Bei der Behandlung von Corona könnten bald Menschen, die die Erkrankung schon überstanden haben, eine wichtige Rolle spielen - genauer gesagt ihr Blut. Ein Frankfurter Institut will jetzt herausfinden, ob es damit das Leben von Corona-Patienten retten kann.

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Im Frankfurter Institut für Transfusionsmedizin wird an einer Antikörper-Therapie geforscht.
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In Frank Eymanns Blut steckt etwas, das bis jetzt in Deutschland noch kaum jemand hat: Corona-Antikörper. Bis vor zwei Wochen war er noch selbst an dem Virus erkrankt, jetzt könnte er bald eine wichtige Rolle im Kampf gegen das Coronavirus spielen. Denn mit seinem Blutplasma wollen Wissenschaftler am Frankfurter Institut für Transfusionsmedizin schwerkranke Corona-Patienten heilen. "Wir arbeiten im Moment mit Volldampf an diesen Themen", sagt Institutsleiter Professor Erhard Seifried.

Die Frankfurter Wissenschaftler wollen Corona-Erkrankte passiv immunisieren. Dafür behandeln sie schwer erkrankte Patienten mit Corona-Antikörpern – weil die Patienten selbst noch keine Antikörper gebildet haben, sollen stattdessen fremde Antikörper das Virus in ihrem Körper bekämpfen. Diese Antikörper stecken im Blutplasma von Menschen, die die Erkrankung schon überstanden haben. So wie Frank Eymann.

Erste erfolgreiche Versuche in China

Die Methode ist keine neue: Schon bei anderen Epidemien kam das sogenannte Rekonvaleszenten-Plasma, Blutplasma von wieder Genesenen, zum Einsatz. Bei der Spanischen Grippe gab es solche Versuche, in den vergangenen Jahren auch bei Ebola und SARS. Jetzt auch bei Covid19? Erste erfolgreiche Behandlungsversuche mit der Methode bei Schwerkranken gibt es bereits aus China, allerdings nur mit wenigen Patienten.

Die Frankfurter Wissenschaftler wollen deshalb möglichst schnell eine sogenannte randomisierte Studie auf den Weg bringen. "Wir wollen überprüfen, ob die Behandlung wirklich Menschenleben rettet und ob der Verlauf der Krankheit leichter wird", sagt Seifried. Doch auf dem Weg zur Zulassung gibt es Hürden – vor allem zeitliche. Denn bis Blutpräparate für Behandlungen zugelassen werden, dauert es normalerweise Monate oder sogar Jahre.

Genesener: "Es ist selbstverständlich, zu helfen"

Dieses Mal könnte aber alles viel schneller gehen. "Wir bekommen große Unterstützung von den Bundesoberbehörden, das Studienprotokoll haben wir sehr zeitnah durchdiskutieren können", sagt Seifried. Die letzten Genehmigungen fehlen noch, 15 Institute sind aber schon bereit für die Studie unter Frankfurter Regie. In zwei Wochen könnte es losgehen.

Interview mit Mundschutz

Allerdings gibt es noch nicht viele potentielle Spender – für Frank Eymann war das einer der Gründe, sich zu melden: "Ich hatte als einer der ersten diese Krankheit. Für mich ist es selbstverständlich zu schauen, wie man damit möglichst vielen helfen kann." Institutsleiter Seifried freut sich über die Freiwilligen: "Wir sind sehr dankbar. Und vor allem die Patienten werden dankbar sein."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 3.4.2020, 16:45 Uhr