Die türkische Menschenrechtlerin Sebnem Korur Fincanci.
Die türkische Menschenrechtlerin Sebnem Korur Fincanci. Bild © picture-alliance/dpa

Die hessische Friedenspreisträgerin Sebnem Korur Fincanci ist in der Türkei zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Ihr wird "Terrorpropaganda" vorgeworfen. Ministerpräsident Bouffier zeigte sich betroffen.

Vor wenigen Wochen noch hatte die Vorsitzende der türkischen Menschenrechtsstiftung Şebnem Korur Fincanci den Hessischen Friedenspreis in Wiesbaden bekommen. Nun wurde die Menschenrechtlerin in der Türkei zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt, wie am Freitag bekannt wurde. Der Vorwurf: "Terrorpropaganda". Die Verurteilung erfolgte bereits am Mittwoch in Istanbul.

Fincanci hatte im Jahr 2016 die Friedenspetition "We will not be a party to this crime" unterschrieben. Sie ist eine von über 1.000 Akademikern, die diese Friedenspetition unterzeichnet haben. Laut Medienberichten muss sie die Haft tatsächlich antreten.

Kartmann: "Ich wünsche ihr viel Kraft"

Der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann (CDU), zeigte sich bestürzt über das Urteil. "Şebnem Korur Fincanci ist eine mutige Frau, ich wünsche ihr viel Kraft bei ihrem unbeirrbaren Einsatz für den Frieden und die Menschenrechte", so der Landtagspräsident.

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Hessischer Friedenspreis

Der Hessische Friedenspreis wurde 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald (SPD) ins Leben gerufen. Die Auszeichnung wird jährlich vergeben. Im vergangenen Jahr wurde die frühere UN-Chefanklägerin Carla del Ponte ausgezeichnet, im Vorjahr die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.

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Auch der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kritisierte die Entscheidung des Gerichtes. "Ihre Verurteilung macht mich sehr betroffen. Wir brauchen Menschen wie sie, die sich unermüdlich für den Frieden engagieren - und dabei auch ein persönliches Risiko nicht scheuen", sagte Bouffier.

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Fincanci hatte den Friedenspreis für ihren Einsatz für die Aufarbeitung von Folter und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei erhalten. Sie ist Mitverfasserin des so genannten "Istanbul Protokolls", das als internationales Standardwerk der Vereinten Nationen zur Untersuchung und Dokumentation von Folter weltweit anerkannt ist.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.12.2018, 16.45 Uhr