Für die ersten Schüler in Hessen ist die Corona-Zwangspause beendet. Welche Regeln für den Schulbetrieb in der Pandemie gelten und was Schüler, Eltern und Lehrer beachten müssen, erfahren Sie hier.

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Mehrere zehntausend hessische Schüler sind nach sechs Wochen Corona-Zwangspause in die Lehranstalten zurückgekehrt. Gerade die Abschlussklassen sollen jetzt die Gelegenheit haben, sich auf ihre anstehenden Prüfungen vorzubereiten.

Das Kultusministerium hat einen Hygieneplan veröffentlicht, der auf die Öffnung vorbereiten soll. Die Schulträger und Schulen sind dafür verantwortlich, diesen Plan konkret umzusetzen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schulbetrieb in der Pandemie:

Allgemeine Fragen

Hygiene

Schulische Themen

Warum müssen die ersten Schüler wieder in die Schule kommen - trotz Ansteckungsgefahr?

Das Kultusministerium will die Schulen schrittweise wieder öffnen, um den Schülern "etwas von ihrer gewohnten Normalität zurückzugeben". Gerade die Abschlussklassen sollen die Gelegenheit bekommen, sich mit ihren Lehrern auf ihre Prüfungen vorzubereiten.

Auch die Landesschulsprecherin Lou-Marleen Appuhn sprach sich zuletzt dafür aus, dass die ersten Schüler zurück in die Schulen kommen. Homeschooling dürfe nicht zur Dauerlösung werden.

Welche Schüler kommen am 27. April zurück in die Schulen?

Als erstes kommen die Abschlussklassen der Haupt-, Real- und Berufsschulen zurück. An den Gymnasien werden die Schüler der Q2 unterrichtet, also die Jahrgänge, die nächstes Jahr ihr Abitur schreiben. Je nach dem, ob sie das acht- oder neunjährige Gymnasium absolvieren, sind das die elften und zwölften Jahrgänge.

Die Grundschulen bleiben dagegen in der kommenden Woche noch für alle Jahrgänge geschlossen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof kippte am Freitag eine Verordnung des Landes, nach der für die Viertklässler ab Montag wieder eine Schulpflicht gegolten hätte. Das Kultusministerium wird am 30. April über die weiteren Schritte beraten - vorerst sollen auch die Viertklässler zuhause bleiben.

Gibt es Ausnahmen, zum Beispiel für Schüler oder Lehrer aus Risikogruppen?

Ja. Schüler, die zu einer Risikogruppe gehören (zum Beispiel wegen einer Vorerkrankung), können sich laut Kultusministerium mit einer ärztlichen Bescheinigung vom Unterricht befreien lassen. Auch Schüler mit Verwandten aus Risikogruppen müssen nicht am Unterricht teilnehmen.

Lehrer, die selbst zu einer Risikogruppe gehören oder im selben Haushalt mit einer betroffenen Person wohnen, müssen nicht in der Schule unterrichten. Sie können freiwillig in die Schule kommen oder von zu Hause aus ihre Kollegen unterstützen. An manchen Schulen bereiten Lehrer aus Risikogruppen zum Beispiel den Unterricht ihrer Kollegen mit vor.

Haben Lehrer mit Kindern Anspruch auf Notbetreuung?

Ja, Lehrerinnen und Lehrer in Hessen, die ab Montag wieder in der Schule unterrichten, haben Anspruch auf eine Notbetreuung für ihre Kinder. Das habe das Kabinett beschlossen, wie Kultusminister Alexander Lorz (CDU) dem hr am Freitag sagte. Er sei dankbar für diese Entscheidung, betonte Lorz, denn "es wäre ja unsinnig, wenn die Lehrerinnen und Lehrer nicht zum Präsenzunterricht zurückkehren könnten, weil sie sich um ihre eigenen Kinder kümmern müssten".

Wann sollen weitere Jahrgänge zurück in die Schulen kommen?

Das steht noch nicht fest. Das Kultusministerium plant, ab dem Schulstart am 27. April zwei Wochen lang zu beobachten, wie sich die Infektionslage entwickelt. Falls es das Risiko zulässt, könnten ab Mitte Mai weitere Klassen wieder in die Schule kommen. Minister Lorz bekräftigte am Freitag, es sei "das feste Ziel, dass alle Schülerinnen und Schüler in diesem Schuljahr zurück in die Schulen kommen", da andernfalls manche von ihnen fünf Monate nicht am Unterricht teilgenommen hätten. Dies sähen auch die Kultusminister in den anderen Bundesländern so.

Wie wird dafür gesorgt, dass zwischen den Schülern genug Abstand ist?

Das Kultusministerium gibt den Schulen vor, dass die Schüler mindestens eineinhalb Meter Abstand zueinander halten sollen. Dazu werden Tische und Stühle umgestellt. Außerdem sollen laut Kultusministerium nicht mehr als 15 Schüler gleichzeitig in einem Raum sein. Größere Klassen werden aufgeteilt. Partner- und Gruppenarbeit soll es nicht geben.

Auch auf dem Schulhof sollen die Schüler Abstand halten. Dazu werden zum Beispiel Pausenzeiten gestaffelt, so dass nicht alle Schüler einer Schule gleichzeitig auf dem Hof sind.

Wie sieht es mit dem Schulweg aus?

Für den Schulweg empfehlen einige Schulen, möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten. Die Stadt Frankfurt teilte auf Anfrage mit, dass in den Schulbussen in der Stadt die gleichen Abstands- und Hygieneregeln wie im öffentlichen Nahverkehr gelten. Zusätzlich soll in den Schulbussen in Frankfurt immer nur ein Kind pro Zweier-Sitzbank sitzen.

Der Werra-Meißner-Kreis teilte mit, in den Schulbussen müssten Kinder und Jugendliche Gesichtsmasken tragen müssen - wie allgemein im Öffentlichen Nahverkehr. Der Nordhessische Verkehrsverbund kündigte, mehr Busse und Bahnen fahren zu lassen, damit Schüler sich auf mehr Fahrzeuge verteilen können.

Nach welchen Kriterien werden Klassen geteilt?

Das können die Schulen selbst entscheiden. In der Schule am Mainbogen in Frankfurt-Fechenheim gibt es zum Beispiel eine Art Schichtbetrieb: Die eine Hälfte einer Klasse hat morgens Mathe-Unterricht, nachmittags Deutsch. Die andere Hälfte hat zuerst Deutsch, dann Mathe.

An den Gymnasien gibt es einige Oberstufenkurse mit weniger als 15 Schülern, die nicht geteilt werden müssen. Bei älteren Schülern kann auch ein Lehrer abwechselnd zwei Gruppen in verschiedenen Räumen betreuen, wie es zum Beispiel die Georg-Büchner-Schule in Darmstadt plant.

Gibt es in den Schultoiletten genug Seife und Papierhandtücher?

Das kann man nicht pauschal für alle Schulen in Hessen beantworten, weil hierfür die Schulträger, also Kommunen und Landkreise, verantwortlich sind. Der Werra-Meißner-Kreis zum Beispiel teilte auf Anfrage mit: "Seife und Papierhandtücher sind in ausreichenden Mengen vorhanden." Die Stadt Frankfurt kündigte an, Schulen bei Engpässen mit zusätzlichem Geld für Hygieneartikel zu unterstützen.

Kultusminister Lorz hatte zuletzt eingeräumt, dass es Schultoiletten mit Sanierungsbedarf gebe. Man werde aber "in Zusammenarbeit zwischen unseren staatlichen Schulämtern und den kommunalen Gesundheitsbehörden vor Ort dafür sorgen, dass eine entsprechende Ausstattung vorhanden ist", kündigte Lorz an.

Der Hygieneplan des Ministeriums schreibt den Schulen vor, in den Toiletten ausreichend Flüssigseife und Einmalhandtücher bereitzuhalten. Außerdem sollen Lehrkräfte in den Pausen kontrollieren, dass nicht zu viele Schüler gleichzeitig zur Toilette gehen, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Müssen Schüler und Lehrer im Unterricht Masken tragen?

Nein, die Maskenpflicht in Hessen gilt nicht in Schulen. Das Kultusministerium hält das Tragen von Masken im Unterricht nicht für nötig, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden. Einige Schulen verpflichten ihre Schüler allerdings zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, so zum Beispiel die Schule am Mainbogen in Frankfurt-Fechenheim. Auch die Georg-Büchner-Schule in Darmstadt richtet einen "dringenden Appell" an ihre Schüler, eine Alltagsmaske zu tragen.

Kultusminister Lorz kündigte am Freitag an, das Land stelle den Kreisen und kreisfreien Städten als Schulträgern 750.000 Mund-Nase-Masken zur Verfügung. Man könne von den Kindern nicht verlangen, Masken zu tragen, im Unterricht wäre das auch widersinnig, sagte er: "Dennoch sollte jede Schule über ein Grundset von Masken verfügen."

Bekommen die Schüler Alltagsmasken zur Verfügung gestellt?

Auch das hängt von den Schulträgern, also Kommunen und Landkreisen ab. Im Landkreis Gießen zum Beispiel bekommt jeder Schüler zum Schulstart am Montag einen Mund-Nasen-Schutz. Laut der zuständigen Schuldezernentin handelt es sich dabei um Alltagsmasken, die von Ehrenamtlichen genäht wurden.

Der Hochtaunuskreis stattet Schüler und Lehrer mit "Hygiene-Starterpaketen" aus Mund-Nasen-Schutz, Handtuch und Seife aus. Auch der Werra-Meißner-Kreis stellt den Schulen Alltagsmasken zur Verfügung, "zunächst für die ersten beiden Schulwochen". Die Stadt Frankfurt hat angekündigt, 45.000 Alltagsmasken für Schüler, Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter an Schulen bereitzustellen.

Was passiert, wenn es in einer Schule einen Corona-Verdachtsfall gibt?

Wer Krankheitssymptome hat, soll zu Hause bleiben. Wer in der Schule Symptome zeigt, soll so schnell wie möglich einen Mund-Nasen-Schutz anziehen und in einen eigenen Raum gebracht werden. Die Eltern sollen den Schüler oder die Schülerin dann abholen.

Welche Fächer werden unterrichtet?

Im Vordergrund stehen zuerst die Hauptfächer Deutsch und Mathematik, an den Realschulen zusätzlich die erste Fremdsprache. Praktischen Sportunterricht gibt es wegen der Ansteckungsgefahr nicht. Auch Chorproben und Singen im Unterricht erlaubt das Kultusministerium nicht.

Finden die Abschlussprüfungen statt?

Ja. Die zentralen Abschlussprüfungen an den Haupt- und Realschulen sind für 25. bis 29. Mai geplant. Auch die mündlichen Abiturprüfungen finden statt.

Was ist mit Schulveranstaltungen wie den Bundesjugendspielen?

Die Bundesjugendspiele fallen dieses Jahr aus. Klassenfahrten, Ausflüge und Praktika gibt es bis zu den Herbstferien nicht mehr.

Bleiben Schüler mit schlechten Leistungen dieses Jahr sitzen?

In der Regel nicht. Auch wenn die Leistungen eigentlich nicht dafür ausreichen, sollen Schüler in die nächste Jahrgangsstufe versetzt werden. Die Schulen sollen allerdings die Eltern versetzungsgefährdeter Schüler beraten, ob eine freiwillige Wiederholung des Schuljahres sinnvoll ist.