SPD-Politiker Frank-Tilo Becher diskutiert mit Schülern
Frank-Tilo Becher (SPD) diskutiert mit Schülern der Freiherr-vom-Stein-Schule Wetzlar Bild © Marcus Narloch-Bode, hessenschau.de

"Fridays for Future" mal ganz anders: An der Freiherr-vom-Stein-Schule in Wetzlar hat ein Aktionstag zum Thema "Klimaschutz" stattgefunden. Das Besondere daran war ein Speed-Dating mit Politikern.

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Schüler in einer Turnhalle im Gespräch mit Politikern

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In Darmstadt, Kassel und auch in Frankenberg (Waldeck-Frankenberg) nahmen am Freitag hunderte Schüler an "Fridays for Future"-Demonstrationen teil. Wieder einmal, könnte man fast schon sagen. In Wetzlar aber gab es in der Turnhalle der Freiherr-vom Stein-Schule eine Klimaschutz-Aktion der ganz anderen Art: Ein Speed-Dating mit Politikern. Auf dem Aktionstag "Unsere Zukunft" sollten sich die rund 800 Schüler der Klassen 5 bis 10 nicht nur mit E-Mobilität, plastikfreiem Frühstück oder dem eigenen ökologischen Fußabdruck beschäftigen. Die Gymnasiasten wollten ganz konkret denjenigen auf den Zahn fühlen, die über ihre Zukunft entscheiden.

Insgesamt sechs Politiker aller im hessischen Landtag vertretenen Parteien stellten sich jeweils den Fragen einer Schülergruppe, für jeweils etwa zehn Minuten. Dann zogen die Gruppen weiter zum nächsten Politiker. Mit dabei waren die Landtagsabgeordneten Frank-Tilo Becher (SPD), Matthias Büger (FDP), Martina Feldmayer (Grüne), Hermann Schaus (Die Linke), Willi Wagner (AfD) und der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer (CDU).

Schüler und Politiker bei der Eröffnung des Klimaschutztages an der Freiherr-vom-Stein-Schule Wetzlar
Klimaschutztag in der Turnhalle der Freiherr-vom-Stein-Schule Wetzlar Bild © Marcus Narloch-Bode, hessenschau.de

"Nehmen Politiker uns Schüler ernst?"

"Nehmen uns die Politiker überhaupt ernst?", fragte ein Schüler gezielt FDP-Mann Büger. Dabei ging es um das Zitat von FDP-Chef Christian Lindner. Der hatte gefordert, dass die Schüler auf den "Fridays for Future"-Demos den "Klimaschutz den Profis überlassen" sollten. Büger versuchte zu relativieren. Der Klimaschutz sei so kompliziert, Lindner habe mit "Profis" Ingenieure gemeint, nicht Politiker. So richtig zufrieden machte die Antwort die Schüler offenbar nicht.

"Und was tut die CDU gegen den Klimawandel?", wurde der Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer gefragt. Nach dem Wirbel um das Video des Youtubers Rezo überraschte diese Frage ganz und gar nicht. CDU-Mann Irmer aber ging in die Offensive. Es werde so getan, als hätte es in den letzten Jahren keine technischen Innovationen gegeben. Man brauche aber noch mehr Forschung - bei der Wasserstofftechnik etwa, aber auch bei der Atom-Energie. "Das sage ich, auch wenn es unpopulär ist", so Irmer.

Besonders lebhafte Diskussionen mit AfD-Vertreter

Teils emotional wurde es bei den Diskussionen mit AfD-Vertreter Willi Wagner. "Wie kann denn die AfD den Klimawandel leugnen?", fragten Schüler immer wieder. Das stimme so nicht, entgegnete Wagner. "Den Klimawandel gibt es, er ist aber nicht von Menschen gemacht". "Aber, was ist mit den vielen Wissenschaftlern, die genau das vertreten?", fragte ein Schüler nach. Wagner antwortete, dass andere Wissenschaftler etwas ganz anderes sagen würden, die würden aber nicht gehört. "Und was ist mit dem Artensterben?", wollte eine Schülerin wissen. Auch das, so Wagner, habe es schon immer gegeben. Einige Schüler sagten anschließend, sie hätten das Gefühl, ihnen sei das "Wort im Mund umgedreht" worden.  

AfD-Politiker Willi Wagner diskutiert mit Schülern
Willi Wagner (AfD) diskutiert mit Schülern über Klimawandel Bild © Marcus Narloch-Bode, hessenschau.de

Moderat lief es dagegen beim Tisch der Grünen-Klima-Expertin Feldmayer, denn viele Schüler können offenbar mit den Klimaschutzforderungen ihrer Partei etwas anfangen. Doch trotzdem gab es kritische Fragen. "Warum fordert ihre Partei eine CO2-Steuer? Ist das sozial verträglich?", wollte ein Schüler wissen. "Leute mit viel Geld fliegen viel und fahren dicke Autos", sagte Feldmayer. Das kommt bei Schülern gut an.

Speed-Dating kommt bei Schülern und Politikern gut an

Auch insgesamt scheint der Austausch mit den Politikern bei den Schülern der Freiherr-vom-Stein-Schule Wetzlar gelungen. Viele können sich ein weiteres Speed-Dating vorstellen, auch zu einem anderen Thema. Vanessa (15) war überrascht, wie sympathisch und vernünftig die meisten Politiker rüber kamen. Anastasija (14) fand dagegen, einige Polit-Profis hätten die Schüler ständig unterbrochen. Magnus (16) sagte, er sei eigentlich von den Grünen überzeugt, möchte sich jetzt aber mal die Argumente der AfD ansehen. Und Nora (13) will sich nun "mehr über den Klimaschutz informieren".

"Das ist ein tolles Format", sagte der CDU-Politiker Irmer nach dem Speed-Dating. Die Schüler könnten in die Tiefe gehen, wenn sie mal einen Politiker vor die Flinte bekämen. Auch seine Kollegen hoffen, "den ein oder anderen Schüler zum Nachdenken angeregt zu haben".  Und Frank-Tilo Becher von der SPD stellte begeistert fest: "Die Schüler sind nicht unpolitisch. Die sind nur Politiker-verdrossen".

Begrüßungsbild zum Klimaschutztag an Freiherr-vom-Stein-Schule Wetzlar
Titel des Aktionstages Klimaschutz an Freiherr-vom-Stein-Schule Bild © Marcus Narloch-Bode, hessenschau.de