Demonstranten der Bewegung "Fridays for Future" blockieren bei einem Protestzug eine Kreuzung vor dem Mainkai in Frankfurt

Zurück auf Anfang. Auf dem nördlichen Mainkai in Frankfurt dürfen seit Dienstag wieder Autos fahren. Die Entscheidung ist höchst umstritten. Umweltaktivisten demonstrierten gegen die Öffnung.

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hessenschau vom 01.09.2020
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Als am Morgen der Bautrupp anrollte, waren noch einige Radfahrer und Fußgänger auf dem bis dahin verkehrsberuhigten Frankfurter Mainkai unterwegs. Gegen 8 Uhr begannen die Arbeiter, die Schranken zu entfernen. Ampeln wurden neu programmiert. Im Laufe des Tages wurde die Strecke zwischen Untermainkai und Alter Brücke wieder für Autos freigegeben.

Protestzug und Straßenblockade

Initiativen wie "Mainkai für alle" und "Fridays For Future Frankfurt" hatten noch am Dienstag versucht, die Öffnung hinauszuzögern. "Stadt für alle statt für Autos", war auf einem Banner zu lesen, das Protestierende hochhielten. Mehrere Hundert Menschen blockieren auf dem Weg vom Opernplatz zum Mainkai für kurze Zeit Straßenkreuzungen: "Es kann nicht sein, dass die Stadt Frankfurt eine Straße wieder für Autos öffnet, anstelle diese und weitere langfristig zu schließen", so die Fridays For Future-Aktivisten.

Die Sperrung des Mainkais war für manchen so etwas wie der Anfang einer Verkehrswende in Frankfurt. Der Plan war nicht ganz neu. Schon in den 60er Jahren hatte es Ideen gegeben, die Autos am Mainkai zu verbannen. Im Juli 2019 war es soweit: Autos und Lkw mussten draußen bleiben.

Corona verhinderte notwendige Vergleichszahlen

Auf der dreispurigen Straße am Mainkai durften sich nur Spaziergänger und Fahrradfahrer aufhalten. Auf ein Jahr war das Experiment angelegt. Von Anfang an gab es heftige Widerstände gegen das Projekt. Die Debatte um das Für und Wider sorgte bei Frankfurtern für hitzige Diskussionen. Bürgerinitativen wurden gegründet und Petitonen gestartet.

Dass das Experiment schließlich scheiterte, liegt auch an Corona. Durch die Pandemie konnte das städtische Verkehrsdezernat keinen für das Experiment notwendigen Vorher-Nachher-Vergleich ziehen, um den möglichen Nutzen der Mainkai-Sperrung zu belegen.

Koalition war sich uneins

Doch letztlich hat wohl auch der politische Wille gefehlt, das Experiment weiterzuverfolgen. SPD und Grüne waren für einen autofreien Mainkai, die mitregierende CDU dagegen. "Wir müssen die Öffnung des Mainkais hinnehmen", räumte die stellvertretende Grünen-Geschäftsführerin Beatrix Baumann ein. Dafür riskiere man nicht die Koalition. CDU-Verkehrsexperte Martin Daum sagte zuletzt, dass seine Partei für eine autoarme, aber nicht autofreie Innenstadt sei. Die Stadt könne am Mainkai mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer schaffen und dennoch weiterhin Autos erlauben.

Der Mainkai ist nun wieder autofrei, aber die Diskussion dürfte weitergehen: Die Initiative "Making Frankfurt" wandte sich schon am Montag in einem offenen Brief an die politischen Verantwortlichen. "Wir haben gemerkt: Dieser Ort ist zu weit mehr berufen als für die Durchfahrt." Sie fordern das nördliche Mainufer für mindestens zwei Jahre für den Autoverkehr gesperrt zu lassen und aus dem reinen Verkehrsexperiment ein Stadtraumexperiment zu machen.

Mehrheit der Frankfurter für autofreien Mainkai

In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Bürgeramts Wahlen und Statistik sprachen sich 57 Prozent für einen autofreien Mainkai aus. Es scheint, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Auch bleibt die Frage offen, ob SPD und Grüne das Thema für den kommenden Kommunalwahlkampf noch einmal angehen werden.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.09.2020, 19.30 Uhr