Fünf Lehrerinnen als Bildkombo

Homeschooling, Präsenzunterricht, Notbetreuung - und nun seit einer Woche Wechselunterricht für die meisten Schüler in Hessen. Wie dieses Modell funktioniert und wo es hakt, erzählen fünf mehr oder weniger gestresste Lehrerinnen.

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Vier bunte Stühle stehen auf einem Tisch in einem Klassenzimmer. Schriftzug: hs extra.
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Heute Distanzunterricht zu Hause, morgen Präsenzunterricht in der Schule. So, oder so ähnlich sieht seit einer Woche der Alltag für einen Großteil der hessischen Schülerinnen und Schüler aus.

Neben den Abschlussklassen werden seit dem 22. Februar auch Kinder der Klassen 1 bis 6 und der Qualifikationsphase 2 im sogenannten Wechselmodell unterrichtet: Während ein Teil der Klasse vor Ort an der Schule ist, soll der andere Teil der Klasse von zu Hause aus lernen.

Wechselnde Klassengruppen bedeuten mehr Arbeit

Für Katja Groh und viele andere Lehrkräfte bedeutet diese Art des Unterrichts vor allem "große Mehrarbeit für die Betreuung der Kinder, die gerade nicht in der Schule sind". Denn mit den Kindern zu Hause könne man nicht zeitgleich denselben Stoff behandeln wie mit den Kindern, die gerade in der Schule betreut werden, sagt die Grundschullehrerin aus dem Landkreis Kassel.

"Wenn ich der einen Gruppe etwas in Präsenz erkläre, muss ich der anderen Gruppe zu Hause auch irgendwie sinnvolle Aufgaben geben, ohne dass sie eine Erklärung von mir bekommen haben", sagt Groh. So sei man ständig in der Situation, zwei Lehrkonzepte zur selben Zeit realisieren zu müssen.

Das habe außerdem zur Folge, dass eine Schülergruppe der anderen immer ein Stück weit voraus sei. "Ich würde mir deshalb wünschen, dass den Kindern zu Hause auch eine pädagogische Fachkraft zur Verfügung stünde", so die Lehrerin. Dafür fehle es aber schlicht an Personal.

Lehrer nutzen eigene Rechner, Kinder habe oft gar keine

Zudem fehle es an vielen Stellen immer noch an technischem Equipment, sagt Katrin Pechout. Sie unterrichtet an einer Haupt- und Realschule in Limburg. "Für die Kommunikation zu unseren Schülern benutzen wir ausschließlich unsere privaten Geräte", erzählt sie.

Schülermitteilungen und Nachrichten kämen so immer auf ihrem privaten Handy oder Laptop an. "Und gleichzeitig wird von uns erwartet, dass wir die neuesten Geräte und Technologien kaufen, um diese für unsere Arbeit zu nutzen", sagt die Lehrerin.

Noch problematischer findet sie, dass viele ihrer Schüler komplett auf der Strecke blieben. "Gerade in der Haupt- und Realschule gibt es ganz viele Kinder, die sich gar keine Geräte leisten können", erzählt Pechout. In Zeiten von Wechsel- und Distanzunterricht würden diese Kinder leicht abgehängt.

Online unterrichten geht nur vom Homeoffice aus

Nicole Roth-Sonnen leitet ein Gymnasium in Groß-Umstadt (Darmstadt-Dieburg). Sie und viele ihrer Kollegen stehen seit dem Wechselunterricht vor allem vor logistischen Herausforderungen. Da manche Klassen jetzt vor Ort und andere komplett online unterrichtet würden, müssten einige Lehrkräfte nach dem Präsenzunterricht in der Schule für den Online-Unterricht nach Hause pendeln - um dort weiter zu unterrichten.

"Das liegt vor allem daran, dass das Internet in unserer Schule nicht gut genug ist, um von dort aus Online-Unterricht zu geben", erklärt Roth-Sonnen. Die Anbindung der Schule sei gerade mal so stark wie die eines normalen Haushalts. Dass mehrere Lehrer von dort aus online unterrichten, sei undenkbar.

Angst vor Ansteckung bleibt

Neben logistischen, technischen und organisatorischen Herausforderungen bleibe vor allem die Angst vor der Ansteckung mit dem Coronavirus, sagt Christiane Stock. Sie unterrichtet an einer Grundschule in Kassel.

"Es ist zwar gut, dass wir wieder vor Ort unterrichten können und die Kinder live sehen. Ich persönlich habe aber auch große Angst, mich zu infizieren", sagt sie. Gerade jetzt mit den Mutationen sei die Verunsicherung groß. Zu Grundschulkindern könne man außerdem nicht immer Abstand halten.

Ähnlich geht es auch Nina Weck aus Mücke (Vogelsberg). "Ich fühle mich irgendwie verfeuert, weil ich in der Schule mit 40 Kindern engen Kontakt haben muss. Privat darf ich aber nur eine Person treffen" , so die Grundschullehrerin.

Das Wechselmodell findet sie aus infektiologischer Sicht zwar besser als eine komplette Öffnung der Schulen. Bis sie geimpft ist, müsse sie aber wohl weiterhin mit einem mulmigen Gefühl in die Schule gehen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau extra, 23.02.2021, 20.15 Uhr

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Homeschooling - Eine Schule zeigt wie es geht
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