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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ignatz Bubis-Preis für Cem Özdemir

Cem Özdemir

Am Sonntag hat die Stadt Frankfurt den Grünen-Politiker Cem Özdemir mit dem Ignatz Bubis-Preis geehrt. Er habe sich in außergewöhnlicher Weise für Offenheit und Toleranz engagiert.

Der langjährige Grünen-Chef und Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir ist am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Ignatz Bubis-Preis für Verständigung ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Der Politiker habe "ein außergewöhnliches Engagement und ein stets zukunftsorientiertes Handeln zum Aufbau einer friedlichen Welt mit Offenheit und Toleranz vorgelebt", heißt es in der Begründung der Stadt. "Er verkörpert damit in hervorragender Weise die Werte, für die sich Ignatz Bubis stets eingesetzt hat."

Özdemir: Bubis hat mich in die Politik geführt

Bubis und der rechtsradikale Brandanschlag auf das Haus einer türkischen Familie in Solingen hätten ihn 1993 in die Politik geführt, sagte Özdemir in seiner Dankesrede. Dass Bubis damals deutliche Worte fand, habe ihn tief beeindruckt. Der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland sei ihm zu einem Vorbild geworden. Später hätten sie gemeinsam die Initiative "Schule ohne Rassismus" gestartet.

Angesichts rechtsnationaler Bestrebungen und antisemitischer und rassistischer Vorfälle in den vergangenen Monaten habe Bubis mit seinen Mahnungen über den noch immer vorhandenen Antisemitismus leider recht gehabt: "Das ist eine furchtbare Schande für unser Land und für jeden einzelnen von uns." Gleichzeitig appellierte er mit Blick auf diejenigen, die empfänglich für rechtsradikale Parolen sind: "Wir dürfen die Menschen nicht aufgeben, die falsch abgebogen sind."

Preis wird alle drei Jahre verliehen

Der Ignatz Bubis-Preis wird seit 2001 alle drei Jahre vergeben und ehrt Menschen oder Organisationen, deren öffentliches Wirken "im Sinne der von Ignatz Bubis vertretenen Werte gekennzeichnet ist". Zuletzt erhielt im Jahr 2016 der damalige Bundesaußenminister und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Preis.

Ignatz Bubis im Jahr 1997

Bubis wurde 1927 im heute polnischen Breslau geboren und starb 1999 in Frankfurt. Er war Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und seit 1992 auch Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Als FDP-Mitglied machte er sich für Migranten in seiner Partei stark.

Die Themen Migration und Integration seien auch Schwerpunkt der politischen Arbeit Özdemirs, so die Stadt Frankfurt über den Preisträger. "Die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland zu einem weltoffenen und toleranten Land, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Religion miteinander leben, war und ist ihm eine besondere Herzenssache."

Weitere Informationen

Alle Preisträger

  • 2019: Cem Özdemir
  • 2016: Frank-Walter Steinmeier, damals Außenminister
  • 2013: Fritz Bauer Institut
  • 2010: Trude Simonsohn, Auschwitz-Überlebende
  • 2007: Walter Wallmann, ehemaliger Oberbürgermeister von Frankfurt
  • 2004: Franz Kamphaus, damals Bischof von Limburg
  • 2001: Wolfgang Thierse, damals Bundestagspräsident
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Sendung: hr-iNFO, 18.08.2019, 9 Uhr