Eine Mitarbeiterin eines mobilen Testbusses für Corona-Schnelltests hält einen negativen Antigentest in der Hand.

Kostenlose Corona-Schnelltests sollen in der Bekämpfung der Pandemie eine wichtige Rolle spielen - wenn auch erst später als geplant. Wie die Antigen-Tests funktionieren, und wo sie ihre Grenzen haben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Martin Stürmer über die Chancen von Antigen-Schnelltests für alle

Der Virologe Martin Stürmer im Labor
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Mit gutem Gewissen die Großeltern besuchen, den Geburtstag in größerer Runde feiern oder mal wieder ein Museum besuchen - davon lassen uns Antigen-Schnelltests gerade träumen. Bald sollen sie laut Bundesgesundheitsministerium kostenlos für alle Interessierten zur Verfügung stehen - eigentlich schon ab dem 1. März, doch das Corona-Kabinett des Bundes hat den Zeitplan wegen zu vieler noch offener Fragen nun erstmal auf Eis gelegt. Das erfuhr das ARD-Hauptstadtstudio am Montag.

Mit Laien-Selbsttests könnten sich Privatpersonen zukünftig sogar in den eigenen vier Wänden selbst auf das Virus testen. Welche Chancen bietet das - und welche Risiken gehen damit einher? Fragen und Antworten.

Wie funktionieren Antigen-Schnelltests?

Im Gegensatz zum PCR-Test wird bei einem Antigen-Schnelltest nicht das Erbgut des Virus nachgewiesen, sondern seine Oberflächenmerkmale. Dafür wird im Nasen- oder Rachenraum eine Probe entnommen. Ist das Virus darin enthalten, reagieren seine Eiweißbestandteile mit dem Teststreifen: Dann wird eine Verfärbung sichtbar, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest.

Bis ein Ergebnis vorliegt, dauert es etwa 15 Minuten. Der Antigen-Test bringt also schnelle Ergebnisse und ist zudem günstiger in der Durchführung als ein PCR-Test, weil er nicht in einem Labor ausgewertet werden muss. Ein positives Schnelltest-Ergebnis muss laut Gesundheitsministerium aber immer durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Wie zuverlässig sind die Antigen-Tests?

Der Antigen-Schnelltest gilt im Vergleich zum "Goldstandard" PCR-Test als weniger sicher, weil er nur bei hochinfektiösen Menschen mit hoher Viruslast anschlägt. Infizierte mit einer geringen Viruslast erkennt er nicht. Ein negatives Antigen-Testergebnis schließt eine Infektion mit SARS-CoV-2 deshalb nicht aus.

Antigen-Schnelltests zeigen außerdem häufiger als PCR-Tests ein positives Testergebnis an, wenn die Person gar nicht infiziert ist. Zudem ist die Gültigkeitsdauer der Antigen-Schnelltests begrenzt. Das Ergebnis ist nur eine Momentaufnahme für den Tag des Tests. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer schränkt deshalb ein: "Da darf man sich nicht in einer falschen Sicherheit wiegen." Die AHA-Regeln müssten trotz eines negativen Testergebnisses eingehalten werden.

Welchen Zweck erfüllen Antigen-Schnelltests?

Antigen-Schnelltests können helfen, Infizierte zu entdecken und Infektionsketten zu unterbrechen. Sobald sie flächendeckend zur Verfügung stehen, kann regelmäßiger, breiter und niederschwelliger getestet werden. Das bedeutet einen besseren Schutz für alle, die unausweichlich Kontakte haben, zum Beispiel im Pflege- und Gesundheitsbereich, in Schulen und Kitas sowie im Einzelhandel.

Experten vergleichen die Bedeutung von Schnelltests für die Eindämmung der Pandemie sogar mit der von Impfungen. Martin Stürmer spricht von "einem großen Schritt Richtung Freiheit".

Wer darf solche Tests durchführen?

Bislang durfte nur medizinisches Personal Antigen-Schnelltests durchführen, zum Beispiel in Testzentren, Arztpraxen oder Apotheken. So soll gewährleistet werden, dass ein Abstrich korrekt entnommen wird. Ab 1. März sollen diese Schnelltests nach entsprechender Terminvereinbarung kostenlos für alle angeboten werden. Die jeweiligen Kommunen können bereits bestehende Testzentren oder auch Apotheken mit der Durchführung beauftragen.

Das sei möglich, weil seit Januar mehr Schnelltests zur Verfügung stünden, als abgerufen würden, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Mit den Herstellern seien Verträge über 50 bis 60 Millionen Tests pro Monat geschlossen, geliefert würden deutlich mehr. Allerdings könne er nicht garantieren, dass es sie immer, an jedem Ort und zu jeder Zeit gebe.

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Wie viel kosten Antigen-Schnelltests?

Pro Test werden 18 Euro veranschlagt. Die Kosten soll der Bund tragen. Bisher kosteten Schnelltests für Privatpersonen ohne Symptome in Testzentren wie zum Beispiel am Frankfurter Flughafen rund 50 Euro.

Woran erkenne ich zuverlässige Antigen-Schnelltests?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt alle Schnelltests, die in Deutschland erlaubt sind, auf seiner Webseite auf. Die Liste erfasst derzeit 179 Produkte, davon fünf von hessischen Firmen: von R-Biopharm aus Darmstadt, ScheBo Biotech AG aus Gießen, Axiom aus Bürstadt, Nanorepro AG aus Marburg und MP Biomedicals aus Eschwege.

Das BfArM gleicht allerdings nur die Herstellerangaben mit den durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und dem Robert-Koch-Institut (RKI) festgelegten Mindestkriterien ab. Das PEI hat einige dieser Tests stichprobenartig genauer geprüft. Aktuell (Stand 03.02.2021) werden 45 Tests in ihrer Genauigkeit als "dem derzeitigen Stand der Technik entsprechend" bewertet.

Was hat es mit Selbsttests für zuhause auf sich?

Laien-Selbsttests sind einfacher in der Handhabung. Deshalb können auch Privatpersonen sie durchführen. Es handelt sich dabei um Gurgel- und Spucktests, bei denen mit einer speziellen Flüssigkeit gegurgelt wird sowie Abstriche, die mit einem Tupfer weiter vorn in der Nase entnommen werden.

Letztere werden in Österreich bereits an Schulen eingesetzt. Virologe Stürmer hält es für denkbar, dadurch auch in Deutschland Schulen und Kitas wieder vollständig öffnen zu können. "Morgens die Kinder mal kurz mit einem Schnelltest testen und ab in die Schule. Das klingt trivial, wäre aber sicherlich ein großer Baustein", sagt er.

Noch ungeklärt ist, wie sich Privatpersonen verhalten müssen, die in einer Selbsttestung ein positives Ergebnis erzielt haben - etwa wo sie dies melden müssen und ob in diesen Fällen eine Quarantänepflicht für den ganzen Haushalt gilt.

Wo kann ich diese Selbsttests kaufen?

Um Laien-Selbsttests auch in Deutschland einsetzen zu können, hat das Bundesgesundheitsministerium bereits Anfang Februar eine entsprechende Verordnung geändert. Es sind aktuell allerdings noch keine Produkte zugelassen. Dafür ist ein Prüfverfahren erforderlich, zum Beispiel durch den TÜV oder die Dekra. Bislang wurden fast 30 Anträge gestellt, erste Sonderzulassungen erwartet das BfArM für Anfang März.

Gesundheitsminister Spahn erwägt für die Laien-Tests eine Selbstbeteiligung von einem Euro. Wie bei den medizinischen Schutzmasken sollen sie unter anderem in Apotheken und Drogerien, aber auch in Lebensmittelläden und Discountern erhältlich sein. Wann, das steht nach der jüngsten Verzögerung allerdings noch nicht fest.

Sendung: hr3, Die hr3 Morningshow, 17.02.2021, 05.00 Uhr