Eine Schülerdemo in Berlin, auf einem Plakat steht "Warum lernen ohne Zukunft"

Seit Wochen demonstrieren auch in Hessen jeden Freitag Schüler für mehr Klimaschutz - auch zu Unterrichtszeiten. Die AfD zeigt sich darüber im Landtag empört. Doch die Schüler halten dagegen und erhalten viel Unterstützung von den anderen Parteien.

Auch nach einer Landtagsdebatte am Donnerstag über die "Fridays for Future"-Demonstrationen werden an diesem Freitag vermutlich wieder Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. "Wir Schüler haben kein Streikrecht", sagte die stellvertretende Landesschulsprecherin Lou-Marleen Appuhn am Donnerstag. Viele seien noch nicht wahlberechtigt und hätten weniger Möglichkeiten, sich zu äußern. Deswegen gingen die Aktionen wie in den vergangenen Wochen weiter.

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Die AfD hatte am Donnerstag im Wiesbadener Landtag eine Debatte zu den Schüler-Demos beantragt. Ihre Mahnung: "Blaumachen während der Unterrichtszeit darf es nicht geben". Das führe zu gebrochenen Bildungskarrieren. Der weltweiten Initiative "Fridays for Future" ("Freitags für die Zukunft), haben sich auch hessische Schüler angeschlossen. Seit Wochen wird freitags für den Klimaschutz demonstriert - auch während der Unterrichtszeit.

Breite Unterstützung für Schüler-Engagement

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) lobte in der Debatte den Einsatz der Schüler. Das zeige, dass junge Leute die Zukunft mitgestalten wollten. Das Spiel mit dem Regelbruch gehöre zum Erwachsenwerden und um Aufmerksamkeit zu erregen dazu, betonte der Minister. Daher setze er nun auf die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer sowie Schulleitungen und sei nicht gleich für Sanktionen für die Schüler. Allerdings dürften Demonstrationen während der Schulzeit nicht zu einem Gewohnheitsrecht werden. Stattdessen sollte das Engagement künftig wieder im Unterricht oder danach stattfinden

Von Grünen, SPD und Linken hieß es, das Engagement der Schüler sei ein Zeichen für gelebtes, politisches Handeln. Auch die FDP-Fraktion begrüßte das Interesse der Schüler am Klimaschutz, forderte sie aber gleichzeitig auf, nicht während der Schulzeit zu protestieren. Zum Antrag der AfD erklärte die FDP, es sei fraglich, ob es der Fraktion um das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Bildung gehe oder ob sie den Inhalt der Demos ablehne.

Appuhn: Schüler nicht von "Klimalobby" instrumentalisiert

"Dass Jugendliche auf die Straße gehen, zeigt doch selbstständiges Denken", so die stellvertretende Landesschulsprecherin Appuhn. Ihnen sei Klimaschutz wichtig. Deswegen gebe es auch Demos nach Schulschluss. Als anmaßend bezeichnete sie Vorwürfe der AfD, Schüler seien von der "Klimalobby" instrumentalisiert. "Generell kam von der AfD wenig Anerkennung und es wurde den Schülern viel böser Wille unterstellt", sagte Appuhn. Es sei sehr unrealistisch, dass Schulabschlüsse wegen der Demos in Gefahr seien.

Sendung: hr3, 07.02.2019, 12 Uhr