Im Mittelpunkt der Grafik ist ein Polaroid mit einem Foto der AWO-Mitgliederversammlung. Davor hält eine Hand Fäden, die zum AWO-Logo führen.

Der AWO-Skandal betrifft in erster Linie die Führungsriege der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden. Doch auch die Basis wird teilweise in Mithaftung genommen und muss sich rechtfertigen. Deshalb wächst dort der Frust.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found AWO-Skandal - Was sagt die Basis?

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Im Erich Nitzling-Haus im Frankfurter Ostend dürfte es am Samstagnachmittag hoch hergehen - zum zweiten Mal in dieser Woche. Am Dienstag durchsuchten Polizisten und Vertreter der Frankfurter Staatsanwaltschaft die Zentrale des Kreisverbands der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt. Anlass war die sogenannte AWO-Affäre um üppige Funktionärsgehälter, teure Dienstwagen und möglicherweise falsche Rechnungen an die Stadt Frankfurt.

Am Samstagnachmittag nun wollen Delegierte der 34 Frankfurter Ortsvereine darüber bei der Kreiskonferenz beraten - in den selben Räumen, die am Dienstag noch durchsucht wurden. Ein neues Präsidium wird dabei nicht gewählt werden. Dennoch könnte die Debatte hitzig werden. Denn an der AWO-Basis ist der Frust groß.

"Kleine Clique von kriminellen Profiteuren"

Denn auch einfache AWO-Ehrenamtler müssen sich für das Fehlverhalten an der Spitze regelmäßig rechtfertigen: "Natürlich wird man darauf angesprochen", berichtet Herbert Stelz. Seit 42 Jahren ist er Mitglied in der Arbeiterwohlfahrt. Beim Ortsverein Frankfurt-Eckenheim hat er den Posten des Kassierers übernommen. Irgendwie, sagt er, sei man "negativ mit im Boot". Wie sich das anfühlt? "Beschissen. Ganz einfach!"

Eine "kleine Clique von kriminellen Profiteuren" habe die AWO in Misskredit gebracht, sagt Stelz. Einige Ehrenamtler hätten bereits infolge des Skandals die AWO verlassen. Bittere Enttäuschung mache sich breit. Auch unter den mehr als 1.000 Beschäftigten der AWO, die in Frankfurt in Pflegeheimen und Kindertagesstätten arbeiten und "nicht hoch verdienen".

"Schwarze Schafe gibt es überall"

Die Auswirkungen auf den Alltag in den von der AWO betriebenen Institutionen scheinen sich derweil noch in Grenzen zu halten. "Im Prinzip berührt es uns hier nicht wirklich sehr", berichtet die Mitarbeiterin einer AWO-Kindertagesstätte, die anonym bleiben möchte. "Wir machen unsere Arbeit nach wie vor genauso gut wie vorher."

Dass vor Ort "nichts zu spüren" sei, sagt auch Stefan Weinberger, dessen Sohn eine AWO-Kita besucht: "Schwarze Schafe gibt es überall und Gelegenheit macht Diebe." Das Vertrauen zu den Erziehern sei dadurch nicht getrübt. "Denn damit haben die Leute, die hier arbeiten und angestellt sind, rein gar nichts zu tun."

Sandra Keitel, deren Sohn dieselbe Kita besucht, hätte sich dennoch eine bessere Informationspolitik seitens der AWO gewünscht. "Wir haben auch speziell hier aus dieser Kita gar keine Informationen darüber erhalten, keine E-Mail oder irgendwas. Es wurde überhaupt nicht thematisiert."

Diskussion ohne Öffentlichkeit

Nicht überall will man offen über die Stimmung an der Basis sprechen. An einem AWO-Jugendclub in Frankfurt werden die Reporter des hr höflich aber direkt an die Pressestelle der AWO verwiesen. Anfragen bei anderen AWO-Einrichtungen führen ins Leere. Als ob man sich den großen Aufschrei aufhebt für die Versammlung am Samstag. Da allerdings will man auch unter sich sein - die Presse ist ausdrücklich von der Kreiskonferenz ausgeschlossen. Die Mitglieder sollen sich "losgelöst von der öffentlichen Debatte" austauschen können, heißt es in einer Mitteilung.

Für AWO-Urgestein Herbert Stelz stehen die Zeichen dennoch auf Sturm: "Es wird immer noch so getan von der Spitze - von der kleinen Spitze muss man sagen - als sei das alles nicht so schlimm. Als würde sich das alles in Wohlgefallen auflösen, als würde alles geklärt werden. Daran glaube ich schon lange nicht mehr."

Sendung: hr1, 17.01.2020, 12.10 Uhr