Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse eines Frankfurter Gymnasiums mit Mundschutz im Unterricht.

Bisher mussten Mitschüler und Lehrer von Corona-infizierten Schülern ebenfalls in Quarantäne. Frankfurt und Offenbach rücken davon jetzt ab. So wollen die Städte bei steigenden Infektionszahlen die Schulen offenhalten. Einige Kreise gehen andere Wege.

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hessenschau von 16:45 Uhr vom 10.11.2020
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Mit dem Anstieg der Corona-Neuinfektionen werden in Hessen auch zunehmend positiv getestete Schüler und Lehrer gezählt: 26.123 von rund 760.000 Schülerinnen und Schüler nahmen am Montag wegen angeordneter Quarantäne nicht am Präsenzunterricht teil, wie das Kultusministerium mitteilte. Das entspricht einer Quote von 3,4 Prozent. Bei den Lehrern waren es 2.613 von 62.500 (4,2 Prozent). Beide Prozentwerte lagen laut Ministerium vor den Herbstferien dauerhaft unter einem Prozent.

Doch unter welchen Bedingungen Schüler und Lehrer vom Präsenzunterricht befreit werden und von den Gesundheitsämtern in Quarantäne beziehungsweise den Distanzunterricht geschickt werden, unterscheidet sich hessenweit deutlich zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten.

Ganze Klassen nur im Ausnahmefall nach Hause

In Frankfurt und der Stadt Offenbach werden Mitschüler und Lehrer positiv getesteter Schüler grundsätzlich nicht mehr in Quarantäne geschickt, wie die Städte auf Anfrage bestätigten. "Aktuell wäre es nur in Ausnahmefällen notwendig, den Präsenzbetrieb in ganzen Klassen auszusetzen", schrieb das Frankfurter Gesundheitsamt am Montag. In beiden Städten liegt die Sieben-Tage-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) seit zwei Wochen bei über 200.

Eltern hatten dem hr von Frankfurter Grundschul- und Gymnasialklassen berichtet, in denen allein das positiv getestete Kind nach Hause geschickt worden sei. Für Mitschüler und Lehrer sei weiter Präsenzunterricht angeordnet worden, Corona-Tests wurden nur teilweise angeboten.

Masken tragen und Klassenräume lüften

"Mit einer konsequenten Maskenpflicht und dem regelmäßigen Lüften der Klassenräume hält die Stadt Frankfurt diese Vorgehensweise, auch bei hohen Fallzahlen, für vertretbar", hieß es aus dem Frankfurter Gesundheitsamt.

Allerdings: Bis zum positiven Testergebnis eines Zweitklässlers in Frankfurt in der vergangenen Woche trug in einem Fall die gesamte Klasse - entsprechend den für sie geltenden Corona-Regeln - im Unterricht keinen Mund-Nasen-Schutz, wie Eltern berichteten. Dennoch blieben Mitschüler und Lehrer danach im Präsenzunterricht. Einzige Auflage: Maskenpflicht auch im Unterricht für die kommenden 14 Tage.

Offenbach: Vorgehen für Eltern "nicht immer nachvollziehbar"

"Das Gesundheitsamt beurteilt jeden Infektionsfall an einer Schule im Einzelnen und prüft die genauen Umstände", schrieb die Frankfurter Behörde. Ähnlich die Strategie in Offenbach: Mögliche Risiken für Mitschüler würden im Einzelfall betrachtet, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. "Daher gibt es kein einheitliches Vorgehen."

Die Stadt Offenbach zählt Mitschüler, die Maske tragen, aktuell nicht als enge Kontaktpersonen eines positiv getesteten Schülers und lässt sie weiter am Unterricht teilnehmen. Corona-Tests an den Schulen könnten wegen Kapazitätsengpässen "nicht mehr in allen Fällen sichergestellt werden". Die Stadt räumt ein, dass man durchaus wisse, dass ihr Vorgehen für Eltern "nicht immer nachvollziehbar" sei.

Eltern beklagen Verlust von Vertrauen

Der Frankfurter Stadtelternbeirat beklagt inzwischen einen Vertrauensverlust der Eltern gegenüber Politik und Ämtern. Informationen über Corona-Infektionen an den Schulen würden nur unzureichend an die Eltern weitergegeben, kritisierte am Montag die Vorsitzende Julia Frank. Dass es in einer Klasse oder im Jahrgang Corona-Infektionen gab, erfuhren Frankfurter Eltern mal über ihre Kinder, mal durch Elternvertreter oder mal über die Schulleitung, wie einige dem hr erzählten.

Frank fordert, dass es den Schulleitungen möglich sein sollte, zum Beispiel per Rundmail Eltern darauf hinweisen zu können, in welchen Jahrgangsstufen es Corona-Fälle gibt, doch bisher seien ihnen die Hände gebunden. "So entsteht der Eindruck, dass etwas unter den Teppich gekehrt wird."

Kultusministerium: Regelbetrieb größtmöglich gewährleisten

Die Städte Frankfurt und Offenbach versuchen trotz steigender Corona-Zahlen weiter das umzusetzen, was Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Ende Oktober allen hessischen Schulen schrieb: "den schulischen Regelbetrieb im größtmöglichen Maße zu gewährleisten".

Schulen in beiden Städten befinden sich im sogenannten "eingeschränkten Regelbetrieb" - in Stufe zwei von insgesamt vier. Die Stadt Offenbach startet allerdings am kommenden Montag (16.11.) für ältere Schüler die Stufe drei (Präsenz- und Distanzunterricht im Wechsel), wie der hr am Dienstag erfuhr.

Welche Voraussetzungen für die einzelnen Stufen wie drei oder vier (Distanzunterricht) erfüllt sein müssen, definierte das Kultusministerium bislang nicht. SPD und Linkspartei wollen unter anderem diesen Aspekt am Donnerstag zum Thema einer Aktuellen Stunde im Landtag machen.

Unterschiedliche Risiko-Bewertung

Einzelne hessische Landkreise hatten bereits entschieden, an den weiterführenden Schulen ins Wechselmodell zu gehen - sei es seit Montag der Kreis Groß-Gerau oder ab Mittwoch der Main-Kinzig-Kreis mit der Stadt Hanau. Beide Kreise begründen dies mit der hohen Zahl an Neuinfektionen. "Schulen sind als Ort der Begegnung aller Schulpflichtigen ein besonders geeigneter Bereich, in dem sich Infektionen leicht ausbreiten können", teilte der Landkreis Groß-Gerau am Freitag mit.

Das Frankfurter Gesundheitsamt stuft die Übertragungsrisiken in Kitas und Schulen dagegen als gering ein, weshalb die Stadt an ihrem Weg festhalten will. "In einem Abwägungsprozess zwischen dem Schaden, der entstünde, wenn Schulen und Kitas geschlossen würden, und der potenziellen Infektionsgefahr von Kindern kommt die Stadt Frankfurt zu dem Schluss, dass im Interesse unserer Familien ein Offenhalten von Schulen und Kitas oberste Priorität hat", teilte das Gesundheitsamt mit.

Offenbach lenkt teilweise ein

In Offenbach lenkt das Stadtgesundheitsamt mit der Ankündigung des Wechselmodells ab Montag nun teilweise ein - "aufgrund des weithin anhaltend großen Infektionsgeschehens", wie es in einem Schreiben an die Schulen vom Montag heißt, das dem hr vorliegt.

Die Konsequenzen: In den oberen Jahrgängen der weiterführenden Schulen (Sekundarstufe II) und in den Berufsschulen wird es abwechselnd Präsenzunterricht und Homeschooling geben, in kleineren Lerngruppen und mit größerem Abstand - zunächst bis zum Beginn der Weihnachtsferien.

Für Grundschulen und die Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10) gelten strengere Hygieneregeln wie das Maskentragen im Unterricht und Unterricht möglichst im Klassenverband.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 10.11.2020, 16.45 Uhr

Ihre Kommentare Ihre Erfahrungen mit Corona-Fällen an Schulen?

179 Kommentare

  • Liebe Hr bitte bleibt dran an diesem Thema!
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Vorgehensweise auch für Kindertagesstätten vom Gesundheitsamt so gehandhabt wird.
    Eine riesengroße Verantwortungslosigkeit und überhaupt keine Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes! Wie wird hier die Weiterverbreitung eines Virus eingedämmt? GAR NICHT!

  • Ich denke es ist die Zeit gekommen den Schutz unserer Kinder wieder selbst in die Hand zu nehmen.Wer macht mit?

  • Die Quarantäne Regelung gilt doch mittlerweile schon seit Ende der Herbstferien, so konnten die Zahlen schön gering gehalten werden. Diese gilt ausserdem in ganz Hessen! Jetzt muss sofort gehandelt werden, besonders an den Berufsschulen wo viele Schüler bereits über 30 sind. Wechselschulmodell oder Homeschooling sofort alles andere ist unmenschlich. Und die Eltern oder Politiker, welche die Schulen unnötig offen halten wollen, können es ja gerne mal eine Woche durchhalten. Die Schüler jedenfalls, stehen am Ende ihrer Kräfte!

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