Feiernde und Polizei am Friedberger Markt in Frankfurt

Nach dem rasanten Anstieg der Infektionszahlen reagiert die Stadt Frankfurt mit verschärften Corona-Regeln. Eingeführt wird unter anderem eine Sperrstunde. Auch das gesellige Trinken in Parks ist vorerst tabu.

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hs
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"Mir ist klar, wir machen uns damit nicht beliebt", sagte Peter Feldmann (SPD) mit Blick auf die Regelungen zur Eingrenzung des Coronavirus, über die der Oberbürgermeister am Dienstag informierte.

Die Maßnahmen, die ab kommenden Freitag (9. Oktober) und vorerst bis zum 18. Oktober gelten, seien "teilweise heftig" und den Verantwortlichen nicht leicht gefallen. Aber Frankfurt stehe kurz vor der nächsten Eskalationsstufe, und da "kommt man nicht nur mit Nettigkeiten weiter".

Das gilt ab Freitag für Frankfurt

  • Frankfurt erhält eine Sperrstunde ab 22 Uhr
  • Hochfrequentierte Einkaufsstraßen und -zentren dürfen nur noch mit Mund-Nasen-Schutz betreten werden
  • Private Feiern werden im öffentlichen Bereich auf 25 Personen beschränkt, im privaten Raum gilt die dringende Empfehlung, Feiern auf höchstens 10 Personen zu beschränken
  • An bestimmten öffentlichen Plätzen und in Parks gilt ganztägig ein Alkoholverbot
  • Der Frankfurter Herbstmarkt wird mit einem verschärften Hygienekonzept neu unterlegt und nach Angaben der Stadt auf einen noch unbestimmten Termin verschoben

Die Liste der betroffenen Parks, Plätze und Einkaufsbereiche soll bis Donnerstagvormittag vorliegen. Die Sperrstunde betrifft laut Oberbürgermeister die Gastronomie, also Restaurants, Kneipen und Bars. Veranstaltungen wie Kino, Theater oder Konzerte seien davon nicht betroffen. Auch hier soll am Donnerstag mehr Klarheit herrschen.

Maskenpflicht im Unterricht wird geprüft

Hinter den Maßnahmen stehe der Wille, die Schwachen der Gesellschaft, also alte Menschen, Kranke und "die Kleinsten" zu schützen, sagte Feldmann. "Durch diese Einschränkungen können unsere Kinder weiter in Kitas und Schulen gehen. Es ist der Preis, den wir dafür bezahlen, dass ein Lockdown verhindert wird."

In der kommenden Woche will Frankfurt über eine mögliche Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden Schulen beraten. Eine solche hatte die Stadt Offenbach Ende August wegen stark steigender Infektionszahlen angeordnet. Vertreter beider Städte stünden im engen Kontakt, sagte Feldmann.

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Kinnschutz zählt nicht

Bezüglich des in Bussen, Bahnen und Einkaufsläden vorgeschriebenen Mund-Nase-Schutzes stellte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) klar: Die immer beliebteren Plexiglas-Visiere, die am Kinn angebracht werden, zählen aus Sicht der Infektiologen - und damit auch der Stadt - nicht als wirksamer Schutz gegen das Virus - und würden daher fortan auch nicht als solcher akzeptiert: "Wenn jemand einen Kinnschutz trägt, dann trägt er gar nichts."

In Hessens größter Stadt waren die Fallzahlen zuletzt wieder stark angestiegen. Am Dienstag lagen die sogenannte Inzidenz bei 47,1. Ab einem Wert von 50 Fällen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner müssen Städte und Kreise nach dem mehrstufigen Warnsystem des Landes stärkere Corona-Maßnahmen verhängen.

Am Freitag werden sich nach Feldmanns Auskunft Vertreter der zehn größten deutschen Städte, darunter Frankfurt, zusammenschalten, um über gemeinsame Anstrengungen im Kampf gegen das Virus zu beraten.

Das Eskalationskonzept beinhaltet ein gestuftes Vorgehen zur Bekämpfung der Pandemie

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 6.10.2020, 19.30 Uhr