Die Teilnehmenden der Querdenken Anti-Coronamaßnahmen-Demo in Frankfurt am Goetheplatz - Masken und Abstand sind Fehlanzeige

Das Bündnis "Querdenken 69" will am Samstag gegen die Corona-Einschränkungen protestieren. Gegendemonstrationen sind angekündigt. Die Polizei will Ausschreitungen wie in Leipzig unterbinden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Polizei will mit "Querdenkern" nicht diskutieren

Polizist von hinten, auf der Jacke steht in großen Lettern "Polizei". Daneben ein Polizei-Auto mit Blaulicht. Sujetbild.
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"Kein Lockdown für Bembeltown" heißt das Motto der Demonstration am Samstag, zu der das Frankfurter Bündnis "Querdenken 69" aufruft.

Nach Angaben des Frankfurter Ordnungsamts sind 500 Teilnehmer für einen Demozug von der Kaiserstraße zum Goetheplatz, Rathenauplatz und Roßmarkt angemeldet. Für die anschließende Kundgebung auf den drei zusammenhängenden Plätzen seien 2.000 Teilnehmer angemeldet. Eine Sprecherin von "Querdenken 69" sagte auf Anfrage, sie rechne mit 1.000 Teilnehmern. Zur vergangenen "Querdenker"-Demo in Frankfurt am 24. Oktober kamen rund 600 Menschen.

"Gezielte Zersetzung der Wirtschaft"

Die Demonstration richte sich "explizit gegen den 'Lockdown light'", sagte die Sprecherin weiter. Im Aufruf zu der Veranstaltung am Samstag beklagen die "Querdenker", die Corona-Maßnahmen zersetzten die Wirtschaft gezielt und schädigten die Bürger psychisch. Man wolle "mit Pauken und Trompeten durch die Innenstadt" marschieren und "die Lebensfreude und den Freiheitsgeist" zurück nach Frankfurt bringen, heißt es weiter.

Als Redner soll unter anderem der Ulmer Rechtsanwalt Markus Haintz auftreten, der bundesweit mehrere "Querdenken"-Demonstrationen mitorganisiert hat und der Bundesregierung in der Corona-Krise "Angstpropaganda" vorwarf. Auch der ehemalige Fußball-Nationalspieler und gebürtige Hanauer Thomas Berthold sollte ursprünglich am Samstag sprechen. Er habe aber kurzfristig abgesagt, teilten die Veranstalter mit.

Extremismus auf Demo unerwünscht

Vergangene Woche hatten in Leipzig rund 20.000 "Querdenker" gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung demonstriert. Es kam zu Ausschreitungen, auch gewaltbereite Rechtsextreme nahmen teil. Das soll an diesem Wochenende in Frankfurt nach Angaben der Veranstalter nicht passieren.

"Wir haben uns von Beginn an mehr von Extremismus distanziert als andere Querdenken-Initiativen", betonte die Sprecherin. So seien bei der Demo in Frankfurt zum Beispiel keine Logos von Parteien erwünscht. "Wir haben auch schon Menschen mit fragwürdigen Fahnen weggeschickt", sagte die "Querdenken"-Sprecherin.

"Keine Diskussion über Sinnhaftigkeit der Regeln"

Die Polizei will es nach eigenen Angaben in Frankfurt nicht mal im Ansatz zu Szenen wie in Leipzig kommen lassen. "Für die Polizei sind Demonstrationen besonders in dieser Zeit der Pandemie mit sehr hohen Infektionsraten eine Herausforderung", sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Donnerstag. Es gälten das Recht auf freie Meinungsäußerung, aber auch die Vorgaben der Corona-Verordnungen.

Sollten die "Querdenker" sich nicht an Abstandsregeln und Maskenpflicht halten, "werden wir konsequent handeln", sagte Bereswill: "Eine Diskussion mit den Einsatzkräften vor Ort über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen ist sinnlos und nicht zielführend."

Gegendemo gegen "Verschwörungsmythen"

Nach Angaben des Frankfurter Ordnungsamtes sind für Samstag bisher drei Gegendemonstrationen angemeldet. Zu einer davon ruft das antifaschistische Bündnis "Aufklärung statt Verschwörungsideologien" auf.

Eine Sprecherin sagte am Mittwoch auf Anfrage, man wolle sich "aktiv den menschenverachtenden, antisemitischen Positionen, die unter dem Deckmantel angeblichen 'Querdenkens' verbreitet werden, entgegenstellen". Die Ausschreitungen vergangene Woche in Leipzig hätten gezeigt, dass die "Querdenker" sich radikalisierten und gewaltbereit seien.

Die Veranstalter der Gegendemonstration konnten auf Anfrage nicht abschätzen, wie viele Teilnehmer sie erwarten. Eine Teilnehmerzahl von 500 "wäre aus unserer Sicht ein gutes Zeichen", sagte die Sprecherin von "Aufklärung statt Verschwörungsideologien". Man gehe davon aus, dass sich alle Gegendemonstranten solidarisch verhalten und Abstandsregeln und Maskenpflicht einhalten würden.

Die Frankfurter Polizei will die gegensätzlichen Lager voneinander trennen, um mögliche Auseinandersetzungen zu verhindern, wie ihr Präsident Bereswill am Donnerstag ankündigte.

Sendung: hr-iNFO, 12.11.2020, 19 Uhr