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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hohe Fallzahlen: Frankfurt vor weiteren Corona-Regeln

In einer Tür steht ein Stuhl mit Schild "Geschlossen"

Keine Entwarnung bei den Corona-Fallzahlen in Frankfurt: Während die Stadt eine Ausweitung der Maßnahmen beschließt, leiden die Gastronomen bereits unter der geltenden Sperrstunde. Jetzt gibt es einen Kompromissvorschlag.

Mit einer aktuellen Sieben-Tage-Inzidenz von 69,2 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohnern liegt Frankfurt kurz vor der fünften und letzten Warnstufe von 75. Seit Tagen bewegen sich die Zahlen der Neuinfektionen auf etwa gleich hohem Niveau. Fast schon folgerichtig verlängerte und verschärfte die Stadt am Donnerstag die in der Vorwoche beschlossenen Maßnahmen bis vorerst 31. Oktober - darunter auch die Sperrstunde für Kneipen und Restaurants zwischen 23 und 6 Uhr.

Existenznot bei Gastronomen steigt

Auf wenig Begeisterung dürften die fortdauernden Regelungen bei den von der Krise gebeutelten Gastronomen gestoßen sein. Mehr als 2.000 Betriebe sind das laut Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Bei einem erstmaligen "Gastro-Gipfel" mit Vertretern der Stadt machten die Restaurant- und Kneipenbesitzer in dieser Woche noch einmal deutlich: Die eingeführte Sperrstunde treffe die Branche "massiv ins Mark". Gastronomie und Hotellerie kämpften seit Monaten ums Überleben, Existenzen und Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Gastgewerbe-Verbänden und der Stadt.

Als Alternative zur "existenzbedrohenden" Sperrstunde schlägt der Gastronomie-Dachverband Dehoga Hessen Kompromisse vor, etwa den Alkoholausschank für sitzende Gäste zu beschränken und den Take-Away-Verkauf von alkoholischen Getränken zu untersagen. "Bei hohen Inzidenzwerten wären möglicherweise auch Temperaturkontrollen denkbar", sagte der zuständige Dehoga-Vorstand Robert Mangold.

Aufgrund der geltenden Beschränkungen bieten viele Gastronomen seit längerem feste Reservierungszeiten an. Seit Einführung der Sperrstunde hagele es jedoch massenweise Stornierungen für den späteren Reservierungszeitraum am Abend, so James Ardinast, Mitbetreiber des IMA im Bahnhofsviertel und stellvertretender Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Frankfurt. Für die Gastronomen bedeuteten die Absagen laut Ardinast einen herben Verlust: Die späten Abend- und Nachtstunden seien für die Betriebe in Frankfurt wirtschaftlich essenziell.

Gastronomen argumentieren gegen Sperrstunde

Ob die Sperrstunde überhaupt eine positive Wirkung auf die Entwicklung der Corona-Zahlen hat, bezweifeln die Gastronomie-Vertreter. Es gebe nun vielmehr ungeregelte private Treffen, ohne dass dabei Abstände und Mund-Nasen-Schutz eingehalten werden. Durch die Sperrstunde würden diese kritischen Begegnungen noch intensiviert, vor allem unter jungen Menschen.

Mit den gleichen Argumenten hatten drei Disko- und Gaststättenbetreiber mit Eilanträgen versucht, gegen die Sperrstunde juristisch vorzugehen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt lehnte diese am vergangenen Mittwoch jedoch ab. Mit der erreichten Eskalationsstufe 4 sei die derzeitige Sperrzeitregelung uneingeschränkt zu bejahen, erklärte das Gericht.

Dezernent verteidigt Sperrstunde

Was die Situation offenbar erschwert: Das Ausbruchsgeschehen kann nach Angaben des städtischen Gesundheitsamts aktuell nicht mehr an einzelnen Hotspots festgemacht werden und geht damit mehr in die Fläche. Man könne nicht mehr eindeutig nachvollziehen, ob eine Ansteckung aus dem privaten Umfeld, bei Feiern, aus der Gastronomie oder dem ÖPNV komme, erklärte Leiter René Gottschalk beim Gastro-Gipfel. Er hält Sperrstunde und Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen für notwendige Maßnahmen, weil die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln mit zunehmendem Alkoholpegel schwierig sei.

Auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) verteidigte die Sperrstunde und zerschlug sogar Hoffnungen auf einen möglichen späteren Beginn. Bei der Festlegung auf 23 Uhr orientierte sich Frankfurt an der Regelung in Offenbach - und dies wird nach den Worten Majers auch so bleiben: "Denn es kann nicht sein, dass unterschiedliche Sperrzeiten gelten und dazu verleiten, in eine Nachbarkommune zum Weiterfeiern zu ziehen", erklärte er.

Immerhin bei Wirtschaftsdezernent Frank stießen die Gastronomen nicht auf taube Ohren: "Wir müssen über Konzepte reden, um das überleben der Betriebe in den nächsten Monaten sicherzustellen", erklärte er. Vielleicht ist das schon beim nächsten Gastro-Gipfel möglich, der zeitnah stattfinden soll.