Aktivisten Günthersburghöfe Frankfurt

"Wilde Gärten" statt "lebloser Luxus": Der Protest gegen das Neubauviertel Günthersburghöfe in Frankfurt wird schärfer. Nun haben Protestler vor Ort erste Baumhäuser errichtet. Manche von ihnen waren schon im Dannenröder Forst dabei.

Videobeitrag

Video

zum Video Protest gegen Günthersburghöfe

Demonstration
Ende des Videobeitrags

Der Streit um das geplante Neubauviertel Günthersburghöfe im Frankfurter Nordend spitzt sich zu. Am Dienstag errichteten Aktivisten auf dem Areal östlich des Hauptfriedhofs unter anderem Baumhäuser und einen Turm. Mit der Aktion wollen sie nach eigenen Angaben gegen den Bau von bis zu 1.500 Wohnungen auf dem Gelände demonstrieren. Sie wollen die biologische Artenvielfalt dort erhalten. Auf Plakaten forderten sie "wilde Gärten" statt "leblosen Luxus".

"Wir wollen die grüne Lunge Frankfurts mit ihren 1.000 Bäumen und mehr als 70 geschützten Arten schützen", sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur dpa. Unter den Protestlern sind den Angaben zufolge Aktivisten, die bereits im Hambacher Wald in Nordrhein-Westfalen gegen die Erweiterung eines Kohletagebaus und im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm (Vogelsberg) gegen den Weiterbau der A49 protestiert haben. Für den Nachmittag war eine Fahrraddemonstration geplant.

Protestler: "Hochpreisiger Wohnraum"

Die Gegner der Günthersburghöfe erwarten neben der Zerstörung der innerstädtischen Natur unter anderem zunehmenden Druck auf den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt in Frankfurt. 30 Prozent der geplanten Wohnungen werden nach Angaben der Stadt gefördert, sind im Preis also reguliert - der Rest sei "hochpreisiger Wohnraum, der den Mietwahnsinn weiter vorantreibt", sagte der Aktivist.

Seit rund fünf Jahren gibt es Streit über die am Rand des gründerzeitlich geprägten Nordends geplante Siedlung. Sie ist auch eines der großen Konfliktthemen bei den derzeit laufenden Sondierungsgesprächen für eine neue Stadtregierung. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will - ebenso wie CDU und FDP - an dem Projekt festhalten. Die Grünen, die das Projekt ursprünglich geplant hatten, stemmen sich inzwischen gegen die Pläne.

Simulation von Häusern im geplanten Neubaugebiet Günthersburghöfe

Die Grünen: erst geplant, nun dagegen

Kurz vor den Kommunalwahlen am 14. März stellten die Grünen die Günthersburghöfe wieder infrage. Sie begründen das mit der zunehmend spürbaren Erderwärmung. Für die Wohnhäuser sollen wilde Gärten weichen und viele alte Bäume gefällt werden.

Planungsdezernent Josef ärgert sich über seine grünen Kollegen Rosemarie Heilig (Umwelt) und Stefan Majer (Gesundheit), die nun gegen die Pläne sind: "Mancher Dezernent von den Grünen hat für dieses Quartier in den vergangenen fünf, sechs Jahren öfter den Finger gehoben als ich."