Katrin Böhning-Gaese mit dem Fossil eines Dinosauriers im Senckenberg-Museum.

Der Deutsche Umweltpreis 2021 geht an Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg-Forschungszentrum in Frankfurt. Sie entwickelt Modelle, mit denen sich Veränderungen der Ökosysteme durch den Klimawandel vorhersagen lassen.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht am Sonntag in Darmstadt den Deutschen Umweltpreis. Die mit 500.000 Euro dotierte Auszeichnung geht unter anderem an die Frankfurter Ökologin Katrin Böhning-Gaese für ihre Forschung zur biologischen Vielfalt. Sie teilt sich den Preis mit dem Moorforscher Hans Joosten von der Universität Greifswald.

Steinmeier sagte, die verheerenden Regenfälle in Mitteleuropa, die Waldbrände rund um das Mittelmeer und die Flutkatastrophe im Ahrtal hätten in diesem Sommer gezeigt, dass die Folgen des Klimawandels in Europa angekommen seien. Es sei die Aufgabe jeder denkbaren neuen Bundesregierung, jetzt schnell und entschlossen zu handeln. "Wenn wir nicht konsequent umsteuern, würden wir die Lebensbedingungen auf unserem Planeten unwiederbringlich zerstören", sagte der Bundespräsident.

"Der Deutsche Umweltpreis 2021 soll ein Signal sein: Wir haben nur eine Erde. Und wir müssen mit der Vielfalt des Lebens behutsam umgehen", sagte Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die den Preis seit 1993 vergibt. "Die beiden Ausgezeichneten haben dazu einen überragenden Beitrag geleistet."

Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Böhning-Gaese untersucht als Direktorin des Senckenberg-Biodiversität- und Klimaforschungszentrums die Folgen des Klima- und Landnutzungswandels für Tiere und Pflanzen. Sie versuche, Veränderungen in den Ökosystemen - und damit auch mögliche Folgen für den Menschen - so genau wie möglich für die kommenden Jahrzehnte vorherzusagen, sagte Bonde. Laut eines Berichts des Weltbiodiversitätsrats der Vereinten Nationen sind von den weltweit geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten rund eine Million vom Aussterben bedroht.

Die Frankfurter Ökologin habe einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag geleistet, damit alle begriffen, welche dramatischen Folgen der Artenverlust für die Menschen hat, begründete Bonde die Entscheidung. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse flössen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse ein. So habe die 56-Jährige maßgeblich die Grundlagen für die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft für eine Agrarwende in Deutschland gelegt.

Als die Entscheidung vor zwei Monaten bekannt wurde, sagte Böhning-Gaese dem hr, es gehe ihr darum, das "große Ganze" in den Blick zu nehmen. Dabei habe sie zum Beispiel festgestellt, dass die Vogelarten der Agrarlandschaft dramatisch zurückgehen - insbesondere auf Flächen, die nicht ökologisch bewirtschaftet werden. Artensterben und Klimawandel gingen demnach auf dieselben Ursachen zurück - die Übernutzung der natürlichen Ressourcen, sagte Böhning-Gaese.

Einer der höchstdotierten Umweltpreise

Ihr Mitpreisträger Joosten kämpft seit Jahrzehnten gegen die Moorentwässerung. "Er steht wie kaum ein anderer dafür, dass wir die Moore als Landschaftstyp und Klimaschützer brauchen – und deshalb vor Entwässerung schützen müssen." In den Mooren weltweit sind 600 Gigatonnen CO2 gespeichert. Werden die Moore trockengelegt, wird das umweltschädliche Gas freigesetzt. Weltweit sind bereits ein Fünftel der Moore entwässert, in Deutschland sogar schon fast 95 Prozent.

Der jährlich vergebene Deutsche Umweltpreis gehört zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Bis heute wurden 71 Menschen und Teams ausgezeichnet, deren Leistungen entscheidend und vorbildhaft zum Schutz und zum Erhalt der Umwelt beitragen.

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