Petra Rossbrey (Mitte) umgeben von den Interimsvorständen Gerd Romen (links) und Steffen Krollmann (rechts)

Die Arbeiterwohlfahrt hat am Montag zwei Interimsvorstände für ihren krisengeschüttelten Frankfurter Kreisverband vorgestellt. Diese sollen bei der Aufklärung der anhaltenden AWO-Affäre mitwirken. Dafür bleibt ihnen allerdings nur drei Monate Zeit.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter AWO stellt Interimsvorstand vor

startbild-awo
Ende des Audiobeitrags

Zumindest im Sozialbereich dürfte es wenige Menschen geben, deren erster Arbeitstag so viel öffentliches Interesse auf sich zieht, wie der von Steffen Krollmann und Gerhard Romen. Gut zwei Dutzend Journalisten erwarten sie, als sie am Montagnachmittag im Erich-Nitzling-Haus - der Zentrale der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) - den Konferenzraum betreten. Zwischen den beiden Männern nimmt Petra Rossbrey Platz, die erst vor knapp drei Wochen zur Vorsitzenden des ehrenamtlichen Präsidiums gewählt wurde.

"Wir als neugewähltes Präsidium der AWO haben uns zum Ziel gesetzt, mit den Machenschaften der Vergangenheit aufzuräumen", sagt Rossbrey. Krollmann und Romen sollen dabei helfen - als Interimsvorstände des krisengeschüttelten Frankfurt Kreisverbandes. "Die nächsten Wochen werden ein interessanter Ritt", ist sich Romen sicher.

Drei Monate für komplexe Themen

Seit Monaten erschüttert die sogenannte AWO-Affäre die Arbeiterwohlfahrt in Hessen: Üppige Funktionärsgehälter, teure Dienstwagen, ominöse Beraterhonorare. Ein Geflecht von Selbstbereicherung, das längst nicht mehr nur Presse und Politik, sondern auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Im Mittelpunkt: die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden und diverse ehemalige Führungsfiguren der Arbeiterwohlfahrt, die sich Posten und Geld zugeschachert haben sollen - auf Kosten des Sozialverbandes und der Kommunen.

Den beiden neuen Vorständen bleibt nicht viel Zeit, um ihren Beitrag zur Lichtung des AWO-Dickichts zu bringen. Für drei Monate sind Romen, der aus der IT-Branche kommt und Krollmann, seit 40 Jahren SPD-Mitglied und zuvor für die Volksbank tätig, als Vorstände berufen. Es sei einem so großen Kreisverband wie der Frankfurter AWO nicht zuzumuten, ihn monatelang führungslos zu lassen. Nach Ablauf der drei Monate soll ein neuer, dauerhafter Vorstand berufen werden. Nach einem "transparenten und regelhaften Verfahren", wie Rossbrey betont.

Tochterfirmen unter der Lupe

In dieser Zeit, so kündigt Rossbrey an, wollen sich Präsidium und Interimsvorstände teils komplexe Themenfelder vornehmen. Den Komplex um die gemeinnützige Tochterfirma AWO-Protect etwa, die der Stadt Frankfurt überhöhte Rechnungen für Sicherheitsdienstleistungen in zwei Flüchtlingsheimen gestellt haben soll. Dazu komme die Prüfung weiterer möglicherweise noch nicht abgewickelter Tochterunternehmen sowie der personellen Verflechtungen zwischen den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden.

"Für uns gibt es drei große Überschriften", sagt Krollmann, "die erste heißt Finanzen, die zweite Abläufe und die dritte Tagesgeschäft". Konkreter wird es an diesem ersten Arbeitstag nicht. Dafür hätten sie beide noch keinen ausreichenden Überblick, betonen die Interimsvorstände.

Künftig keine Luxus-Dienstwagen

Wie die Tätigkeit vergütet wird, erfährt die Öffentlichkeit nicht genau. Die Aufwandsentschädigung orientiere sich an dem Verdienstausfall, den Krollmann - der von der Volksbank freigestellt wurde - hinnehmen müsse, erklärt Rossbrey. Aus Rücksicht auf Krollmanns Arbeitnehmer werde keine genaue Zahl verraten.

Konkreter sind die Angaben bezüglich der künftigen Gehälter der noch zu berufenden Vorstände. Diese sollen bei jährlich 110.000 bis 130.000 Euro liegen - und sich damit an den Vorgaben des AWO-Bundesverbandes orientieren. Auch mit Luxusdienstwagen soll Schluss sein. "Premiummarken gehören nicht auf den Hof eines Sozialverbandes", betont Rossbrey.

Sendung: hr-iNFO, 9.3.2020, 18 Uhr