfurter Holbeinsteg in den Main und ertrank. Laut Polizei handelte es sich um einen Suizid, der Mann hatte sich noch gegen zwei Helfer gewehrt, die hinterher gesprungen waren. Der Hessische Flüchtlingsrat erhebt nun schwere Vorwürfe: Der junge Afghane aus dem Wetteraukreis sei aus Angst vor einer Abschiebung in den Fluss gesprungen. Sein Asylbescheid sei kurz zuvor abgelehnt worden.

Flüchtlingrat: Flüchtlinge werden unter Druck gesetzt

Afghanen hätten dem Flüchtlingsrat berichtet, dass sie von den Ausländerbehörden stark unter Druck gesetzt werden, sagte der Geschäftsführer des Rates, Timmo Scherenberg. Selbst Personen, die kleine Kinder haben, werde angedroht, dass im kommenden Monat ein Flug gebucht werde. Dies entspreche aber nicht der Wahrheit, da derzeit aus Hessen ausschließlich verurteilte Straftäter und sogenannte Gefährder abgeschoben würden. Erst im Januar habe sich ein junger Afghane in Bayern das Leben genommen.

Außerdem werden laut Flüchtlingsrat Flüchtlinge aus Afghanistan immer noch verstärkt zu den Beratungsgesprächen über eine "freiwillige Ausreise" gedrängt, für die das Land Hessen ein spezielles Programm aufgelegt hat. Dies führe zu einer massiven Verunsicherung innerhalb der afghanischen Community. "Solange diese Politik sich nicht ändert, sind Tragödien wie die vom vergangenen Wochenende leider nicht auszuschließen", sagte Scherenberg. Allen Verantwortlichen müsse klar sein, dass Abschiebedruck zu nichts führe, außer die Betroffenen psychisch fertig zu machen.

Sammelabschiebungen sind umstritten

Der Flüchtlingsrat spricht sich gegen Abschiebungen nach Afghanistan aus und kritisiert, dass sich Hessen an Sammelabschiebungen über den Frankfurter Flughafen beteiligt. Das Thema Sammelabschiebungen ist auch innerhalb der schwarz-grünen Landesregierung umstritten.

Zuletzt hatten die Grünen bei einer Sammelabschiebung von 46 Afghanen "große Zweifel" an der Sicherheit in Afghanistan geäußert. Die Abschiebung über den Frankfurter Flughafen setzten sie trotzdem mit um - das sei eine Entscheidung der Bundesbehörden.

Sendung: hr-iNFO, 22.10.2018, 18 Uhr