Vermummte Aktivisten und Polizisten stehen um eine Planierraupe herum. Auf einem Transparent steht "Alle Wälder bleiben".

Aus Protest gegen den Baubeginn im Dannenröder Forst haben Aktivisten am Montag ein Baufahrzeug besetzt. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die nahm fünf Aktivisten kurzzeitig fest.

Im Dannenröder Forst haben Aktivisten am Montag eine Planierraupe besetzt. Damit protestierten sie gegen die begonnenen Vorbereitungsarbeiten zum Ausbau der A49. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Insgesamt seien etwa 50 Aktivisten an der Blockade beteiligt gewesen, meldete die Polizei am Abend. Zuerst war von 20 Personen die Rede gewesen. Die Polizei habe versucht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und die Blockade gewaltfrei aufzulösen, sagte eine Sprecherin.

Zwei Protestierende, die das Fahrzeug unmittelbar besetzten, wurden vorläufig festgenommen. Ein Dritter, der stundenlang auf dem Dach gesessen habe, sei schließlich "unter Anwendung einfacher körperlicher Gewalt" von der Planierraupe gezogen worden. Nach Aussage der Polizei blieb der Mann dabei unverletzt.

Strafverfahren eingeleitet

Im Zuge der Blockade sei auch eine weitere Person festgenommen worden, die ein Messer mit sich führte. Alle vier Festgenommenen seien zur Identitätsfeststellung auf eine Wache gebracht worden.

Am frühen Abend meldete die Polizei, noch eine weitere Person sei wegen versuchter Gefangenenbefreiung und Sachbeschädigung eines Einsatzfahrzeugs in Gewahrsam genommen worden. Gegen alle fünf Personen wurden Strafverfahren eingeleitet.

Sitzblockade vor Gefangenentransporter

Der Abtransport der Fünf gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Etwa 35 Personen hinderten den Gefangenentransporter durch eine Sitzblockade kurzzeitig an der Abfahrt, gaben den Weg schließlich aber wieder frei.

Den Abtransport der zuvor besetzten Planierraupe begleiteten mehrere Polizeibeamte. Auch hier taten die Waldaktivisten ihren Unmut kund - und bedienten sich dabei bei dem Wald, den sie schützen wollen: Laut Polizei bewarfen sie die Beamten mit Ästen und Stöcken. Verletzt worden sei dabei aber kein Polizist.

Zur Frage ob beim Polizeieinsatz auch A49-Gegner verletzt wurden, konnte die Polizei keine Angaben machen. Aktivisten vermeldeten auf Twitter, dass mehrere Personen verletzt wurden, eine Person soll unter anderem am Kopf verletzt worden sein.

Forst seit einem Jahr besetzt

Umwelt- und Klimaschützer halten das Waldstück bei Homberg (Ohm) seit rund einem Jahr besetzt, um Rodungen für den geplanten Autobahnausbau zu verhindern. Dafür haben sie auf Waldwegen Barrikaden aus Baumstämmen, Ästen und Gegenständen errichtet und sich in Baumhäusern eingerichtet. Den Protesten gegen das Verkehrsprojekt hatten sich zahlreiche auch bundesweit agierende Gruppen angeschlossen, so etwa Attac Deutschland, Robin Wood und Extinction Rebellion.

Die am Montag gestarteten Vorbereitungen dienen nach Angaben der Projektgesellschaft Deges dazu, auf der sogenannten Rudolfswiese im Dannenröder Wald eine Fläche für eine Baustelleneinrichtung vorzubereiten. Außerdem sollen Wirtschaftswege in dem Wald mit einer Schotterschicht versehen werden.

Linke: Eskalation vermeiden

Kritik an den Arbeiten kam vom Aktionsbündnis "Keine A49!": Die Wiese werde "mit schwerem Gerät abgeschoben und somit unwiederbringlich zerstört", sagte eine Sprecherin. Es handele sich um ein geschütztes Biotop im Wasserschutzgebiet und um eine artenreiche Blühwiese. Das Gebiet liege zudem "außerhalb der Planfeststellung für die A49", so Schlemmer.

Der klimapolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, appellierte am Montag an Polizei und die hessische Landesregierung, alles zu unternehmen, um eine Eskalation zu vermeiden. "Die Klimaaktivist*innen nehmen angesichts der voranschreitenden Klimakrise ihr Recht auf zivilen und friedlichen Ungehorsam wahr, der Autobahnbau ist klimapolitisch und verkehrspolitisch falsch", so Beutin.

Barrikade geräumt

Die A49 soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen verbinden. In der vergangenen Woche war es im Zuge der Räumung einer Barrikade zu einer ersten größeren Auseinandersetzung gekommen. Eine Aktivistin war auf einen sogenannten Tripod geklettert - ein dreibeiniges Gestell aus Baumstämmen - und hatte stundenlang darauf verharrt, bis Spezialeinsatzkräfte der Polizei sie herunterholten.

Sendung: hr3, 21.09.2020, 15 Uhr