Kinder spielen in Sandkasten

Vormittags Maske und Mindestabstand. Nachmittags uneingeschränktes Spielen ohne Maske. Nachvollziehen kann den unterschiedlichen "Regelbetrieb unter Coronabedingungen" an Schulen und Horten nicht jeder.

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11.30 Uhr im Kinderzentrum der Kita Frankfurt im Stadtteil Höchst. Die ersten Kinder kommen aus der Schule in den Hort. Beim Betreten des Geländes trägt schon keines von ihnen mehr einen Mund-Nase-Schutz. Anders als in der Schule sei der im Hort nicht vorgeschrieben, sagt Leiterin Jutta Hack: "In unserem Hort müssen nur die Erzieher eine Maske tragen, sofern wir den Abstand nicht wahren können." Für die Kinder gelte das nicht.

40 Erst- bis Viertklässler kämen täglich zur Betreuung in den Hort, sagt Hack. Um der Ausbreitung von Corona vorzubeugen, gelten dort strengere Hygienemaßnahmen. Die Kinder sollen sich mehrfach täglich die Hände waschen und desinfizieren. Die Kitaleitung muss sie aber nicht zum Maskentragen anhalten oder nach Gruppen trennen, so wie es in den Schulen geschieht.

Keine verpflichtenden Hygienemaßnahmen vom Land

Mit diesen Regelungen ist das Kinderzentrum in Frankfurt-Höchst keine Ausnahme. Für Kindertageseinrichtungen und Horte gibt es - anders als für Schulen - keine verpflichtenden Hygienemaßnahmen vom Land Hessen. Hygienepläne und besondere Regelungen seien Sache der einzelnen Träger, heißt es auf Anfrage beim zuständigen Sozialministerium. Das Land könne lediglich Empfehlungen aussprechen.

Warum das Ministerium in diesem Punkt keine einheitliche Vorgabe machen zu können glaubt, wo es doch in den vergangenen Monaten zahlreiche Corona-Vorschriften für alle formulierte, erklärt das Haus von Sozialminister Kai Klose (Grüne) auch auf Nachfrage nicht.

Dazu kommt: Das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung für Kinder oder eine strikte Gruppentrennung wie in der Schule sieht die entsprechende Empfehlung des Sozialministeriums ohnehin nicht vor. Das Kultusministerium, für die Regeln in der Schule zuständig, verweist nur an das Sozialministerium.

Hortleitung Jutta Hack mit Kindern am Blumenbeet

Die Realität für rund 9.000 hessische Schulkinder, die nachmittags im Hort betreut werden, sieht deshalb so aus: Morgens auf dem Schulhof dürfen sie nur mit Maske und den Freunden aus der eigenen Klasse spielen. Nachmittags im Hort dürfen sie sich dann zusammentun, wie und mit wem sie wollen.

Das betrifft Horte, deren Träger eine Kita ist. Besucht ein Kind nachmittags die Erweiterte Schulische Betreuung (ESB), gelten andere Regeln. Diese lehnen sich meist an die der Schulen an.

Landeselternbeirat fordert Gesamtkonzept

Nachvollziehbar findet der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Korhan Ekinci, das nicht. Seiner Meinung nach fehlt es an einer einheitlichen Regie für die gesamte Betreuungszeit außer Haus: "Wir brauchen ein Gesamtkonzept von dem Augenblick an, in dem das Kind aus der Haustür geht, bis dann, wenn es wieder nach Hause kommt." Er fordert, dass sich alle Verantwortlichen miteinander beraten und abstimmen. Derzeit werde die Verantwortung ständig jemand anderem zugeschoben, beklagt Ekinci.

Einheitliche Hygieneregelungen fände auch Hortleiterin Hack vom Höchster Kinderzentrum sinnvoll. Aus pädagogischen Gründen sieht sie eine Maskenpflicht für Kinder im Hort aber kritisch: "Dann müssten selbst unsere kleinen Erstklässler den gesamten Tag mit Maske spielen." Ob man das den Kindern zumuten könne, sei fraglich.

Horte verlagern Aktivitäten nach draußen

Um auch ohne Maske die Ansteckungsgefahr zu verringern, wurden im Kinderzentrum in Höchst möglichst viele Aktivitäten nach draußen verlegt. Sogar Pavillons wurden angeschafft, berichtet Leiterin Hack. So könne man auch draußen Projektarbeit und Lerngruppen anbieten.

Den Kindern mache die unterschiedliche Regelung auch nichts aus, sagt Jutta Hack: "In der Schule gelten eben die einen Regeln und im Hort die anderen." Nachvollziehen könnten die Kinder das zwar nicht, sagt sie: "Aber die sehen das pragmatisch." Die Landespolitik sieht das derzeit offenbar genauso.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.08.2020, 16.45 Uhr