Bilden ein Freundschafts-Tandem: Marlene und Said

Viele Flüchtlinge berichten von Schwierigkeiten, deutsche Freunde zu finden. Einem Iraner aus Frankfurt ist das gelungen – mit Hilfe einer Initiative.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Flüchtling Said und Marlene über ihre Zeit als "Tandem"

Start with a friend
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Said ist 36, stammt aus dem Iran und ist als Flüchtling nach Frankfurt gekommen. Marlene ist in Wiesbaden aufgewachsen und arbeitet in Frankfurt als Schauspielerin. Die beiden sind Freunde. Es passe einfach, sagt die 31-jährige Marlene: "Wir sind beide total albern, wir haben den gleichen Humor.“

Wer die beiden zusammen auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt beim Glühweintrinken erlebt, kann das bestätigen. Sie lachen viel, beide haben ein Faible für Ironie. Eine Sprachbarriere gibt es nicht, denn Said hat nach sechs Jahren in Deutschland die schwere Landesprache bewundernswert gut gelernt. Er kann auch die Theaterstücke genießen, in denen Marlene mitspielt.

Schwierige Suche

Kennengelernt haben sie sich durch eine Art Vermittlungsagentur: die Initiative "Start with a friend“, die vor vier Jahren von einer Berlinerin gegründet wurde. Inzwischen ist die Initiative auch in Frankfurt aktiv und hat hier schon über hundert "Tandems“ zusammengebracht, die jeweils aus einem Flüchtling und einem Einheimischen bestehen. Nach Angaben der Initiative gibt es aber weit mehr Flüchtlinge, die einen einheimischen Freund suchen, als umgekehrt.

Für Flüchtlinge ist es offenbar schwer, bei den deutschen freundschaftliche Gefühle zu wecken. Diese Erfahrung hat auch Said Soltani gemacht, als er nach Deutschland kam. So richtig geklappt habe es dann erst durch die Vermittlung.

Freundschaft auf Augenhöhe

Das Besondere bei "Start with a friend“: Es gehe um eine Freundschaft auf Augenhöhe, sagt die Gründerin Franziska Birnbach. Nicht darum, Flüchtlinge bei Behördengängen oder Arztbesuchen zu begleiten. Von den Tandems sollen beide etwas haben – so, wie man es sich in einer Freundschaft wünscht.

Genau das, eine Beziehung auf Augenhöhe, sei für Flüchtlinge aber am Anfang schwer zu erreichen, sagt der Bremer Soziologe Michael Windzio. Er hat in einem früheren Forschungsprojekt untersucht, wie viel Freundschaften zum Gelingen von Integration beitragen. Die Antwort: Unheimlich viel, wenn sie denn gelingen.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Aber statistisch hat Windzio festgestellt: Unterschiede in Herkunft, Sprache und Kultur bremsen die Bildung von Freundschaften. Bei der Wahl der Freunde folgen viele – bewusst oder unbewusst – dem Motto: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Das gelte nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für die Neuankömmlinge, die oft unter sich blieben.

Zum Schwarzmalen sieht der Forscher allerdings auch keinen Anlass: Schließlich gebe es in Deutschland auch viele Beispiele für gelungene Integration – Freundschaften inklusive. Oft gelinge das aber erst den Kindern der Zuwanderer.

Windzio sieht vor allem die Schule als Integrationsmotor - oder eben eine Initiative wie "Start with a friend“. Denn die Schulzeit haben Said und Marlene längst hinter sich – auch wenn sie immer noch gerne herumalbern.