Fridays-for-Future-Aktivistinnen Emma Savolainen (l.) und Carlotta Schmidt.

Blaumachen für den Klimaschutz: Am Freitag werden sich weltweit wieder Schüler für "Fridays for Future“ begeistern. In vielen Städten ziehen sie auf die Straßen - auf Initiative zweier Mädchen auch in einem 450-Seelen-Dörfchen in Nordhessen.

Um 10 Uhr am Freitag geht es los, auf dem Platz vor dem Gasthof. Und die Sache wird ein Erfolg, da hat Emma Savolainen keinen Zweifel. "Wenn wir positiv denken, werden es vielleicht 30 bis 50 Teilnehmer. Es sieht ziemlich gut aus", sagt die 15 Jahre alte Schülerin, die ihren Nachnamen von ihrer finnischen Mutter hat.

Unterstützt von ihrer Freundin Carlotta Schmidt hat Emma dafür gesorgt, dass die internationale Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" nicht spurlos an Hebenshausen vorbeigehen wird: Demo anmelden, Flyer verteilen, Pressearbeit.

Eine Whatsapp-Gruppe reicht

Hebenshausen: Ortsteil von Neu-Eichenberg, Werra-Meißner-Kreis, Hessen, nahe der Grenzen zu Niedersachsen und Thüringen. Gerade einmal 450 Einwohner hat das Dorf - und damit deutlich weniger, als von Vancouver über Stockholm und Frankfurt bis Zürich bei vielen freitäglichen Schülerdemos an Teilnehmern zusammenkommen. An der Darmstädter Premiere etwa beteiligten sich vergangene Woche mehr als 1.000 junge Menschen.

Dort haben sich die Aktivisten wegen des Andrangs inzwischen in drei Whatsapp-Gruppen organisiert, weil der Messenger-Dienst maximal 256 Mitglieder pro Gruppe zulässt. Gut, die Gruppe "FFF Hebenhausen" kommt bloß auf 15 Teilnehmer. Das sind aber erstens "mehr als gedacht", wie Gymnasiastin Savolainen betont. Und sie haben zweitens etwas, was die Großstadt-Demos nicht immer haben: ein höchst konkretes Anliegen.

"Nicht wieder gut zu machen"

Vor dem Dorf, an der Bundesstraße 27, will ein Investor mit dem Segen von Regierungspräsidium, Landkreis und Gemeinde ein Logistikzentrum bauen. Die Hoffnung: viele hundert, vielleicht mehr als 1.000 Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Und gibt es nicht Fläche genug hier, auf dem flachen Land zwischen Göttingen und Kassel?

Nach Meinung der jungen Aktivisten von Fridays for Future überwiegen die Nachteile eindeutig: "Es ist jetzt schon so viel Verkehr dort. Und wenn der Mutterboden abgetragen und die wertvolle Ackerfläche erst einmal versiegelt worden ist, kann da nie wieder Landwirtschaft betrieben werden", sagt Savolainen. Sie gibt zu: Längst nicht alle Klassenkollegen sehen es genauso - wenn sie das Thema überhaupt interessiert.

Welt im Kleinen retten

Gegen das 150-Millionen-Projekt laufen auch erwachsene Anlieger Sturm - nicht zuletzt aus Angst vor lärmenden Lkw-Kolonnen. "Fridays for Future" im kleinen Hebenshausen will den Widerstand in den großen Zusammenhang stellen. Geht es nicht auch hier um die Rettung der Welt? "Die Natur und das Klima werden bei uns ganz konkret durch eine Entscheidung gefährdet, die abgewendet werden muss“, sagt Savolainen bestimmt.

Sieben Unterrichtsstunden hätte die Jugendliche eigentlich am Freitag an ihrem katholischen Gymnasium. Ihr Vater wird die Entschuldigung schreiben. Ob ihre Schule die akzeptiert, weiß Emma noch nicht. Wenn nicht, steht der Fehltag eben als unentschuldigt im Zeugnis. Die Demo auf den schulfreien Samstag zu verlegen: Das schied jedenfalls von Anfang an auch bei Fridays for Future in Hebenshausen aus. "Wir müssen ein Zeichen setzen und zeigen, was jetzt wirklich wichtig ist."

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In Schweden fing es an

Schüler und Studenten streiken fürs Klima - diese Bewegung nahm im Sommer des vergangenen Jahres ihren Ausgang in Schweden. Dort entschied sich die Schülerin Greta Thunberg solange freitags zu demonstrieren, bis ihr Land die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 einhält. Die Aktion schwappte auf andere Länder und Kontinente über, auch nach Deutschland. In Hessen wurde schon mehrfach in mehreren Städten gestreikt: von Kassel über Wetzlar und Frankfurt bis Darmstadt. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zeigte Verständnis für die Jugendlichen, warnte aber davor, das Demonstrieren während der Schulzeit zur Gewohnheit werden zu lassen.

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