Ein Bischof geht in Rente: Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch von Bischof Algermissen angenommen. Damit beginnt im Bistum Fulda das Warten auf einen Nachfolger.

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Seinen inoffiziellen Abschied von den Gläubigen hatte der katholische Bischof Heinz Josef Algermissen bereits am Sonntag (03.06.18) beim großen Bistumsfest gefeiert - sein letzter großer Auftritt beim traditionellen Festtag zu Ehren des Bistumspatrons. "Dieser Anblick, das ist ein ganz großes Geschenk", sagte der 75-Jährige vor 8.000 Menschen auf dem Domplatz.

Am Dienstag dann folgte der offizielle Schritt, der den Ruhestand des Bischofs besiegelte: Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch des Bischofs angenommen. Der Nuntius des Vatikans, Erzbischof Nikola Eterović, verkündete in Fulda die Emeritierung Algermissens, zudem veröffentlichte der Vatikan eine Mitteilung. Etwa 200 Priester waren am 1264. Todestag des Heiligen Bonifatius zum sogenannten Priestertag in die Domstadt gekommen.

Im Mittelpunkt stand der Abschied von Algermissen, der am 15. Februar dieses Jahres seinen 75. Geburtstag gefeiert hatte. Nach Kirchenrecht musste er damit sein Rücktrittsgesuch beim Papst einreichen. Bis zur tatsächlichen Emeritierung dauert es in der Regel einige Wochen bis Monate, nun ist es soweit: Im Bistum Fulda beginnt die sogenannte Sedisvakanz, die bischofslose Zeit.

"Entscheidend ist, mit Begründung zu argumentieren"

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17 Jahre lang war Algermissen Bischof von Fulda. Das konservative Lager in der Deutschen Bischofskonferenz verliert mit seinem Abschied eine weitere Stimme. Algermissen brachte mit seiner strikt ablehnenden Haltung zur Sterbehilfe, zur Abtreibung oder zur Ehe für alle viele progressive Gläubige gegen sich auf.

Mit der Einteilung in fortschrittlich und konservativ konnte er selbst nach eigenem Bekunden wenig anfangen. "Entscheidend ist doch, mit Begründung zu argumentieren", hatte er kürzlich in einem hessenschau.de-Interview gesagt. Dazu gehöre, "dass es manchmal notwendig ist, nach vorne zu gehen und manchmal lebenswichtig, Bewährtes zu bewahren."

Reizthemen Homosexualität und Abtreibung

Algermissen wurde am 15. Februar 1943 in Trier geboren. In Freiburg und Paderborn studierte er Theologie. Sein beruflicher Weg führte ihn als Vikar nach Bielefeld und Meschede. 1996 wurde er einer von vier Weihbischöfen in Paderborn. 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum neuen Bischof von Fulda. Er trat damit die Nachfolge des 2000 verstorbenen Erzbischofs Johannes Dyba an.

Die Hoffnungen auf einen progressiveren Bischof in Osthessen erfüllten sich damit nicht. Mit provokanten Äußerungen zur Homosexualität oder zur Abtreibung hatte Algermissen immer wieder bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Auch während seiner 17 Jahre währenden Amtszeit wich er von diesen Positionen nicht ab.

Bischof beklagt fehlenden Respekt vor anderen

"Das entspricht nicht meinem Menschenbild", sagte er im Interview etwa zum Thema Sterbehilfe. "Für mich ist das Leben ein Geschenk Gottes, das ich nicht einfach zurückgeben kann." Der Fuldaer Oberhirte sprach sich auch deutlich gegen deutsche Waffenexporte in Krisengebiete aus.

Immer wieder beklagte Algermissen einen abnehmenden Respekt vor den Mitmenschen und eine wachsende Aggressivität. Die "verbale Aufrüstung" sei Nährboden für Schlimmeres. "Kriege fallen nicht vom Himmel, sondern werden in den Herzen der Menschen vorbereitet."

Neuer Bischof erst 2019?

Seinen Nachfolger zu benennen, könnte sich hinziehen, befürchtet der 75-Jährige. "Die Wahl des Nachfolgers eines Bischofs ist ein umfangreiches, komplexes Verfahren", hatte er kürzlich gesagt. "Selten geht es schneller als in zehn bis zwölf Monaten." Der Fuldaer Vorteil ist, dass gegenwärtig alle deutschen Bistümer einen Bischof haben. Als nächstes wird also direkt Fulda bedacht. Der Zeitpunkt ist allerdings nicht absehbar.

Aktiv mitmischen will Algermissen nicht mehr, obwohl er auch nach seinem Abschied in der Domstadt bleiben wird. Sein Nachfolger müsse ihm sagen, ob er sich Rat und Hilfe von ihm wünsche und welcher Art diese sein soll. "Dann kann ich entscheiden, was ich davon annehme." Ansonsten wolle er sich aber heraushalten. "Die Emeritierung ist sicherlich auch ein Bruch, da bin ich realistisch genug."

Seelsorge für einsame Priester

Im Ruhestand will sich Algermissen verstärkt der Seelsorge widmen, für die ihm sein Amt wenig Zeit gelassen habe. Dabei liegt ihm eine Personengruppe besonders am Herzen: "Ich will versuchen, dieses Defizit auszugleichen, wenn ich mich besonders um alte und kranke Priester, die mitunter sehr einsam sind, kümmern werde."