Kürzlich war er noch für die CDU kommunalpolitisch aktiv, zugleich unterstützt er eine radikal-islamische Partei. Die "Friedenskonferenz" eines aus Pakistan stammenden Studenten in Offenbach wirft viele Fragen auf.

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hs
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"Man muss immer was Großes denken. Mein Ziel ist es einmal Bundeskanzler zu werden“, sagte Taha Tariq bei der Eröffnung einer "Friedenskonferenz" am Sonntag in Offenbach. Mehrere hundert Mitglieder pakistanischer Moscheevereine, überwiegend aus dem Rhein-Main-Gebiet, waren in den Hochzeitssaal in einem Gewerbegebiet gekommen, um verschiedene pakistanische Prediger zu hören.

Taha Tariq steht als einer von drei Namen unter der Einladung zur Konferenz. Der Medizinstudent hielt die Eröffnungsrede und begrüßte Gäste. Unter seinem bürgerlichen Namen engagierte er sich im Jugendgemeinderat der baden-württembergischen Stadt Crailsheim.

Widersprüchliche Aussagen zu CDU-Mitgliedschaft

In Offenbach sagte Taha Tariq ins hr-Mikrophon. "Ich bin Mitglied im Vorstand einer Partei, der CDU“. Vom Crailsheimer Stadtverband wird er noch als Beisitzer im Vorstand geführt.

"Taha Tariq hat vor kurzem schriftlich seinen Austritt erklärt“, sagt allerdings der Crailsheimer CDU-Vorsitzende Klaus-Jürgen Mümmler auf hr-Anfrage. Einen Grund dafür habe er nicht angegeben. Es ist nicht der einzige Widerspruch, der zutage kommt, wenn man sich mit Taha Tariq beschäftigt.

Todesstrafe für Gotteslästerung

Auf seinen Internetprofilen wirbt er unter dem Namen "Taha Cheema“ für die radikalislamische pakistanische Partei TLP und ihren geistlichen Anführer Khadim Hussain Rizvi. Der charismatische Prediger Rizwi fordert die strikte Einhaltung der Todesstrafe für Gotteslästerung (Blasphemie). Vor einem Jahr sorgten Rizvis Anhänger weltweit für Aufsehen, weil sie durch militante Proteste das öffentliche Leben in pakistanischen Großstädten für mehrere Tage lahmlegten.

Anlass war damals der Freispruch für die zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi durch das oberste pakistanische Gericht. Bibi saß fast zehn Jahre wegen Gotteslästerung in der Todeszelle. Rizvi richtete sich danach öffentlich an die Hausangestellten der obersten Richter: Sie sollten ihre Arbeitgeber ermorden, als "gerechten Strafe für das schändliche Urteil".

Problematische Namenswahl

"Die Äußerungen von Taha Cheema auf Facebook, Twitter und Youtube lassen klar erkennen, dass er sich zur TLP bekennt“, sagt Thomas Gugler. Der Islamwissenschaftler am Forschungszentrum Globaler Islam der Frankfurter Goethe-Universität hält es für problematisch, dass Taha Tariq offenbar die Ideologie der Blasphemiegesetze am Herzen liegt: "Das ist mit unserem Verständnis von Religionsfreiheit nicht vereinbar“.

Für problematisch hält er auch den Namen, unter dem Taha Tariq predigt. "Cheema“ steht für den in Pakistan bekanntesten Landsmann in Deutschland. Amir Cheema hatte 2006 in Berlin das Axel-Springer-Haus betreten, um dem damaligen Herausgeber der WELT, Roger Köppel, mit einem Küchenmesser die Kehle zu durchtrennen.

Der Publizist sollte sterben, weil er die dänischen "Mohammed-Karikaturen" nachdrucken lies. Cheema wurde von Sicherheitsleuten überwältigt und festgenommen. Er erhängte sich in der Untersuchungshaft. Er gilt bis heute als einer der großen "Märtyrer" der radikalislamischen Bewegung in Pakistan und hat bis heute eine Gedenkseite auf Facebook.

CDU auch nach Austritt "Lieblingspartei"

Friedenskonferenz

Taha Tariq bestreitet, durch die Wahl seines Predigernamens Amir Cheema als Märtyrer zu würdigen. Er wisse nicht, wer Amir Cheema sei, behauptet er. In Pakistan werde er Taha Tariq, Taha Cheema oder auch Taha Tariq Cheema genannt. In der dortigen Kultur sei es normal, dass Cheema auch für eine Gesellschaftsklasse verwendet werde. Mit der Partei TLP verbinde ihn nicht mehr als mit anderen pakistanischen Parteien, deren Positionen er in Deutschland erklären wolle.

Die Erklärungen tragen wenig zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen bei. In puncto CDU-Mitgliedschaft verstrickt er sich in weitere Widersprüche. Hatte er der hessenschau zunächst gesagt, er gehöre dem Crailsheimer CDU-Vorstand an, bestätigt er auf Nachfrage einen Tag später seinen Austritt, der bereits etwa einen Monat zurückliegt. Die CDU bleibe aber weiter seine "Lieblingspartei.“

Sendung: hr-hessenschau, 04.11.2019, 19.30 Uhr