Antonia Quell aus Fulda hat eine Petition gegen Catcalling gestartet

Eine Studentin aus Fulda will, dass verbale sexistische Belästigung strafbar wird. Ihre Petition unterzeichneten bereits bundesweit mehr als 44.000 Menschen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fuldaer Studentin startet Petition gegen Catcalling

Sexuelle Belästigung: Thematisiert von Aktivisten in Darmstadt
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Das Handy von Antonia Quell aus Fulda steht seit einigen Wochen kaum mehr still. Immer wieder muss die Studentin erklären, warum sie eine Petition gegen Catcalling gestartet hat. Gemeint sei damit verbale sexuelle Belästigung, sagt die 20-Jährige. Anzügliche Kommentare, die von Unbekannten im Vorbeigehen und auf offener Straße fallen wie "Hey, Süße, willst du mit mir schlafen?" oder "Geiler Arsch, komm mal rüber".

Bis zu 1.500 Euro Strafe für Catcalling in Frankreich

In der Online-Petition fordert die Studentin, dass Catcalling in Deutschland strafbar wird. Innerhalb von drei Wochen unterzeichneten bundesweit mehr als 44.000 Menschen ihre Petition. Als Vorbild nennt sie Länder, in denen verbale sexuelle Belästigung bereits strafbar ist. In Frankreich etwa kann sie mit einem Bußgeld von bis 1.500 Euro geahndet werden.

Der Begriff Catcall wird vor allem in den Sozialen Netzwerken benutzt. Betreiber von Accounts wie @catcallsofdarmstadt, @catcallsoffenbach oder @catcallsfulda machen auf Instagram auf die Erfahrungen Betroffener aufmerksam, indem sie Belästigungen posten - und auf die Straße schreiben. Die Idee stammt aus New York. Dort hat ein gleich lautender Instagram-Account rund 200.000 Abonnenten.

Gegen Catcalls: Aktivsten haben in Offenbach eine der Belästigungen auf die Straße geschrieben

"Nicht alle sagen diese Sprüche, aber die meisten kennen diese Sprüche", sagt Antonia Quell. Auch Männer seien von Catcalls nicht ausgeschlossen. Ihrem Eindruck nach sind Frauen aber viel häufiger betroffen. Was ihr besonders wichtig ist: Sie will klar machen, dass verbale sexuelle Belästigungen keine Komplimente sind. "Catcalls fallen in einem unangemessen Kontext. Auf dem Weg zur Arbeit, in die Uni, im Supermarkt. Wenn ich meine Ruhe haben will und telefoniere, möchte ich nicht hören, wie jemand sagt: Hey Süße, willst du mit mir schlafen?"

Catcalling in Deutschland nicht strafbar

Verbale sexuelle Belästigungen sind im Strafgesetzbuch kein eigener Straftatbestand, bestätigt Ulrich Warncke, Opferanwalt vom Weißen Ring. Sie könnten nur dann angezeigt werden, wenn sie mit körperlichen Berührungen einhergehen oder einen eindeutigen herabwürdigenden Charakter haben.

Dumme Anmachsprüche wie "Du bist aber gut gebaut, wollen wir um die Ecke gehen, kommst du mit zu mir?" können laut Rechtsanwalt Warncke derzeit nicht strafrechtlich verfolgt werden. Erst wenn es beleidigend wird, Schimpfworte gebraucht werden oder der Person Hässlichkeit unterstellt werde, fange es an, strafbar zu werden.

Medienmanagement-Studentin Quell hält diese Regelung für nicht ausreichend. Sexismus fange viel früher und mit Worten an und könne auch ohne eine Beleidigung und Körperkontakt bleibende Schäden hinterlassen, sagt sie. Es könne nicht sein, dass viele diese Sprüche über sich ergehen lassen müssten.

Erreicht die Petition die Grenze von 50.000?

Die 20-Jährige möchte ihr Anliegen dem Petitionsausschuss des Bundestags vortragen. Dafür müsste die Petition von über 50.000 Menschen innerhalb eines Monats unterzeichnet werden.

Auf der Instagram-Seite von hessenschau haben sich zahlreiche Betroffene zu Wort gemeldet, darunter Männer, die über verbalen Sexismus berichteten. Manche Frauen bedankten sich dafür, dass das Phänomen endlich einen Namen trage.

Eine Nutzerin schrieb: "Ich stand in einer Schlange. Ein ca. 60-Jähriger drehte sich um und starrte auf meinen Oberkörper. Auf meine Bitte, dies zu unterlassen, reagierte er nicht. Ich zog meine Jacke zu, verschränkte die Arme. Er sagte, verdeck doch nicht die Aussicht." Eine andere Nutzerin schreibt: "Mir wird ständig hinterhergerufen und gepfiffen. Am schlimmsten sind laute Stöhn-Geräusche, wenn man vorbeiläuft, ekelhaft."

Sendung: hr-iNFO, 17.09.2020, 13.26 Uhr

Ihre Kommentare Welche Erfahrungen haben Sie mit Catcalling gemacht?

55 Kommentare

  • Und wie soll das denn in der Realität aussehen?

    Frau wird angemacht mit dummen Sprüchen.

    Frau ruft Polizei, denn nur diese darf Personalien aufnehmen und Personen festhalten.
    Frau muss warten, Täter auch.
    Polizei hat da gar keinen Bock drauf, solche Minidelikte, und kommt in frühestens einer Stunde.
    Sooo lange müssen alle warten.
    Das wird bestimmt lustig, wenn die Frau mit dem lästigen Täter so lange aushalten muss.
    Dann, Anzeige fertigen (vorausgesetzt man hat die Täterdaten und Zeugen).
    Dann Rechtsanwalt einschalten (viel Geld bezahlen, weil Zivilprozess).
    Gerichtstermin.... vielleicht???
    Gerichte werden bestimmt solche Prozesse wegen Geringfügigkeit einstellen...
    (wenn es nicht schon vorher die Staatsanwaltschaft eingestellt hat).
    So könnte die Gerechtigkeit für Frauen aussehen...
    Realitätsfern und am Ende hat nur einer Spaß daran gehabt...
    Genau, der Rechtsanwalt dem seine Brieftasche nun platzt...

    Ich finde es übrigens auch unanständig, wenn Proleten Frauen dumm anmachen!

  • Frage(n) an Radio Eriwan:

    Woran erkenne ich ältere verbitterte Menschen? Daran, dass sie NICHT meine Meinung teilen, sondern sich den Luxus eigenen Denkens leisten?

    Und woran erkenne ich aufrichtige Menschen? Dass sie unter Pseudonymen schreiben?

    Am Besten ALLES verbieten und strafrechtlich verfolgen.

    Schöne, neue Welt.

  • @Andreas wow,Du fühlst Dich offenbar angegriffen.. ich soll begreifen,dass das irgendwie falsch war,ok. Der Punkt ist: Ja,wir leben in einer freien Gesellschaft,Ja,wir dürfen unsere Meinung sagen und haben Grundrechte. Ja,die Baggerei brauchen wir auch. Schön,dass du eine Frau "hast",sie gehört Dir ja nicht,sondern ist mehr oder weniger freiwillig bei Dir. Nix desto Trotz: Es geht hier darum,dass Leute irgendwie denken,sie könnten ganz übergriffig werden. Ja,du darfst frech sein,aber wenn die Reaktion ungehalten ist, weil jemand das halt nicht dufte und kess fand,dann entschuldigt man sich,macht's nicht nochmal und lernt draus,verdammt! Dass Du verheiratet bist,ist keine Referenz.

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