Passanten gehen im Schwanenteichpark an einem Gedenkort für Enver Simsek, dem ersten NSU-Mordopfer, vorbei. Nach Angaben der Stadt Zwickau ist die deutsche Eiche abgesägt worden.

Enver Simsek aus Schlüchtern war das erste NSU-Mordopfer. Jetzt haben Unbekannte in Zwickau einen Baum zerstört, der an ihn erinnerte. In der Stadt hatten die Terroristen im Untergrund gelebt.

Enver Simsek

Ein Mahnmal für ein aus Schlüchtern (Main-Kinzig) stammendes erstes Mordopfer der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund"(NSU) ist zerstört worden. Die zum Gedenken an den Blumenhändler Enver Simsek gepflanzte Eiche wurde in Zwickau (Sachsen) von Unbekannten abgesägt. Nach Angaben der Zwickauer Polizeidirektion ermittelt der Staatsschutz. Zuvor hatte die "Freie Presse" aus Chemnitz darüber berichtet.

Der Bürgermeister von Schlüchtern (Main-Kinzig), Matthias Möller (parteilos), nannte die Zerstörung des Baumes in einer am Freitag auf Facebook veröffentlichten Mitteilung "schäbig" und "menschenverachtend". Er fühle mit den Angehörigen Simseks, "denen erneut ein schwerer Schlag versetzt wurde." Er hoffe, dass die Stadt Zwickau den zerstörten Baum ersetzen werde.

NSU tötete zehn Menschen

Enver Simsek war das erste Mordopfer des NSU. Am 9. September 2000 feuerten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Nürnberg neunmal auf den Blumenhändler, der in seinem Wagen Pflanzen sortierte. Simsek starb zwei Tage später an den Folgen seiner Schussverletzungen.

abgesägter Gedenkbaum

Der NSU hatte jahrelang unerkannt in Zwickau im Untergrund gelebt. Die Gruppierung, zu der noch Beate Zschäpe gehörte, wird für neun Morde an Ausländern, für die Tötung einer deutschen Polizistin sowie für zwei Sprengstoffanschläge und diverse Raubüberfälle verantwortlich gemacht. Als das Trio 2011 aufflog, nahmen sich die beiden Männer das Leben. Zschäpe wurde 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Schon 2016 wurde ein Mahnmal beschädigt

2016 war in Zwickau schon einmal ein Mahnmal für die NSU-Opfer geschändet worden. Die aus mehreren Bänken mit den Namen der Opfer bestehende Installation wurde mit Farbe beschmiert und das Holz beschädigt.

Sendung: hr-iNFO, 04.10.2019, 06.40 Uhr